Das Wichtigste in Kürze
- Die gesetzliche Aktienrente war ein Plan der Ampelkoalition 2022/2023. Sie ist nie realisiert worden. Aktuell ist keine Umsetzung geplant.
- Wenn Sie Ihre Rentenlücke mit Aktien im Rahmen Ihrer privaten Altersvorsorge schließen wollen, empfehlen wir Ihnen bei einem langen Anlagehorizont, in einen Welt-Aktien-ETF zu investieren.
- Die jetzige Bundesregierung plant für 2027 ein neues Altersvorsorgedepot als Ersatz für die Riester-Rente. In diesem Rahmen können Sie bis zu 540 € Zuschüsse pro Jahr zzgl. 300 € pro Kind erhalten.
Was ist die Aktienrente?
Die gesetzliche Aktienrente war ein Projekt der Bundesregierung unter Olaf Scholz. Mit diesem Instrument wollte sie einen Finanzierungsnotstand für die gesetzliche Rentenversicherung verhindern, der aufgrund der Bevölkerungsentwicklung droht. Für die Aktienrente in Deutschland sollte zukünftig ein Aktienfonds an der Börse Gewinn erwirtschaften. Dann hätte mehr Geld für die Rentenzahlungen zur Verfügung gestanden. Dieses Vorhaben Aktienrente scheiterte 2024. Nach dem Bruch der Ampelkoalition gibt es aktuell keine konkreten Pläne der Regierung mehr für eine solche gesetzliche Aktienrente.
Es ist wichtig zu wissen, dass es sich bei der Aktienrente in dieser Definition nicht um ein Angebot für eine private Altersvorsorge handelte. Es geht hier nicht um das ebenfalls schon in der Ampel-Regierung vom damaligen Finanzminister Christian Lindner (FDP) vorangetriebende Altersvorsorgedepot oder darum, dass Sie sich persönlich Aktien für die Rente zulegen sollen. Vielmehr sollte mit der gesetzlichen Aktienrente die deutsche Rentenversicherung langfristig auf stabile Beine gestellt werden.
Wie hätte die Aktienrente funktionieren sollen?
Die staatliche Aktienrente sollte folgendermaßen funktionieren: Zunächst sollte ein vom Staat organisierter Aktienfonds aufgebaut werden. Das darin enthaltene Geld sollte an der Börse breit gestreut angelegt werden und dort eine gute Rendite erzielen. Den Fonds plante die Regierung als eine zusätzliche Komponente der gesetzlichen Rentenversicherung. Er sollte als Rücklage fungieren.
Die Ampel-Koalition wollte den Fonds für die gesetzliche Aktienrente 2023 aus Haushaltsmitteln aufbauen. Dafür waren 10 Milliarden Euro eingeplant. Der Fonds sollte sich nicht aus den Beitragszahlungen speisen. Für diese waren keine Anhebungen geplant. Jedoch machte das Haushalts-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 15. November 2023 der Regierung einen Strich durch die Rechnung. Für das so genannte "Generationenkapital" war kein Geld mehr im Etat. Das Projekt wurde verschoben und ist nach dem Aus der Ampel-Koalition im November 2024 vom Tisch.
Mit der Aktienrente wollte der Bund die Rentenkasse aufbessern. Sie sollte zukünftig zur Stabilität der Rente und der Rentenbeiträge beitragen. Auf diese Weise wollte man die finanziellen Lücken in der Rentenversicherung stopfen oder zumindest verringern.
Neues Altersvorsorgedepot beschlossen
Im März 2026 hat der Bundestag für ein neues Altersvorsorgedepot gestimmt. Hierbei handelt es sich nicht um eine Reform der gesetzlichen Rente. Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 nach dem Willen der Bundesregierung vielmehr Teil der privaten Altersvorsorge der Menschen werden. Sparer profitieren im Rahmen des neuen Konzepts von Zuschüssen bis zu 540 € pro Jahr plus 300 € pro Kind. Auch eine Geldanlage in Aktien-ETFs ist möglich. Zusätzlich gibt es steuerliche Vorteile.
Warum wollte Deutschland die gesetzliche Aktienrente einführen?
Das deutsche Rentensystem basiert darauf, dass die jetzigen Beitragszahler in einen Rententopf einzahlen. Dieses Geld wird dann direkt benutzt, um die Rente der Senioren zu bezahlen. Die Jungen zahlen also für die ältere Generation. Das nennt man Umlageverfahren. Die Finanzierung erfolgt über die monatlichen Rentenversicherungsbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
Die Anzahl der Beitragszahler in Deutschland sinkt: Es gibt immer weniger Arbeitnehmer und Selbstständige, die die Rente für immer mehr Empfänger zahlen sollen. Während 2021 noch 100 Menschen im Erwerbsalter 62 zu Versorgenden gegenüberstanden, werden es laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2038 voraussichtlich 79 sein, sofern nicht unerwartet viele Menschen aus anderen Ländern in die Bundesrepublik ziehen und hier arbeiten.
Die langfristige Finanzierung der Rente ist also ungeklärt. Wenn die zukünftige Rente nicht zunehmend geringer ausfallen soll, müssten die Rentenbeiträge der Einzahler erheblich steigen. Arbeitnehmern bliebe dann weniger netto von ihrem Bruttolohn übrig. Alternativ könnte der Bund den fehlenden Betrag der Rentenversicherung zuschießen oder das Rentenalter kontinuierlich anheben. Alle drei Maßnahmen sind schwierig und unbeliebt. Daher denken Politiker schon länger darüber nach, wie sie die Rente reformieren können.
Auf die Idee mit der Aktienrente kamen die Politiker mit Blick nach Skandinavien, wo es ähnliche Modelle bereits gibt. Die FDP machte 2021 mit ihrer expliziten Forderung nach einer Aktienrente Bundestagswahlkampf. Die Grünen setzten sich für eine ähnliche Idee ein, einen „Bürgerfonds“ mit nachhaltigen Anlagen. Die SPD stellte sich eine zusätzliche Vorsorge nach dem Vorbild Schwedens vor.
Wann kommt die Aktienrente in Deutschland?
Auf absehbare Zeit gar nicht. Die Rücklage für die Aktienrente konnte damals wegen der Haushaltsschwierigkeiten des Bundes nicht wie geplant aufgebaut werden. Mit dem dann nicht mehr zur Verfügung stehenden Kapital hatte der Bund einen staatlich organisierten Fonds ins Leben rufen wollen. Ab da war unklar, ob und wann dies stattfinden sollte. Es sollten jedoch eh noch keine Erträge in die Rentenkasse ausgeschüttet werden. Das war erst ab Mitte der 2030er Jahre geplant. Dann sollte die Aktienrente einen Beitrag zur Stabilisierung der Beiträge der gesetzlichen Rentenversicherung leisten.
Inzwischen ist eine andere Bundesregierung an der Macht. Diese hat zurzeit keine Pläne für eine Aktienrente in dieser Form. Stattdessen hat der Bundestag im März 2026 ein neues Altersvorsorgedepot beschlossen. Dabei geht es jedoch nicht um eine Absicherung der gesetzlichen Rente, sondern um die Förderung der privaten Altersvorsorge. Das neue Altersvorsorgedepot ist als Ersatz für die alte Riester-Rente gedacht.
Welche Vorbilder gab es für die Aktienrente?
Die Treiber der damals geplanten deutschen Rentenreform haben sich von zwei skandinavischen Ländern inspirieren lassen. Als ein Vorbild für die deutsche Aktienrente gilt Norwegen. Das Land legt Einnahmen aus seinen Ölexporten in einem Staatsfonds an, der den hohen Lebensstandard seiner Bürger sichern soll. Dieser staatliche Pensionsfonds investiert seit 1998 auch in Aktien. Seitdem erzielt er durchschnittlich eine höhere Rendite als der deutsche Leitindex DAX.
Die Aktienrente in Schweden heißt Prämienrente. Seit der Jahrtausendwende zahlen die Arbeitnehmer dort 2,5 % ihres Bruttoeinkommens in einen Vorsorgefonds ein. Dabei können sie unter 800 staatlich zugelassenen und einem staatlich verwalteten Fonds wählen. Letzterer heißt AP7-Fonds. Er ist weltweit diversifiziert und ähnelt zu 94 % einem MSCI-ACWI-ETF. Der AP7-Fonds erzielte in den letzten 20 Jahren im Schnitt eine Rendite von 11 %.
Insgesamt macht die Prämienrente nur einen kleinen Teil der schwedischen Gesamtrente aus. Ein wichtiger Unterschied des dortigen Rentensystem zu unserem ist die Tatsache, dass in Schweden anders als in Deutschland alle Erwerbstätigen, also auch Selbstständige und Beamte, in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen.
Wie teuer wäre die Aktienrente geworden?
Ursprünglich hatte die Bundesregierung im Haushalt für 2023 eine Summe von 10 Milliarden Euro für die Aktienrente eingeplant. Weil das Bundesverfassungsgericht diesen Haushalt kippte, wurde die Aktienrente verschoben. Der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) hätte für dieses Projekt am liebsten noch ganz andere finanzielle Dimensionen zur Verfügung gehabt. Er sprach gegenüber dem „Tagesspiegel“ von "mittel- bis langfristig" einer dreistelligen Milliardensumme. Nur dann könnten seiner Ansicht nach die Erträge der Aktienanlagen einen spürbaren Effekt auf die Stabilisierung der Rentenbeiträge und das Rentenniveaus haben. Inzwischen plant die aktuelle Bundesregierung keine derartige Aktienrente mehr.
Welche Kritik gab es an der Aktienrente?
An der Aktienrente wurde vor allem aus zwei Gründen Kritik laut. Experten befürchteten bei einer Aktienrente als Nachteil, dass die Gewinne aus dem Fonds nicht ausschließlich für die Altersvorsorge verwendet, sondern eventuell für andere Bereiche abgezweigt werden könnten, wo die Regierung gerade Geld brauche. Eine solche Zweckentfremdung wollte die Ampelkoalition jedoch per Gesetz unterbinden.
Gegner der Aktienrente äußerten zudem Zweifel, ob die Bundesregierung in der Lage sei, am Kapitalmarkt verlässlich Gewinne zu erwirtschaften. Verluste an der Börse wären eine zusätzliche Belastung für die Rentenkasse. Es bestand die Angst, dass Spekulationen fehlschlagen und die Rentengelder quasi „verzockt“ würden. Diesem Risiko wollten die Befürworter der Aktienrente durch breit diversifizierte Anlagen und langfristige Investments vorbeugen.
Fazit: Sorgen Sie jetzt für Ihr Alter vor!
Statt der gesetzlichen Aktienrente, wie Sie Christian Lindner in der Ampelkoalition in den Jahren 2022 und 2023 plante, setzt die Bundesregierung aktuell das neue Altersvorsorgedepot um. Ab 2027 können Sie bei Ihrer privaten Vorsorge von staatlichen Zuschüssen und Steuervorteilen profitieren, auch wenn Sie in Aktien-ETFs investieren.
Welt-Aktien-ETFs erzielen bislang im Schnitt eine Rendite von ca. 7–8 % pro Jahr. Wenn Sie regelmäßig Geld anlegen, z. B. mit einem monatlichen Sparplan, können Sie im Rahmen dieser privaten Altersvorsorge Ihre Rentenlücke schließen.