Geldanlage

Aktienrente: So will Deutschland die Altersvorsorge stabilisieren

Das Bundesfinanzministerium hat die gesetzliche Aktien­rente auf den Weg gebracht. Was eine Aktien­rente ist, wie die Aktien­rente in Deutsch­land funk­tio­nieren soll sowie welche Vor- und Nach­teile mit ihr ein­her­gehen können, er­fah­ren Sie hier.

Was ist die Aktienrente?

Die gesetzliche Aktienrente ist ein Projekt der Bundes­re­gie­rung. Mit diesem Ins­tru­ment will sie einen Finan­zierungs­not­stand für die ge­setz­liche Renten­ver­siche­rung ver­hin­dern, der auf­grund der Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung droht. Für die Aktien­rente in Deutsch­land soll zu­künf­tig ein Aktien­fonds an der Börse Gewinn er­wirt­schaf­ten. Dann stünde mehr Geld für die Renten­zah­lungen zur Ver­fü­gung.

Es ist wichtig zu wissen, dass es sich bei der Aktien­rente in die­ser De­fi­ni­tion nicht um ein Ange­bot für eine pri­vate Alters­vor­sorge han­delt. Es geht also nicht darum, dass Sie sich per­sön­lich Aktien für die Rente zu­le­gen. Viel­mehr will Finanz­mi­nis­ter Christian Lindner (FDP) mit der ge­setz­lichen Aktien­rente die deutsche Renten­ver­siche­rung lang­fris­tig auf sta­bile Beine stellen.

Wie funktioniert die Aktienrente?

Für die staatliche Aktien­rente wird zunächst ein vom Staat orga­ni­sier­ter Aktien­fonds auf­ge­baut. Das darin ent­hal­tene Geld soll an der Börse breit ge­streut an­ge­legt werden und dort eine gute Rendite er­zie­len. Den Fonds plant die Re­gie­rung als eine zu­sätz­liche Kom­po­nente der ge­setz­lichen Renten­ver­siche­rung. Er soll als Rück­lage fun­gie­ren.

Die Ampel-Koalition will den Fonds für die ge­setz­liche Aktien­rente 2023 aus Haus­halts­mitteln auf­bauen. 10 Milliarden Euro sind dafür ein­ge­plant. Er speist sich also nicht aus den Bei­trags­zah­lungen, für die keine An­he­bung geplant ist.

Mit der Aktienrente soll die Renten­kasse auf­ge­bes­sert werden. Sie soll zu­künf­tig zur Sta­bili­tät der Rente und der Renten­bei­träge bei­tragen. Auf diese Weise will man die fi­nan­ziel­len Lücken in der Renten­ver­siche­rung stopfen oder zu­min­dest verringern.

Warum will Deutschland die gesetzliche Aktienrente einführen?

Das deutsche Rentensystem basiert darauf, dass die jetzigen Bei­trags­zahler in einen Renten­topf ein­zah­len. Dieses Geld wird dann direkt be­nutzt, um die Rente der Senio­ren zu be­zah­len. Die Jun­gen zah­len also für die ältere Gene­ra­tion. Das nennt man Um­lage­ver­fahren. Die Finan­zie­rung er­folgt über die monat­lichen Renten­ver­siche­rungs­bei­träge der Ar­beit­geber und Ar­beit­nehmer.

Das deutsche Rentensystem hat ein Problem

Die Anzahl der Beitragszahler in Deutschland sinkt: Es gibt immer weniger Ar­beit­nehmer und Selbst­stän­dige, die die Rente für immer mehr Emp­fän­ger zah­len sollen. Wäh­rend 2021 noch 100 Menschen im Er­werbs­alter 62 zu Ver­sor­gen­den gegen­über­stan­den, werden es laut Statis­tischem Bun­des­amt im Jahr 2038 vor­aus­sicht­lich 79 sein, sofern nicht uner­war­tet vie­le Men­schen aus ande­ren Län­dern in die Bundes­repu­blik ziehen und hier arbeiten.

Die langfristige Finanzierung der Rente ist also ungeklärt. Wenn die zu­künf­tige Rente nicht zu­neh­mend geringer aus­fallen soll, müssten die Renten­bei­träge der Ein­zahler er­heb­lich steigen. Arbeit­nehmern bliebe dann weniger netto von ihrem Brutto­lohn übrig. Alter­na­tiv könnte der Bund den feh­len­den Betrag der Renten­ver­siche­rung zu­schießen oder das Renten­alter konti­nu­ier­lich anheben. Alle drei Maßnahmen sind schwie­rig und un­be­liebt. Daher denken Poli­ti­ker schon länger da­rüber nach, wie sie die Rente re­for­mie­ren können.

Auf die Idee mit der Aktien­rente kamen die Poli­tiker mit Blick nach Skandi­na­vien, wo es ähn­liche Modelle bereits gibt. Die FDP machte 2021 mit ihrer ex­pli­zi­ten For­de­rung nach einer Aktien­rente Bundes­tags­wahl­kampf. Die Grünen setz­ten sich für eine ähn­liche Idee ein, einen „Bürger­fonds“ mit nach­hal­tigen An­lagen. Die SPD stellte sich eine zu­sätz­liche Vor­sorge nach dem Vor­bild Schwedens vor.

Die jetzt geplante ge­setz­liche Aktien­rente ist ein Kom­pro­miss der Ampel­koa­li­tion. Ist sie ein Er­folg, könnten bei gleich­blei­ben­den Renten­ver­siche­rungs­bei­trägen in Zu­kunft mehr Renten aus­ge­zahlt werden. Die Ab­hän­gig­keit des Renten­sys­tems von den Bei­trags­zah­lern würde sich redu­zieren. Die Aktien­rente könnte die Be­las­tungen für nach­fol­gende Gene­ra­tionen verringern.

Wann kommt die Aktienrente in Deutschland?

Bereits 2023 soll die Rücklage für die Aktien­rente auf­ge­baut werden. Mit die­sem Kapital wird ein staat­lich or­gani­sier­ter Fonds ins Leben geru­fen. Jedoch werden zu­nächst noch keine Er­träge in die Renten­kasse aus­ge­schüttet. Das ist erst ab Mitte der 2030er Jahre geplant. Dann soll die Aktien­rente einen Bei­trag zur Stabi­li­sie­rung der Bei­träge der ge­setz­lichen Renten­ver­siche­rung leisten.

Welche Vorbilder gibt es für die Aktienrente?

Die Treiber der aktuellen deutschen Renten­re­form haben sich von zwei skandi­navi­schen Län­dern inspi­rie­ren lassen. Als ein Vor­bild für die deut­sche Aktien­rente gilt Norwegen. Das Land legt Ein­nahmen aus sei­nen Öl­exporten in einem Staats­fonds an, der den hohen Lebens­stan­dard seiner Bürger sichern soll. Dieser staat­liche Pensions­fonds inves­tiert seit 1998 auch in Aktien. Seit­dem er­zielt er durch­schnitt­lich eine höhere Ren­dite als der deut­sche Leit­index DAX.

Die Aktien­rente in Schwe­den heißt Prämien­rente. Seit der Jahr­tausend­wende zahlen die Ar­beit­neh­mer dort 2,5 % ihres Brutto­ein­kommens in einen Vor­sorge­fonds ein. Dabei können sie unter 800 staat­lich zu­ge­las­senen und einem staat­lich ver­wal­te­ten Fonds wählen. Letzte­rer heißt AP7-Fonds. Er ist welt­weit di­ver­si­fi­ziert und äh­nelt zu 94 % einem MSCI-ACWI-ETF. Der AP7-Fonds er­ziel­te in den letz­ten 20 Jahren im Schnitt eine Rendite von 11 %.

Insgesamt macht die Prämien­rente nur einen kleinen Teil der schwedischen Gesamt­rente aus. Ein wich­tiger Unter­schied des dortigen Renten­sys­tem zu unse­rem ist die Tat­sache, dass in Schweden anders als in Deutschland alle Er­werbs­täti­gen, also auch Selbst­stän­dige und Beamte, in die ge­setz­liche Renten­kasse einzahlen.

Wie teuer wird die Aktienrente?

Bislang hat die Bundes­re­gie­rung im Haus­halt für 2023 eine Summe von 10 Milliar­den Euro für die Aktien­rente ein­ge­plant. Finanz­minister Christian Lindner stellt sich jedoch ganz andere finan­zielle Dimen­sionen vor. Der Be­für­wor­ter der Aktien­rente und FDP-Politiker sagte dem „Tages­spiegel“: „Wir brauchen mittel- bis lang­fristig eine drei­stel­lige Milliarden­summe“. Nur dann könn­ten seiner Ansicht nach die Er­träge der Aktien­an­lagen einen spür­baren Effekt auf die Stabi­lisie­rung der Renten­bei­träge und das Renten­niveaus haben.

Wie viel Geld die Regie­rung in den kommen­den Jahren in den Fonds zur Aktien­rente steckt, ist noch un­klar. Auch wie die Finan­zie­rung die­ser Be­träge aus­sehen soll, bleibt un­be­kannt. Denk­bar ist bei­spiels­weise u. a. die Auf­nahme von Schul­den und die Über­tra­gung von Ver­mögens­werten an den Fonds. Dafür kämen Aktien in­frage, die der Bund hält. Bis­lang ist kein ge­son­der­ter Bei­trag für Ar­beit­nehmer vor­gesehen.

Welche Kritik gibt es an der Aktienrente?

An der Aktienrente wird vor allem aus zwei Gründen Kri­tik laut. Exper­ten be­fürch­ten bei einer Aktien­rente als Nach­teil, dass die Gewinne aus dem Fonds nicht aus­schließlich für die Alters­vor­sorge ver­wen­det, son­dern even­tuell für andere Be­reiche ab­ge­zweigt werden könnten, wo die Re­gie­rung gerade Geld brauche. Eine solche Zweck­ent­frem­dung will die Ampel­koa­li­tion jedoch per Gesetz unterbinden.

Gegner der Aktienrente äußern zudem Zweifel, ob die Bundes­re­gie­rung in der Lage sei, am Kapi­tal­markt ver­läss­lich Gewinne zu er­wirt­schaften. Verluste an der Börse wären eine zu­sätz­liche Be­las­tung für die Renten­kasse. Es be­steht die Angst, dass Speku­la­tionen fehl­schlagen und die Renten­gelder quasi „verzockt“ würden. Diesem Risiko wollen die Be­für­wor­ter der Aktien­rente durch breit diversi­fi­zier­te An­lagen und lang­fris­tige In­vest­ments vorbeugen.

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