Zinsprognose 2024: Wie entwickeln sich die Bauzinsen?

Nach dem scheinbar vorläufigen Höhepunkt bei den Bauzinsen 2023 bewegen sie sich seit einigen Monaten stabil deutlich darunter. Sind weitere Zinssenkungen in Aussicht? Als Bauherr oder Immobilienkäufer sollten Sie die Zinsprognose 2024 im Blick behalten!

Katharina Fuhrin
Zuständige Redakteurin für den Bereich Immobilien
Stand: 09.04.2024

Wie lautet die aktuelle Zinsprognose für 2024?

In der zweiten Jahreshälfte 2023 schwankten die Bauzinsen vornehmlich zwischen 3,5 und 4,0 %. Seit Anfang 2024 liegen sie wieder stabil unterhalb dieses Korridors. Die meisten Experten gehen weiterhin von einer Seitwärtsbewegung aus, bei der es zu Ausschlägen nach unten oder oben kommen kann. Mit Blick auf die sinkende Inflation scheint manchen Marktbeobachtern eine weitere Entspannung und damit sinkende Zinsen möglich.

Generell bewegen sich die Zinsen in einem spannungsgeladenen Umfeld. Zwischen Inflation, Ukraine-Krieg und drohender Rezession kann es immer wieder zu Schwankungen kommen. Die EZB hat den Leitzins zuletzt auf dem Niveau von 4,5 % belassen. Der Markt erwartet, dass es in einigen Monaten zu ersten Rücksetzern zugunsten der schwächelnden Wirtschaft kommen könnten.

Der EZB-Leitzins hat in einem System vieler Wechselwirkungen aber nur indirekten Einfluss auf die Bauzinsen. Wie die Bauzinsenentwicklung 2025, 2026 oder auch 2030 aussieht, lässt sich nicht abschätzen. Kommt es z. B. zu Marktturbulenzen oder einer Bankenkrise, suchen Investoren Zuflucht in sicheren Staatsanleihen wie den deutschen, was deren Rendite sinken lässt. Das wiederum hat einen positiven Effekt auf die Bauzinsen, die sich an Bundesanleihen sowie Pfandbriefen orientieren.

Aktuelle Bauzinsen bei einem Darlehen von 320.000 €

Tagesaktuelle Zinskondition:

(Darlehensbetrag: 320.000 €, Immobilienwert: 450.000 €, PLZ: 34295, Finanzierungszweck:
KAUF
, Tilgungssatz: 2,00 %)
Zinsbindung effektiver Jahreszins monatl. Rate Anfrage
5 Jahre 3,12 %
1.365,33 €
8 Jahre 3,07 %
1.352,00 €
10 Jahre 3,04 %
1.344,00 €
12 Jahre 3,26 %
1.402,67 €
15 Jahre 3,19 %
1.384,00 €
20 Jahre 3,40 %
1.440,00 €
Quelle: Vergleich.de - Stand 19.05.2024

Wie sieht die Zinsprognose der EZB aus?

Die Europäische Zentralbank EZB hat den Leitzins zuletzt nicht weiter erhöht, sondern bei 4,5 % belassen. Weil die Inflation deutlich zurückgegangen ist, erwarten Marktbeobachter vorerst ein weiteres Stagnieren auf diesem Niveau, bis es auch wieder Anpassungen nach unten geben könnte. Diese optimistische Einschätzung wirkt sich bereits auf die Zinsentwicklung aus.

Für wen ist die Bauzinsen-Entwicklung wichtig?

Diese Frage ist für künftige Bauherren genauso wichtig wie für Käufer von Bestandsimmobilien oder für eine bevorstehende Anschlussfinanzierung. Den richtigen Zeitpunkt beim Immobilienkredit zu erwischen bringt tausende Euro – der falsche Zeitpunkt kostet ebenso viel.

Zinskommentar: Wie ist die aktuelle Entwicklung der Bauzinsen?

Zuletzt ist Ruhe bei den Bauzinsen eingekehrt. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, schätzt die weitere Entwicklung der Bauzinsen folgendermaßen ein.

Bauzinsen bleiben stabil

Zinskommentar von Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, 10. April 2024

Ein guter Zeitpunkt für einen Immobilienkauf

"Aktuell verstärkt sich im Markt die Annahme, die Euro-Wächter der EZB könnten auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Juni – also noch vor der Sommerpause – den Beginn der Zinswende einläuten. Zudem gehen viele Marktteilnehmer derzeit von einer Zinssenkung von 75 Basispunkten bis zum Jahresende aus. Auf die Baufinanzierungszinsen hat all das momentan wenig Einfluss. Wir erleben aktuell eine sehr stabile Seitwärtsbewegung, wie wir sie in dieser Form lange nicht hatten. Dabei führt das aktuelle Zinsniveau zu einer guten Nachricht: einem Aufschwung im Markt der Immobilien­finanzierung. Die Nachfrage hat seit dem Zinsrückgang Ende 2023 spürbar zugenommen. Vielen Interessenten ist bewusst, dass die zu erwartenden Zinsschritte seitens der EZB bereits in die aktuellen Bauzinsen eingepreist sind und diese daher nicht weiter fallen werden, wenn die Notenbanker den Leitzins dann tatsächlich senken.“

Wie der tagesaktuelle Kurs für Bauzinsen steht, können Sie in unserem Baufinanzierung Vergleich sehen.

Zinsprognose

Kurzfristig: gleichbleibend

Langfristig: gleichbleibend

Wie wirkt sich die Zinsprognose auf mein Baudarlehen aus?

Schon kleine Schwankungen können sich langfristig in den Zinskosten bemerkbar machen. Ein deutlicher Zinssprung wie seit Mitte 2022 führt zu einer großen Belastung. Hier eine Beispielrechnung mit Herrm Sommer als Käufer im vergleichsweise günstigen August 2022 und Frau Winter als Käuferin im teureren Januar 2023.

 

Herr Sommer

hat Baukredit im August 2022 abgeschlossen

Frau Winter

hat Baukredit im Januar 2023 abgeschlossen

Kreditsumme 350.000 € 350.000 €
Laufzeit 10 Jahre 10 Jahre
Zinssatz 2,8 % 3,8 %
gezahlte Zinsen in 10 Jahren 87.325,42 € 118.003,94 €
Differenz Ersparnis: 30.678,52 € Mehrkosten: 30.678,52 €

Zinschart: aktuelle und frühere Entwicklung der Bauzinsen im Vergleich

Wann kommt die Zinswende?

Wann die EZB erstmals wieder ihren Leitzins senkt, hängt eng mit der weiteren Entwicklung der Inflation zusammen. Sollte sie wie erwartet zurückgehen und sich bei gut 2 % einpendeln, sind erste Zinsschritte noch im Sommer 2024 denkbar. Das wäre auch eine Hilfe für die angeschlagene Konjunktur. In den Bauzinsen ist diese Erwartung bereits eingepreist, was zu dem deutlichen Absinken Ende 2023 geführt hatte.

Wie wirken sich Leitzinsentscheidungen in den USA auf die Zinsprognose aus?

Die Bauzinsen in Deutschland orientieren sich vor allem an den 10-jährigen Bundesanleihen. Wegen der großen Relevanz der USA sorgen dortige Zinsentscheidungen aber oft auch für eine Sogwirkung in Europa. Die US-Notenbank Fed hat den Leitzins in ihren letzten Sitzungen bei 5,25–5,5 % belassen, obwohl eine Senkung erwartet worden war. Die Inflation in den USA lag aber höher als prognostiziert. 

Diese Faktoren beeinflussen die Entwicklung der Bauzinsen

Die Zusammenhänge bei der Prognose für die Zinsentwicklung sind komplex. Der Bundesverband öffentlicher Banken etwa gibt regelmäßig eine Zinsprognose ab. Darin fließen Entscheidungen von Fed und EZB ein, die Wirtschaftsentwicklung in Nordamerika ebenso wie in Deutschland, geopolitische Turbulenzen und noch manche Faktoren mehr. Interessant an dieser Zinsprognose ist die als Prognosekontrolle bezeichnete Rückschau: Da zeigt sich, dass die Experten trotz der umfassenden Instrumente immer wieder falsch liegen. Zum Beispiel hatte niemand mit einem derart rasanten Anstieg der Zinsen wie 2022 gerechnet.

Trotzdem können auch Sie als Anleger sich an verschiedenen Indikatoren orientieren, wenn Sie sich die Frage stellen: Wie entwickeln sich die Zinsen in den nächsten Jahren?

  • Einflussfaktor 10-jährige Bundesanleihen: niedrige Zinsen bedeuten niedrige Bauzinsen

    10-jährige Bundesanleihen sind der unmittelbarste Indikator. Sind die Zinssätze für die Bundesanleihen niedrig, sind auch die Bauzinsen niedrig. Umgekehrt machen sich steigende Zinssätze für Bundesanleihen direkt durch einen höheren Bauzins bemerkbar.

    Sinkende oder gleichbleibende Zinsen sind bei anhaltend guter Wirtschaftslage und hohen Steuereinnahmen zu erwarten.

    Steigende Zinsen gibt es bei einer Konjunkturflaute oder wirtschaftlicher Instabilität.

  • Einflussfaktor EZB: niedriger Leitzins macht Kredite billig

    Auch die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank beeinflussen das Zinsniveau. Durch die langjährige Niedrigzinspolitik verloren Sparer, während Kreditnehmer billig an Geld kamen. Umgekehrt führt ein deutlich erhöhter Leitzins zu höheren Kreditzinsen.

    Sinkende oder gleichbleibende Zinsen sind bei einer Rückkehr zur Politik des billigen Gelds zu erwarten.

    Steigende Zinsen wird es bei einem höheren Leitzins und einem Ende des billigen Gelds geben.

  • Einflussfaktor US-Notenbank: Zinserhöhungen fördern höhere Bauzinsen

    Die Geldpolitik der US-Notenbank Fed beeinflusst die Zinsprognose. Deren jüngsten Leitzinserhöhungen führten auch zu steigenden Zinsen für Bundesanleihen und damit – geringfügig – höheren Bauzinsen. Die Postbank erwartet, dass die Rendite der Bundesanleihen sich wieder stärker den US-Staatsanleihen annähert, was zu höheren Bauzinsen führen würde.

  • Einflussfaktor Konjunktur: gute Kauflaune führt zu Nachfrage bei Krediten und höheren Zinsen

    Eine gute Konjunktur führt üblicherweise zu Kauflaune und dies wegen der Nachfrage zu tendenziell höheren Darlehenszinsen. Dreht sich umgekehrt die Konjunkturlage, können niedrigere Zinsen für Kaufanreize angeboten werden.

  • Einflussfaktor geopolitische Turbulenzen: weltweite Risiken sorgen für schwierigere Vorhersagen

    Die geopolitische Lage bringt die Gefahr unkalkulierbarer Risiken mit sich. Den Kapitalmarkt belasten z. B. Kriege wie in der Ukraine und Folgen der Corona-Pandemie.

Unsere Empfehlung: Möchten Sie handeln, handeln Sie bei einer Zinsdelle

  • Für Bauherren oder Hauskäufer ist schnelles Agieren gefragt, wenn es bei den Zinsen aktuell zu einem Ausschlag nach unten kommt. Das Wichtigste aber ist und bleibt die Anschaffung einer Immobilie, die zu Ihnen passt und die ihr Geld wert ist. Das Einsparvolumen einer um 0,2 Prozentpunkte günstigeren Finanzierung kann nicht Wertverluste einer überteuert gekauften Immobilie ausgleichen. Sind Sie aber in ihrer Wahl sicher, sollten Sie sich zeitnah um die Finanzierung kümmern. Denn die Immobilienpreise werden in Zukunft eher wieder steigen.
  • Für Anschlussfinanzierungen, die direkt bevorstehen, empfiehlt sich das Handeln zum richtigen Zeitpunkt. Beobachten Sie die Zinskurve und werden Sie bei einem Ausschlag nach unten aktiv! Ein Forward-Darlehen lohnt sich aktuell dann, wenn Sie an eine anhaltende Inflation glauben, die zu weiteren Zinsschritten der EZB führen wird.

Wie entwickeln sich die Zinsen in den nächsten Jahren?

Eine seriöse Antwort darauf kann niemand geben, dazu gab es in den vergangenen Monaten zu viele Überraschungen. Im Moment gilt bei vielen Experten die Überzeugung, dass die Europäische Zentralbank vorerst bei einer neutralen Geldpolitik bleibt und mittelfristig sogar erste Zinsschritte nach unten gehen könnte. Doch verbrieft ist das nicht. Es hängt vor allem davon ab, wie sich die Inflation weiter entwickelt.

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