Aktienrente: So wollte Deutschland die Altersvorsorge stabilisieren

Das Bundesfinanzministerium unter Christian Lindner wollte die gesetzliche Aktien­rente auf den Weg bringen. Was eine Aktien­rente ist, wie die Aktien­rente in Deutsch­land funk­tio­nieren kann sowie welche Vor- und Nach­teile mit ihr ein­her­gehen können, er­fah­ren Sie hier.

Zuständige Redakteurin für den Bereich Geldanlage
Stand: 21.04.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gesetzliche Aktienrente war ein Plan der Ampel­koalition 2022/2023. Sie ist nie reali­siert worden. Aktuell ist keine Umsetzung geplant.
  • Wenn Sie Ihre Renten­lücke mit Aktien im Rahmen Ihrer privaten Alters­vorsorge schließen wollen, empfehlen wir Ihnen bei einem langen Anlage­horizont, in einen Welt-Aktien-ETF zu investieren.
  • Die jetzige Bundes­regierung plant für 2027 ein neues Alters­vorsorge­depot als Ersatz für die Riester-Rente. In diesem Rahmen können Sie bis zu 540 € Zuschüsse pro Jahr zzgl. 300 € pro Kind erhalten.

Was ist die Aktienrente?

Die gesetzliche Aktienrente war ein Projekt der Bundes­re­gie­rung unter Olaf Scholz. Mit diesem Ins­tru­ment wollte sie einen Finan­zierungs­not­stand für die ge­setz­liche Renten­ver­siche­rung ver­hin­dern, der auf­grund der Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung droht. Für die Aktien­rente in Deutsch­land sollte zu­künf­tig ein Aktien­fonds an der Börse Gewinn er­wirt­schaf­ten. Dann hätte mehr Geld für die Renten­zah­lungen zur Ver­fü­gung gestanden. Dieses Vorhaben Aktienrente scheiterte 2024. Nach dem Bruch der Ampelkoalition gibt es aktuell keine konkreten Pläne der Regierung mehr für eine solche gesetzliche Aktienrente.

Es ist wichtig zu wissen, dass es sich bei der Aktien­rente in die­ser De­fi­ni­tion nicht um ein Ange­bot für eine pri­vate Alters­vor­sorge han­delte. Es geht hier nicht um das ebenfalls schon in der Ampel-Regierung vom damaligen Finanz­mi­nis­ter Christian Lindner (FDP) vorangetriebende Altersvorsorgedepot oder darum, dass Sie sich per­sön­lich Aktien für die Rente zu­le­gen sollen. Viel­mehr sollte mit der ge­setz­lichen Aktien­rente die deutsche Renten­ver­siche­rung lang­fris­tig auf sta­bile Beine gestellt werden.

Wie hätte die Aktienrente funktionieren sollen?

Die staatliche Aktienrente sollte folgendermaßen funktionieren: Zunächst sollte ein vom Staat orga­ni­sier­ter Aktien­fonds auf­ge­baut werden. Das darin ent­hal­tene Geld sollte an der Börse breit ge­streut an­ge­legt werden und dort eine gute Rendite er­zie­len. Den Fonds plante die Re­gie­rung als eine zu­sätz­liche Kom­po­nente der ge­setz­lichen Renten­ver­siche­rung. Er sollte als Rück­lage fun­gie­ren.

Die Ampel-Koalition wollte den Fonds für die ge­setz­liche Aktien­rente 2023 aus Haus­halts­mitteln auf­bauen. Dafür waren 10 Milliarden Euro ein­ge­plant. Der Fonds sollte sich nicht aus den Bei­trags­zah­lungen speisen. Für diese waren keine An­he­bungen geplant. Jedoch mach­te das Haus­halts-Ur­teil des Bundes­ver­fas­sungs­ge­rich­tes vom 15. No­vem­ber 2023 der Re­gie­rung einen Strich durch die Rech­nung. Für das so genannte "Ge­nera­tionen­ka­pital" war kein Geld mehr im Etat. Das Projekt wurde verschoben und ist nach dem Aus der Ampel-Koalition im November 2024 vom Tisch.

Mit der Aktienrente wollte der Bund die Renten­kasse auf­bes­sern. Sie sollte zu­künf­tig zur Sta­bili­tät der Rente und der Renten­bei­träge bei­tragen. Auf diese Weise wollte man die fi­nan­ziel­len Lücken in der Renten­ver­siche­rung stopfen oder zu­min­dest verringern.

Neues Altersvorsorgedepot beschlossen

Im März 2026 hat der Bundestag für ein neues Alters­vorsorge­depot gestimmt. Hierbei handelt es sich nicht um eine Reform der gesetz­lichen Rente. Das Alters­vorsorge­depot soll ab 2027 nach dem Willen der Bundes­regierung vielmehr Teil der privaten Alters­vorsorge der Menschen werden. Sparer profi­tieren im Rahmen des neuen Konzepts von Zuschüssen bis zu 540 € pro Jahr plus 300 € pro Kind. Auch eine Geld­anlage in Aktien-ETFs ist möglich. Zusätz­lich gibt es steuer­liche Vorteile.

Warum wollte Deutschland die gesetzliche Aktienrente einführen?

Das deutsche Rentensystem basiert darauf, dass die jetzigen Bei­trags­zahler in einen Renten­topf ein­zah­len. Dieses Geld wird dann direkt be­nutzt, um die Rente der Senio­ren zu be­zah­len. Die Jun­gen zah­len also für die ältere Gene­ra­tion. Das nennt man Um­lage­ver­fahren. Die Finan­zie­rung er­folgt über die monat­lichen Renten­ver­siche­rungs­bei­träge der Ar­beit­geber und Ar­beit­nehmer.

Das deutsche Rentensystem hat ein Problem

Die Anzahl der Beitragszahler in Deutschland sinkt: Es gibt immer weniger Ar­beit­nehmer und Selbst­stän­dige, die die Rente für immer mehr Emp­fän­ger zah­len sollen. Wäh­rend 2021 noch 100 Menschen im Er­werbs­alter 62 zu Ver­sor­gen­den gegen­über­stan­den, werden es laut Statis­tischem Bun­des­amt im Jahr 2038 vor­aus­sicht­lich 79 sein, sofern nicht uner­war­tet vie­le Men­schen aus ande­ren Län­dern in die Bundes­repu­blik ziehen und hier arbeiten.

Die langfristige Finanzierung der Rente ist also ungeklärt. Wenn die zu­künf­tige Rente nicht zu­neh­mend geringer aus­fallen soll, müssten die Renten­bei­träge der Ein­zahler er­heb­lich steigen. Arbeit­nehmern bliebe dann weniger netto von ihrem Brutto­lohn übrig. Alter­na­tiv könnte der Bund den feh­len­den Betrag der Renten­ver­siche­rung zu­schießen oder das Renten­alter konti­nu­ier­lich anheben. Alle drei Maßnahmen sind schwie­rig und un­be­liebt. Daher denken Poli­ti­ker schon länger da­rüber nach, wie sie die Rente re­for­mie­ren können.

Auf die Idee mit der Aktien­rente kamen die Poli­tiker mit Blick nach Skandi­na­vien, wo es ähn­liche Modelle bereits gibt. Die FDP machte 2021 mit ihrer ex­pli­zi­ten For­de­rung nach einer Aktien­rente Bundes­tags­wahl­kampf. Die Grünen setz­ten sich für eine ähn­liche Idee ein, einen „Bürger­fonds“ mit nach­hal­tigen An­lagen. Die SPD stellte sich eine zu­sätz­liche Vor­sorge nach dem Vor­bild Schwedens vor.

Wann kommt die Aktienrente in Deutschland?

Auf absehbare Zeit gar nicht. Die Rücklage für die Aktien­rente konnte damals wegen der Haus­halts­schwie­rig­kei­ten des Bun­des nicht wie ge­plant auf­ge­baut werden. Mit dem dann nicht mehr zur Ver­fügung stehenden Kapital hatte der Bund einen staat­lich or­gani­sier­ten Fonds ins Leben rufen wollen. Ab da war unklar, ob und wann dies statt­finden sollte. Es sollten jedoch eh noch keine Er­träge in die Renten­kasse aus­ge­schüttet werden. Das war erst ab Mitte der 2030er Jahre geplant. Dann sollte die Aktien­rente einen Bei­trag zur Stabi­li­sie­rung der Bei­träge der ge­setz­lichen Renten­ver­siche­rung leisten.

Inzwischen ist eine andere Bundesregierung an der Macht. Diese hat zurzeit keine Pläne für eine Aktienrente in dieser Form. Stattdessen hat der Bundestag im März 2026 ein neues Altersvorsorgedepot beschlossen. Dabei geht es jedoch nicht um eine Absicherung der gesetzlichen Rente, sondern um die Förderung der privaten Altersvorsorge. Das neue Altersvorsorgedepot ist als Ersatz für die alte Riester-Rente gedacht.

Welche Vorbilder gab es für die Aktienrente?

Die Treiber der damals geplanten deutschen Renten­re­form haben sich von zwei skandi­navi­schen Län­dern inspi­rie­ren lassen. Als ein Vor­bild für die deut­sche Aktien­rente gilt Norwegen. Das Land legt Ein­nahmen aus sei­nen Öl­exporten in einem Staats­fonds an, der den hohen Lebens­stan­dard seiner Bürger sichern soll. Dieser staat­liche Pensions­fonds inves­tiert seit 1998 auch in Aktien. Seit­dem er­zielt er durch­schnitt­lich eine höhere Ren­dite als der deut­sche Leit­index DAX.

Die Aktien­rente in Schwe­den heißt Prämien­rente. Seit der Jahr­tausend­wende zahlen die Ar­beit­neh­mer dort 2,5 % ihres Brutto­ein­kommens in einen Vor­sorge­fonds ein. Dabei können sie unter 800 staat­lich zu­ge­las­senen und einem staat­lich ver­wal­te­ten Fonds wählen. Letzte­rer heißt AP7-Fonds. Er ist welt­weit di­ver­si­fi­ziert und äh­nelt zu 94 % einem MSCI-ACWI-ETF. Der AP7-Fonds er­ziel­te in den letz­ten 20 Jahren im Schnitt eine Rendite von 11 %.

Insgesamt macht die Prämien­rente nur einen kleinen Teil der schwedischen Gesamt­rente aus. Ein wich­tiger Unter­schied des dortigen Renten­sys­tem zu unse­rem ist die Tat­sache, dass in Schweden anders als in Deutschland alle Er­werbs­täti­gen, also auch Selbst­stän­dige und Beamte, in die ge­setz­liche Renten­kasse einzahlen.

Wie teuer wäre die Aktienrente geworden?

Ursprünglich hatte die Bundes­re­gie­rung im Haus­halt für 2023 eine Summe von 10 Milliar­den Euro für die Aktien­rente ein­ge­plant. Weil das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt diesen Haus­halt kippte, wurde die Aktien­rente ver­schoben. Der damalige Finanz­minister Christian Lindner (FDP) hät­te für die­ses Pro­jekt am lieb­sten noch ganz an­dere finan­zielle Dimen­sionen zur Ver­fü­gung gehabt. Er sprach gegenüber dem „Tages­spiegel“ von  "mittel- bis lang­fristig" einer drei­stel­ligen Milliarden­summe. Nur dann könn­ten seiner Ansicht nach die Er­träge der Aktien­an­lagen einen spür­baren Effekt auf die Stabi­lisie­rung der Renten­bei­träge und das Renten­niveaus haben. Inzwischen plant die aktuelle Bundesregierung keine derartige Aktienrente mehr.

Welche Kritik gab es an der Aktienrente?

An der Aktienrente wurde vor allem aus zwei Gründen Kri­tik laut. Exper­ten be­fürch­teten bei einer Aktien­rente als Nach­teil, dass die Gewinne aus dem Fonds nicht aus­schließlich für die Alters­vor­sorge ver­wen­det, son­dern even­tuell für andere Be­reiche ab­ge­zweigt werden könnten, wo die Re­gie­rung gerade Geld brauche. Eine solche Zweck­ent­frem­dung wollte die Ampel­koa­li­tion jedoch per Gesetz unterbinden.

Gegner der Aktienrente äußerten zudem Zweifel, ob die Bundes­re­gie­rung in der Lage sei, am Kapi­tal­markt ver­läss­lich Gewinne zu er­wirt­schaften. Verluste an der Börse wären eine zu­sätz­liche Be­las­tung für die Renten­kasse. Es be­stand die Angst, dass Speku­la­tionen fehl­schlagen und die Renten­gelder quasi „verzockt“ würden. Diesem Risiko wollten die Be­für­wor­ter der Aktien­rente durch breit diversi­fi­zier­te An­lagen und lang­fris­tige In­vest­ments vorbeugen.

Fazit: Sorgen Sie jetzt für Ihr Alter vor!

Statt der gesetzlichen Aktienrente, wie Sie Christian Lindner in der Ampel­koalition in den Jahren 2022 und 2023 plante, setzt die Bundes­regierung aktuell das neue Alters­vorsorge­depot um. Ab 2027 können Sie bei Ihrer privaten Vorsorge von staat­lichen Zuschüssen und Steuer­vor­teilen profitieren, auch wenn Sie in Aktien-ETFs investieren.

Welt-Aktien-ETFs erzielen bislang im Schnitt eine Rendite von ca. 7–8 % pro Jahr. Wenn Sie regelmäßig Geld anlegen, z. B. mit einem monat­lichen Spar­plan, können Sie im Rahmen dieser privaten Alters­vorsorge Ihre Renten­lücke schließen.

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