Das Wichtigste in Kürze
- Die Frage, ob Wohnen zur Miete oder der Kauf einer Immobilie sinnvoller ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.
- Entscheidend sind mehrere Faktoren wie Lage, Eigenkapital, laufende Kosten, Flexibilität und die eigene Lebensplanung.
- Ein Immobilienkauf lohnt sich, wenn ausreichend Eigenkapital vorhanden ist, eine langfristige finanzielle Belastung getragen werden kann und die Immobilie lange genutzt werden soll.
- Mieten bietet mehr Flexibilität, geringere Verantwortung für die Instandhaltung und planbare Nebenkosten. Mieter sind jedoch abhängig von der Entwicklung der Mietenhöhe.
Sollte ich eine Immobilie kaufen oder doch lieber mieten?
Sieben von zehn Deutschen träumen Studien zufolge von einem Eigenheim. In der Realität hat Deutschland aber mit 47 % eine geringe Eigenheimquote. Im EU-Vergleich liegt Deutschland damit im unteren Drittel. Daran hat auch die jahrelange Phase der historisch niedrigen Bauzinsen nichts geändert. Denn auch wenn Immobilienfinanzierungen seit 2024 wieder günstiger wurden, stiegen die Immobilienpreise stark an. Das hat viele Menschen abgeschreckt.
Die Preise liegen mit starken regionalen Unterschieden immer noch auf hohem Niveau. Gleichzeitig sind die Bauzinsen gestiegen – Experten sehen sie im weiteren Jahresverlauf zwischen 3–4 % schwanken. Ist in dieser Situation ein Haus zu kaufen überhaupt noch sinnvoll? Es kommt darauf an. Denn ob es sich lohnt, eine Immobilie zu kaufen, hängt von mehreren individuellen Faktoren ab:
- die Lage der gewünschten Immobilie – das Verhältnis von Kauf- zu Mietpreisniveau ist regional unterschiedlich
- die finanziellen Rahmenbedingungen – wie viel Eigenkapital habe ich und welche laufenden Kosten werde ich stemmen müssen?
- die persönlichen Voraussetzungen – welche Art von Flexibilität ist mir wichtig?
Nur nach dem Abwägen der verschiedenen Faktoren können Sie die für Sie richtige Entscheidung treffen. Der folgende Artikel bietet Ihnen dazu eine Entscheidungshilfe.
Lohnt sich ein Eigenheim aus finanzieller Sicht?
Das lässt sich für 2026 nicht genau sagen. Im Jahr 2023 war Mieten im Durchschnitt finanziell günstiger als Kaufen. Die aktuelle Version des Accentro Wohnkostenreports aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die laufenden Kosten für selbstnutzende Eigentümer im Schnitt etwa 15 % über den Neuvertragsmieten lagen und sich der frühere Kostenvorteil des Eigentums damit umgekehrt hat. Die Hauptursache hierfür waren deutlich gestiegene Zinsen für Immobilienkredite in den Jahren 2022 und 2023, die die Kosten für Immobilienbesitzer stark nach oben getrieben haben.
Regional zeigt sich aber ein differenziertes Bild: In etwa einem Drittel der 401 deutschen Kreise sind die Selbstnutzerkosten niedriger als die Mieten. Das gilt vor allem in ländlichen Regionen und im Umland großer Städte. In den teuren Metropolen, wie z. B. in München, Berlin oder Hamburg, ist Kaufen dagegen klar im Nachteil, weil die Kaufpreise im Verhältnis zu den Mieten sehr hoch sind und die höheren Zinsen dort besonders durchschlagen.
Prognose: Kaufen wird wieder attraktiver
Der Report bietet auch eine Prognose: 2024 und 2025 dürfte sich das Verhältnis zwischen Mieten und Kaufen wieder zugunsten des Kaufens verschoben haben. Die Studie geht davon aus, dass die gesunkenen Zinsen für Immobilienkredite Kaufen attraktiver machen, während die Mieten deutlich gestiegen sind und auch weiterhin steigen werden.
Grund dafür ist der anhaltende Wohnraummangel, insbesondere in Städten und deren Umland, sowie eine rückläufige Neubautätigkeit. Sinkende Zinsen senken die Finanzierungskosten für Käufer, steigende Mieten machen das Mieten teurer.
Selbstnutzerkosten als Grundlage der Berechnung
Um die Kosten für die Miete mit den Kosten eines Eigentümers vergleichbar zu machen, ermittelt der Wohnkostenreport die Selbstnutzerkosten. Dafür werden verschiedene mit dem Immobilienkauf und dem Unterhalt verbundene Kosten aufsummiert und auf einen Betrag in €/qm heruntergebrochen.
Zu den Kosten beim Haus- und Wohnungskauf gehören z. B. die Kaufnebenkosten, die Raten für die Baufinanzierung und die laufenden Nebenkosten von Haus oder Eigentumswohnung. Auf der Habenseite wird beim Immobilienbesitz die jährliche Wertsteigerung berücksichtig. Folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Selbstnutzerkosten in den vergangenen Jahren.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Selbstnutzerkosten im Vergleich zu Neuvertragsmieten und Bestandsmieten von 2010 bis 2022. Es sind drei Linien zu sehen, die jeweils die entsprechenden Werte wiedergeben. Die Selbstnutzerkosten (rote Linie) schwanken dabei stark von einem Ausgangswert von 8 €/qm im Jahr 2010 bis zu mehr als 10 € im Jahr 2022. Einen geraden Verlauf zeigt die Linie der Bestandsmieten (grün). Diese steigen von 6,5 €/qm auf knapp unter 8 €/qm. Die höchsten Werte zeigt die gelbe Linie, die die Neuvertragsmieten darstellt. 2010 beträgt der Preis 7,5 €/qm, im Jahr 2022 liegt er bei ca. 11 €/qm. Quelle ist der Wohnkostenreport 2024 vom Institut der Deutschen Wirtschaft.
Wohnung oder Haus kaufen: Vorteile und Nachteile
Mieten oder Kaufen entscheidet sich auch anhand einer Reihe von Vorteilen und Nachteilen. Bevor Sie sich also aus finanziellen Gründen für den Hauskauf entscheiden, sollten Sie sich zusätzlich die persönlichen Vor- und Nachteile als Immobilienbesitzer klarmachen. Zu den Vorteilen gehören besonders die Aspekte Sicherheit und Unabhängigkeit. Sie besitzen mit einer Immobilie, in der Sie selbst wohnen, einen sicheren Wert und sind unabhängig von Mieterhöhungen. Allerdings gibt es auch Nachteile wie die langfristige Bindung an die finanzierende Bank und die Verantwortung für den Zustand des Hauses.
Vorteile beim Hauskauf
- Immobilie als sichere Wertanlage, deren Wert in vielen Regionen langfristig steigt
- von der Inflation unabhängiger Wert
- finanzielle Sicherheit mit planbarer Belastung bei passender Bau- und Anschlussfinanzierung
- Entscheidungsfreiheit über Gestaltung und Ausbau
- keine Sorgen vor steigenden Mieten oder Kündigung des Mietverhältnisses
- im Alter mietfreies Wohnen (wenn die Baukredite abgezahlt sind)
Nachteile beim Hauskauf
- an einen Ort gebunden
- Abhängigkeit von Bank durch die Baufinanzierung
- ggf. hohe Nebenkosten bei der Finanzierung
- Abhängigkeit von den Planungen der Gemeinde des Wohnsitzes
- mögliche Verluste bei Verkauf nach wenigen Jahren, da die Kosten der Finanzierung am Anfang relativ hoch sind
- Verantwortung für Pflege und Instandhaltung
Wohnung oder Haus mieten: Vorteile und Nachteile
Bei der Entscheidung, ob Sie eine Wohnung oder ein Haus kaufen oder mieten sollen, geht es auch um folgende Aspekte: Wenn Sie zur Miete wohnen, müssen Sie sich in der Regel nicht um die Instandhaltung des Objektes kümmern. Hat zum Beispiel die Heizung einen Defekt, ist es die Aufgabe des Vermieters die Reparatur zu organisieren. Es kommen lediglich die normalen Renovierungsarbeiten wie Tapezieren auf Sie zu. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Sie mit den festgelegten Kündigungsfristen jederzeit ein Mietverhältnis kündigen und umziehen können.
Der größte Nachteil ist für viele die Ungewissheit, wie sich die Mieten in den kommenden Jahren entwickeln werden. Gerade in den Ballungsräumen steigt das Mietniveau und es besteht die Gefahr, dass Sie als Mieter kräftig steigende Mieten zahlen müssen.
Vorteile beim Haus mieten
- überschaubare Nebenkosten
- Instandhaltung ist Sache des Vermieters
- Flexibilität bei der Wahl des Wohnorts und der Wohnungsgröße
- keine langfristige finanzielle Bindung an eine Bank
Nachteile beim Haus mieten
- Gefahr von steigenden Mieten
- Abhängigkeit vom Vermieter
- hohe Nebenkostenabrechnung zusätzlich zur Miete möglich
- Zahlung einer Mietkaution auf ein Mietkautionskonto
Für wen lohnt sich Kaufen statt Mieten?
Nicht für jeden ist der Hauskauf das Richtige. Zum einen müssen die eigenen finanziellen Bedingungen stimmen und zum anderen ist es eine Typfrage. Denn das Wohnen in den eigenen vier Wänden ist mit Aufwand und Verantwortung verbunden. Eine eigene Immobilie ist für Sie genau das Richtige, wenn
- … Sie genügend Eigenkapital mitbringen (empfehlenswert sind mindestens 20 % des Kaufpreises).
- … Sie die finanzielle Belastung eines langfristigen Kredites auf sich nehmen können.
- … Sie eine Altersvorsorge in Form einer Immobilie aufbauen möchten.
- … Sie Rücklagen für notwendige Reparaturen bilden können.
- … Sie sich an einen Ort binden wollen.
- … Sie gerne selbst organisieren und sich um Ihr Eigentum kümmern wollen.
- … Sie mehr Platz für sich und Ihre Familie haben wollen.
Kaufen statt Mieten – so klappt es mit der Baufinanzierung
Wenn Sie Ihre Wahl zwischen Mieten oder Kaufen getroffen haben und sich für den Kauf einer Immobilie entschieden haben, sollten Sie auf eine für Sie individuell zugeschnittene Baufinanzierung achten. Nur bei der realistischen Berücksichtigung Ihrer finanziellen Rahmenbedingungen sind Sie auf der sicheren Seite. Die Höhe der Kreditsumme ist abhängig
- von der monatlichen Rate, die Sie zahlen können,
- vom aktuellen Zinssatz,
- vom Finanzierungszeitraum
- und vom vorhandenen Eigenkapital.
Lohnt sich der Immobilienkauf als Geldanlage?
Nicht jeder will ein Haus oder eine Wohnung kaufen, um dort selbst zu wohnen. Immobilien gelten als beliebte Form der Geldanlage. Außerdem versprechen steigende Mieteinnahmen einen guten Gewinn. Damit sich die Investition in „Betongold“ für Sie lohnt, haben wir einige Tipps für Sie:
Die Lage des Objektes ist entscheidend. In Städten und Ballungsräumen sind zwar die Immobilienpreise höher als auf dem Land. Aber dort ist in den kommenden Jahren mit weiter steigender Nachfrage nach Wohnraum zu rechnen. Außerdem erhöhen eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz und eine angenehme Nachbarschaft den Wert der Immobilie.
Die Investition in Immobilien ist immer mit Risiken verbunden. Es können jederzeit Kosten durch notwendige Maßnahmen zur Energieeffizienz oder unvorhergesehene Renovierungskosten auf Sie zukommen. Außerdem sind Mietausfälle möglich, die Ihre Rendite reduzieren.
Es gibt verschiedene Formeln, mit denen Sie die mögliche Rendite berechnen und damit infrage kommende Objekte miteinander vergleichen können. Ein Beispiel ist die Nettomietrendite. Die errechnen Sie, wenn Sie den Netto-Mieterlös durch die Investitionskosten teilen und das Ergebnis mal 100 nehmen. Ein Beispiel: Der jährliche Netto-Mieterlös beträgt 11.000 € (nach Abzug der Nebenkosten, Steuer und Rücklagen) und die Investitionskosten liegen bei 250.000 € (Kaufpreis, Makler, Kaufnebenkosten). Die Formel lautet dann: 11.000 / 250.000 X 100 = 4,4. Sie erwirtschaften nach dieser Formel eine Rendite von 4,4 %.
Mehr dazu lesen Sie auf unseren Seiten Immobilien als Kapitalanlage und Renditerechner Immobilien.
Die Investitionen in die vermietete Immobilie können Sie steuerlich geltend machen und damit Ihre Steuerzahlung verringern. Auch die zu zahlenden Zinsen Ihrer Immobilienfinanzierung können Sie absetzen. Auf der anderen Seite müssen Sie die Mieteinnahmen versteuern. Am besten fragen Sie Ihren Steuerberater, ob sich für Sie eine Immobilie als Geldanlage lohnt.
Eine noch recht neue Form der Geldanlage in Immobilien ist Crowdinvesting. Dabei suchen Unternehmen auf speziellen Portalen nach Kapitalgebern. Da die untere Grenze für Investitionen bei wenigen hundert Euro liegt, ist das eine gute Gelegenheit auch mit einem kleineren Geldbeutel in Immobilien zu investieren.
Mit Mietkauf zum Hauskauf ohne Eigenkapital
Eine weitere Möglichkeit zu den eigenen vier Wänden zu kommen ist der Mietkauf. Das ist eine Kombination von mieten und kaufen. Dabei zahlen Sie über mehrere Jahre, meist sind es 10–20 Jahre, Mietkaufraten für ein Haus oder eine Wohnung. Während dieser Zeit können Sie bereits die Immobilie bewohnen. Erst am Ende des zuvor festgelegten Zeitraumes müssen Sie dann den restlichen Kaufpreis in einer Summe zahlen. Diese Variante bietet die Chance zum Hauskauf ohne Eigenkapital. Außerdem können Sie Hausbesitzer werden, ohne sich für einen langen Zeitraum zu verschulden, da Sie keine Baufinanzierung benötigen.
Allerdings hat der Mietkauf auch einige Nachteile. So sind zum Beispiel die Mietkaufraten höher als die übliche Miete. Und Sie gehen eine Doppelbelastung ein, da Sie nicht nur die monatlichen Mietkaufraten zahlen, sondern auch noch für die spätere Kaufsumme Geld zur Seite legen müssen.
Fazit: Die Entscheidung, ob Mieten oder Kaufen muss jeder selbst treffen
Die Frage nach Mieten oder Kaufen lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind mehrere Faktoren. Käufer kommen in Zeiten niedriger Zinsen finanziell besser weg, wenn sie die Immobilie lange nutzen. Das bedeutet aber eine jahrzehntelange Belastung durch die Rückzahlung des Darlehens und eine langfristige Bindung an den gewählten Wohnort.
Dagegen sprechen fürs Mieten die hohe Flexibilität und die Möglichkeit, vorhandenes Eigenkapital als Geldanlage zu nutzen. Ein Nachteil sind die je nach Wohnort stark steigenden Mieten.
