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Geldanlage

Frugalismus für Anfänger: Definition, Tipps und Rechenbeispiele

Wer fruga­listisch lebt, will seine Aus­gaben eines Tages aus der Rendite von Geldan­lagen und Erspar­tem bestrei­ten. Viele träu­men davon, Jahr­zehnte vor dem Renten­eintritts­alter nicht mehr arbei­ten zu müssen. Wie viel Geld muss man sparen, damit das möglich ist?

  • Inhaltsverzeichnis
    • Was ist Frugalismus? Definition

      Schon mit 40 Jahren aus dem Job aus­steigen und so viel Geld auf dem Konto haben, dass man von den Er­sparnis­sen leben kann – klingt ver­lockend? Soge­nannte Fruga­listen setzen sich genau das zum Ziel. Der Begriff Fruga­lismus stammt vom latei­nischen Wort „frugalis“, was im Deut­schen so viel wie „genüg­sam“ oder „spar­sam“ bedeu­tet. Ein anderer Begriff für Fruga­lismus ist FIRE. Das Akro­nym stammt aus dem Englischen und steht ausge­schrie­ben für: Financial Inde­pendence, Retire Early. Also: finan­zielle Unab­hängig­keit, frühe Rente.

      Die Bewe­gung der Fruga­listen ent­stand in der letzten Finanz­krise, die 2007 in den USA begann. Damals redu­zier­ten viele Menschen aus der Not heraus ihre Aus­gaben. Ab 2011 schwappte der Fruga­lismus dann auch nach Europa und in andere Teile der Welt hinüber.

      Neue Motivation von Frugalisten: finanzielle Freiheit statt finanzieller Not

      Heute hat sich die Moti­vation der Fruga­listen gewandelt: Ihre Spar­sam­keit ent­springt nun nicht mehr der finan­ziellen Not, son­dern sie ent­schei­den sich frei­willig dafür, ihren Kon­sum und ihre Aus­gaben drastisch zu reduzieren. Frugalisten geht es um bewussten Konsum­verzicht, um später einmal von ihrem Erspar­tem leben zu können. Sie wollen nicht reich werden, son­dern finan­ziell frei sein.

      Eben­so wenig wollen Fruga­listen nicht zwangs­läufig den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen, son­dern einfach frei über ihre Zeit ver­fügen können und selbst ent­scheiden, ob sie diese beispiels­weise mit einem Hobby, einem Ehren­amt oder einer Selbst­ständig­keit ausfüllen, die ihnen Freude berei­tet.

      Wie werde ich Frugalist?

      Frugalisten versuchen, den Betrag, den sie monatlich zum Leben brauchen, auf ein absolutes Minimum herunterzuschrauben und gleichzeitig über einige Jahre möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Jeden Euro, der übrig bleibt, investieren sie, beispielsweise in breitgestreute ETFs und Aktien. So erreichen sie im Laufe der Jahre einen Vermögensaufbau, von dessen Rendite sie dann leben können. Sie bauen sich also ein passives Einkommen auf.

      Die finanzielle Freiheit gilt unter Frugalisten als erreicht, sobald sie ihre laufenden Ausgaben aus der Rendite ihrer Geldanlagen und ihren Sparrücklagen bestreiten können. Das Ziel ist es immer, dass das einmal gesparte und angelegte Geld bis zum Lebensende reicht.

      Frugalistisch zu leben bedeutet eine Sparquote von bis zu 80 %

      Ganz so leicht dürfte es vielen Men­schen aller­dings nicht fallen, zum Fruga­listen zu werden: Während der durch­schnitt­liche Deutsche nach Anga­ben des Sta­tis­tischen Bundes­amts rund 10 % seiner jähr­lichen Ein­nahmen spart, kommen Fruga­listen auf Spar­quoten von 50 bis 80 %. Wer also 4.000 € netto im Monat ver­dient, sollte bereit sein, hier­von 2.000 - 3.200 € monat­lich zu sparen. Anders­herum darf er also nur zwi­schen 800 € und 2.000 € im Monat aus­geben: für Wohnen, Strom, Lebens­mittel, Versicher­ungen, Klei­dung und alles, was man sonst noch zum Leben benö­tigt.

      Möglich sind derart hohe Spar­quoten natür­lich nur bei einem ent­sprechend hohen Ein­kommen. Wer mit seinen Ein­nahmen gerade so seine laufen­den Kosten decken kann, wird nicht in der Lage sein, jeden Monat einen aus­reichend hohen Betrag zu sparen, von des­sen Rendi­ten er eines Tages leben kann. Viele Men­schen, die fruga­listisch leben, gehören zur oberen Mittel­schicht mit ent­sprechen­den Gehäl­tern. Sie arbei­ten beispiels­weise in der IT, als Ärzte, Ingeni­eure oder Juristen.

      Das große Ziel: Ab dem 40. Geburtstag von Erspartem leben

      Als magische Zahl gilt im Fruga­lismus oft die 40: Bis zu ihrem 40. Geburts­tag möchten viele Fruga­listen so viel Geld ge­spart haben, dass sie nicht mehr auf eine Erwerbs­arbeit ange­wiesen sind. Aller­dings ist das keine harte Defi­nition. Manchen Anhän­gern des Fruga­lismus geht es auch „nur“ darum, 10 oder 15 Jahre vor ihrem eigent­lichen Renten­eintritts­alter aus dem Erwerbs­leben aus­steigen zu können. Eine feste Alters­grenze, bis zu der man Fruga­list werden kann, exis­tiert jeden­falls nicht.

      Wichtig zu wissen: Auch nachdem Fruga­listen ihr Ziel er­reicht haben, leben sie nicht beson­ders luxeri­ös, auch wenn ihr ange­spartes Vermö­gen auf den ersten Blick groß wirken mag. Letzt­lich reicht es in der Regel nur aus, um den bis­herigen – in der Regel eher beschei­denen – Lebens­stil weiter­führen zu können.

      Wie viel Geld sollte ich sparen, um mit 40 in Rente zu gehen?

      Wie viel Geld man benötigt, um fruga­listisch zu leben, hängt im Wesent­lichen von einer Frage ab: Welche Summe brauche ich monat­lich zum Leben?

      Fruga­listen orien­tieren sich gerne an der soge­nannten 4 %-Regel, die durch die Trinity Study bekannt wurde und im Jahr 1998 an der privaten Trinity Uni­versity in San Antonio, Texas, von drei Finanz­wissen­schaftlern ent­wickelt wurde. Die Studie besagt, dass man 25 Mal so viel Start­kapital benötigt und rendite­träch­tig ange­legt haben muss, wie man pro Jahr aus­geben möchte.

      Beispielrechnung: Wie viel Geld brauche ich für Frugalismus?

      Ein Beispiel: Ange­nommen, Sie benö­tigen monat­lich 2.000 € zum Leben, dann sind das pro Jahr 24.000 €.

      Laut der Trinity Study ergibt sich fol­gende Rechnung:

      25 x 24.000 € = 600.000 €

      Anders formuliert: Um aus dem Erwerbs­leben aus­stei­gen und sich zur Ruhe setzen zu können, müssen Sie 600.000 € angespart und in über­wiegend rendite­träch­tigen Geld­anlagen inves­tiert haben.

      Zweite Version der Trinity Study: Aktuelles Vermögen als Grundlage

      Es gibt noch eine ab­gewandelte Version der Trinity Study, die das aktu­elle Vermö­gen als Grund­lage nimmt: Ange­nommen, Sie haben 10.000 € in Wert­papieren angelegt, dann dürfen Sie laut der 4 %-Regel jedes Jahr 400 € daraus entnehmen. Auf den Monat runter­ge­brochen sind das also gerade ein­mal 33,33 €. Das reicht natürlich bei weitem noch nicht aus, um davon seinen Lebens­unterhalt zu bestrei­ten. Grund­lage dieser Berech­nung ist die An­nahme, dass die ent­nommenen 4 % durch die Rendi­te, die diese Geld­anla­ge im Jahr mit sich bringt, wieder rein­kommen.

      Je höher also Ihr Ver­mögen ist, das Sie in Wert­papie­ren ange­legt haben, desto größer ist folg­lich der Betrag, den Sie jähr­lich bzw. monat­lich ent­nehmen dürfen. Die folgende Tabel­le zeigt einige Beispiel­werte, die auf Grundlage der 4 %-Regel berechnet wurden.

      Beispiele für die 4 %-Regel zur Vermögens­entnahme

      Vermögen in Wertpapieren4 % des Vermö­gens = mögliche Summe, die jährlich ent­nommen werden kannMonatlicher Ent­nahme­betrag
      50.000 €2.000 €2.000 €:12 = 166,66 €
      500.000 €20.000 €20.000 €:12 = 1.666,66 €
      1.000.000 €40.000 €40.000 €:12 = 3.333,33 €

       

      Wie lege ich das gesparte Geld frugalistisch an?

      Wer vorhat, eines Tages von seinen Erspar­nissen zu leben, muss sein Geld gewinn­bringend anlegen. Gleich­zeitig darf das Risiko dieser Anlagen nicht zu hoch sein, weil sonst die Gefahr besteht, das Geld zu ver­zocken. Fruga­listen setzen deshalb in der Regel auf folgenden Mix:

      • Den größten Teil ihrer Erspar­nisse legen sie in risiko­streuen­de Fonds bzw. ETFs an.
      • Manche inves­tieren zusätz­lich einen Teil in Aktien.
      • Einen kleinen Teil ihres Erspar­ten legen viele Fruga­listen zur Sicher­heit als Tages­geld oder Fest­geld an. Alter­nativ inves­tieren Fruga­listen in risiko­arme Staats­anleihen oder – häufig über Fonds – in Immob­ilien oder Roh­stoffe.

      Wie genau die Vertei­lung auf die einzel­nen Anlage­formen aussieht, ist indi­viduell verschie­den und hängt auch vom jewei­ligen Sicher­heits­bedürf­nis ab. Wer ein sehr hohes Sicher­heits­bedürfnis hat, sollte lieber etwas mehr Geld auf dem Tages- oder Fest­geld­konto parken. Gleich­zeitig bedeutet das aber natür­lich auch eine gerin­gere Ren­dite, weil die Zin­sen bei diesen Anlage­formen zur­zeit extrem nied­rig sind.

      So investieren Sie in risikostreuende Fonds bzw. ETFs

      Um Geld in Fonds bzw. ETFs anlegen zu können, benötigen Sie zunächst ein Depot, von dem aus Sie Ihre Wert­papiere verwalten. Das kann bei Ihrer Haus­bank sein – es gibt aber eine Reihe von Anbie­tern, die wahrschein­lich güns­tiger sind.

      zum Depot Vergleich

       

      Als nächs­tes wählen Sie einen Fonds oder ETF aus. Als breit gestreu­te Geldan­lage mit über­schau­barem Risiko bei gleich­zeitig guter Ren­dite gilt bei­spiels­weise der ETF MSCI World – ein Aktien­index, der die Kurs­entwick­lung von mehr als 1.600 Unter­nehmen in Industrie­ländern welt­weit abbildet. Zu den größten darin ent­hal­tenen Unter­nehmen zählen beispiels­weise Apple, Amazon oder Face­book. Seit 1970 konnte der MSCI World eine Durchschnitts­rendite von 7,1 % erzie­len.

      Exper­ten raten darüber hinaus dazu, neben dem MSCI World auch in einen soge­nannten Schwellen­länder-ETF zu inves­tieren. Hier sind die Schwan­kungen zwar größer, gleich­zeitig kön­nen aber auch die erziel­ten Rendi­ten höher liegen. Das Pen­dant zum MSCI World heißt MSCI Emer­ging Markets. Dieser Index bildet die Ent­wicklung von fast 1.400 Unternehmen aus insgesamt 27 Schwellen­ländern ab. In den vergan­genen 30 Jahren erreichte dieser Index eine Rendite von durch­schnitt­lich 10,4 %.

      Einfach anlegen lassen

      Wer sich nicht selbst um die Zusammen­setzung seines Wert­papier-Port­folios kümmern möchte, kann soge­nannte Robo-Advi­sor nutzen. Das ist eine Soft­ware, die auf der Grund­lage von Algo­rith­men Empfeh­lungen für ein opti­mier­tes Port­folio gibt und gegen Gebüh­ren die Geld­anlage über­wacht.

       

      Robo-Advisor Vergleich

      Regelmäßig Anteile kaufen – und dann lange halten

      Gut eignet sich ein ETF Spar­plan, den Sie direkt in Ihrem Online-Depot anle­gen kön­nen. Dafür defi­nieren Sie eine Summe, die Sie idealer­weise monat­lich in den Spar­plan ein­zah­len. Los geht es in der Regel ab 25 €. Wer an­strebt, eines Tages finan­ziell frei zu sein, muss natürlich deut­lich höhere Bei­träge einzah­len. Spar­pläne haben einer­seits den Vor­teil, dass man sie nur ein­mal anle­gen muss und sie dann von alleine lau­fen. Zum ande­ren er­heben die meis­ten Anbie­ter für die monat­liche Trans­aktion keine Gebüh­ren.

      Grund­sätzlich ver­folgen Fruga­listen die soge­nannte Buy and Hold Strate­gie: Das bedeu­tet, dass sie – im Ideal­fall über einen Spar­plan – regel­mäßig Anteile eines ETFs kaufen und diese dann halten. Ganz egal, wie die Börsen­kurse sich gerade ent­wickeln. Denn wer pa­nisch alles ver­kauft, wenn die Kurse ein­mal in den Kel­ler gehen, riskiert große Verlu­ste. Wer hinge­gen in schlech­ten Börsen­zeiten regel­mäßig weiter An­teile ein­kauft, kauft diese zu einem gerin­geren Preis als in guten Börsen­zeiten. Und wer günstig ein­kauft, profi­tiert in Zeiten eines erneu­ten Auf­schwungs dop­pelt.

      Auch Frugalisten investieren in Einzelaktien

      Manche Frugalisten setzen neben Fonds bzw. ETFs auf Einzel­aktien. Der Vor­teil: Die Renditen, die hier erzählt werden können, können deut­lich über denen von ETFs lie­gen. Der Nach­teil: Das Risi­ko eines Ver­lustes ist eben­falls deut­lich größer. Denn wie sich Aktien­kurse ent­wickeln, kann nie­mand vorher­sagen. Und während in einem ETF immer viele Aktien­werte enthal­ten sind, deren Ent­wick­lungen sich auch mal gegen­seitig ab­federn können, gibt es dieses Sicher­heits­netz bei Einzel­aktien natür­lich nicht.

      Auch für den Handel mit Einzel­aktien legen Sie zuerst ein Depot an. Dort können Sie dann selbst­ständig und mit weni­gen Klicks Aktien kaufen – und natürlich auch wieder verkaufen.

      Geld auf dem Tages- oder Festgeldkonto anlegen

      Einen kleinen Teil ihres Erspar­ten parken Fruga­listen in der Regel auf einem Tages- oder Festgeld­konto. Diese Summe dient als Sicher­heits­bau­stein. Beispiels­weise für den Fall, dass die Welt­wirt­schaft in eine Rezes­sion gerät. Denn auch dann wollen Fruga­listen schließlich nicht darauf ange­wiesen sein, wieder eine Erwerbs­arbeit auf­nehmen zu müssen. Aktuell gibt es auf Tages- und Fest­geld­konten aller­dings gar keine oder nur verschwin­dend geringe Zinsen.

      Als Alter­native zum Tages- oder Fest­geld­konto inves­tieren manche Fruga­listen ihren Sicher­heits­baustein auch in risiko­ärmere Anla­gen, wie Staats­anleihen, Immobilien- oder Rohstoff­fonds.

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      Wie funktioniert im Frugalismus die Auszahlphase?

      In der Auszahl­phase ernten Fruga­listen die Früchte ihrer jahre­langen Spar-Bemühun­gen. Wenn sie alles rich­tig gemacht haben, sind sie fort­an nie wie­der auf eine Erwerbs­arbeit ange­wiesen. Natür­lich können sie weiter­hin arbei­ten oder als Selbst­ständige Pro­jekte an­nehmen – aber sie müs­sen es nicht. Al­lein diese Wahl­möglich­keit macht für viele den Reiz eines fruga­lis­tischen Le­bens aus.

      Ganz wich­tig ist in der Aus­zahl­phase jedoch die rich­tige Ent­nahme­stra­tegie: Einer­seits gibt es die Mög­lich­keit, regel­mäßig eine feste Summe aus dem ange­spar­ten Vermö­gen zu ent­neh­men. Und anderer­seits könnten Anle­ger auch die Strate­gie verfol­gen, die ange­sparte Summe nicht anzu­tasten und statt­dessen von den Zinsen und Divi­denden zu leben, die diese abwirft. Was funktio­niert also besser?

      Die Früchte ernten und vom Ersparten leben

      In der Regel verfolgen Fruga­listen die Variante, ihre ange­sparte Summe nicht un­nötig anzu­tasten. Natür­lich funktio­niert das in der Reali­tät aber nicht immer. Denn in börsen­schwachen Jahren werfen die Kapital­anlagen unter Um­ständen nicht jeden Monat – oder jedes Jahr – die benö­tigte Summe ab.

      In diesen Fällen greift die oben bereits näher beschrie­bene 4 %-Regel: Weil man davon aus­geht, dass Kapital­anla­gen wie ETFs mindes­tens 4 % Rendi­te im Jahr ein­brin­gen, kann man eben diese 4 % auch jedes Jahr ent­nehmen, ohne dass das Gesamt­vermö­gen auf­ge­zehrt wird. Deut­lich mehr als 4 % sollte man jedoch auf keinen Fall ent­nehmen. Denn dann besteht die Gefahr, dass man sein Vermö­gen auf­zehrt. Und da nie­mand weiß, wie alt er einmal wird und wie lange er auf sein ei­nmal Er­spar­tes ange­wiesen ist, wäre diese Strate­gie keine gute Idee.

      Anders­herum werfen Kapital­anlagen in guten oder sehr guten Börsen­jahren auch durch­aus mal mehr ab, als Fruga­listen monat­lich zum Leben benö­tigen. Diese Summe kann man dann wieder­um als Sicherheits­polster auf einem extra Konto par­ken, das man in schlech­teren Zei­ten auch mit gutem Gewis­sen aufzeh­ren kann.

      Spartipps für Frugalisten

      Um eines Tages von ihrem Erspar­ten leben zu können, achten Fruga­listen im Alltag natür­lich sehr auf ihre Aus­gaben. In Blogs, News­lettern, Videos und Büchern teilen bekannte Gesich­ter des Fruga­lismus – wie beispiels­weise Oliver Noel­ting oder Florian Wagner – konkre­te Tipps, von denen wir hier eine Aus­wahl vorstel­len.

      Wie wohnen Frugalisten?

      Oliver Noelting gehört zu den bekann­testen Anhän­gern des Fruga­lismus in Deutsch­land. Auf seinem Blog be­schreibt er unter ande­rem, wie er mit seiner Part­nerin in Hanno­ver wohnt: nämlich auf so wenig Platz wie mög­lich. Da­durch ist nicht nur die Miete güns­tiger als bei einer großen Wohnung, sondern auch die Neben­kosten – insbeson­dere die Heiz­kosten – sind deutlich gerin­ger.

      Darüber hinaus achten Noelting und seine Partnerin darauf, keine un­nötigen Elektro­geräte zu besitzen, weil diese wiederum Strom fressen und damit die Neben­kosten erhöhen. Bei der Wasch­maschine und dem Geschirr­spüler nutzen sie in der Regel die Energie­spar­programme.

      Strom und Kosten sparen

      In unserem Ratgeber Strom sparen geben wir Ihnen weitere Tipps, wie Sie Ihre Strom­rechnung niedrig halten. Und günstige Strom­tarife finden Sie in unserem Stromvergleich.

      Wie funktioniert Mobilität frugalistisch?

      Florian Wagner gehört ebenfalls zu den bekann­ten deut­schen Fruga­listen und hat unter ande­rem das Buch „Rente mit 40 – Finan­zielle Frei­heit und Glück durch Fruga­lismus“ geschrie­ben. Auf seinem Blog gibt er viele Fruga­lismus-Tipps. Einer davon lautet: Verzichte – wann immer möglich – auf öffentliche Verkehrs­mittel und ein Auto. Wagner legt so viele Strecken wie möglich zu Fuß oder mit dem Rad zurück. Sollte das einmal nicht mög­lich sein, nutzt er Fahr­gemein­schaften.

      Wie sparen Frugalisten Geld beim Essen?

      Auch für die täg­lichen Mahl­zeiten hat Wagner Spar-Tipps parat: Zum einen rät er dazu, mit­hilfe eines Speise­plans immer nur so viel für die Woche einzu­kaufen, wie man tat­sächlich benötigt. Denn da­durch schmeißt man letzt­lich weniger verdor­bene Lebens­mittel weg. Und zum anderen rät er dazu, selbst zu kochen. Das spart nicht nur eine Menge Geld, sondern die Mahl­zeiten sind oft auch frischer und gesün­der. Auch für Reisen kann man sich Proviant mit­nehmen oder einen Kaffee im Thermo­becher, um unter­wegs nicht auf den teu­ren Coffee-to-Go ange­wiesen zu sein.

      Wie kaufen Frugalisten ein?

      Über den Lebens­mittel­einkauf hinaus rät Florian Wagner dazu…

      • Groß­packungen einzu­kaufen: egal ob bei Shampoo oder Wasch­mittel. In der Regel lässt sich dadurch Geld sparen.
      • Haus­marken statt Marken­artikel zu kaufen oder diese zumin­dest gut zu ver­glei­chen. Bei Marken­artikeln zahlt man oft alleine für den Namen einen Auf­schlag. Das bedeu­tet aber nicht zwingend, dass die Qualität besser ist.
      • Gemüse und Obst lassen sich zum Teil auch selbst anbauen – in einer Stadt­wohnung mit Balkon beispiels­weise in einem Hochbeet.

      Was ist der Unterschied zwischen Frugalismus und Minimalismus?

      In vielen Bereichen weist der Fruga­lismus Ähnlichkeiten zum Minima­lismus auf: Auch Minima­listen schränken ihren Kon­sum bewusst ein. Aller­dings geht es ihnen oft­mals stär­ker darum, Ressour­cen und die Um­welt zu schonen und aus einer generellen Konsum­kritik heraus Ver­zicht zu üben.

      Bei Fruga­listen steht hinter dem Verzicht das Ziel, durch Spar­samkeit und geziel­tes Inves­tieren der Erspar­nisse eines Tages finan­zielle Unab­hängig­keit zu er­rei­chen. Kriti­ker sehen darin auch ei­nen Wider­spruch: Einer­seits ver­zich­ten Fruga­listen auf Konsum. Gleich­zeitig inves­tieren sie ihr Geld am Kapital­markt, der nur durch den Kon­sum von Menschen Ren­dite ein­bringt und letzt­lich den Lebens­unter­halt der Fruga­listen finan­zieren soll. Ins­gesamt sind die Gren­zen zwischen Fruga­lismus und Mini­malis­mus durch­aus fließend und die beiden Bewe­gungen lassen sich nicht ganz klar von­einan­der abgrenzen.

      Funktioniert Frugalismus auch mit Kindern?

      Unter den Fruga­listen und Anhängern der soge­nannten FIRE-Bewe­gung gibt es viele, die Kin­der haben. Kri­tiker äußern zwar immer wieder die Vermu­tung, dass dies nicht funktio­nieren kann. In der Praxis bewei­sen aber ziem­lich viele Fami­lien, dass es mög­lich ist. Nicht alle leben wirk­lich aus­schließlich von den Rendi­ten ihrer Erspar­nisse. Aber viele haben ein aus­reichend großes Vermö­gen ange­spart, um daraus ein Zusatz­ein­kommen zu generie­ren und nur noch in Teil­zeit zu arbei­ten. Außer­dem fragen sie sich bei jeder Ausgabe, ob diese wirk­lich notwen­dig ist und ob sie es wert wäre, dafür im Gegen­zug einer Erwerbs­arbeit nachzu­gehen.

      Fruga­listen wie Oliver Noel­ting raten dazu, schon vor der Familien­grün­dung möglichst so zu leben, dass man nur eines von zwei Gehäl­tern aus­gibt und das andere spart. Denn dann geraten junge Eltern nicht auto­matisch in finan­zielle Bedräng­nis, wenn das Baby auf der Welt ist, und das zweite Ein­kommen (vorüber­gehend) erst einmal weg­fällt.

      Vergleich.de Tipp

      Fruga­lismus für An­fän­ger: Auch wer sich persön­lich nicht vorstel­len kann, komplett fru­gal zu leben, kann sich von Fruga­listen einiges ab­schauen und über die Jahre ein kleines Vermö­gen auf­bauen. Ob man das Geld als Sicher­heits­polster liegen lässt, es für eine Reise, als Auf­bes­serung der Rente oder als Möglich­keit nutzt, um einmal Arbeits­stun­den zu redu­zieren, kann man dann immer noch ent­scheiden.

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