Geldanlage

Staatsanleihen kaufen: Wie Sie in Staatsanleihen investieren können

Wer an der Börse sein Vermögen inves­tie­ren möch­te, soll­te stets auch Staats­anleihen im Blick behal­ten. Die Rendi­ten von Staats­an­lei­hen sind ge­stie­gen, und die hohe Sicher­heit macht sie zu einem nütz­li­chen Werk­zeug bei der Risiko­streu­ung.

Heike Kevenhörster
Zuständige Redakteurin für den Bereich Geldanlage
Stand: 25.07.2024

Einfach erklärt: Was sind Staatsanleihen?

Eine Staatsanleihe ist eine festverzinsliche Schuldverschreibung. Der ursprüngliche Käufer der Anleihe leiht dem Staat eine Geldsumme, der Staat verspricht im Gegen­zug zwei Dinge. Erstens: Der Besitzer der Anleihe bekommt denselben Geld­betrag (Nominalwert) nach einem vereinbarten Zeitraum zurück. Zweitens: Jedes Jahr bekommt er einen fixen Zinssatz des Betrags (Nominalzins oder Kupon) ausgezahlt. Damit sind Staatsanleihen höchst politische Konstrukte: Sie sind ein wesentlicher finan­zieller Pfeiler der heutigen Nationalstaaten, an denen der Erfolg eines Staates im inter­nationalen Wettbewerb bemessen wird – und die den Handelsspielraum eines Staates abstecken.

Staatsanleihen sind darüber hinaus ein interessantes Investitionsinstrument. Auch Unternehmen geben Anleihen heraus. Anleihen (egal ob Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen) werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Im Unterschied zu einer Aktie erwerben Sie aber mit einer Anleihe keinen Unternehmensanteil. Dafür hat die Anleihe eine feste Laufzeit und eine feste Rückzahlung.

Wie kann ich Staatsanleihen kaufen?

Um Staatsanleihen zu kaufen, brauchen Sie ein Depot für Wertpapiere bei einer Bank. Das übliche Vorgehen für Kleininvestoren ist es, die Bundesanleihen auf dem Sekun­där­markt, also an der Börse, zu erwerben. Jede Staats­anleihe hat eine Wert­papier­kenn­nummer und eine ISIN, über diese können Sie Anleihen über Ihr Wertpapier­depot kaufen. Die Papiere direkt bei ihrer Emission von der Deutschen Finanzagentur zu erwerben ist eher schwierig, da bei den Auktionen etwa der Finanzagentur vor allem große Institutionen zum Zuge kommen.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um in Staatsanleihen zu investieren?

Die einzige Voraussetzung, die Sie für den Kauf von Staatsanleihen erfüllen müssen, ist ein Wertpapier­depot bei einer Bank oder Sparkasse. Über dieses können Sie an jedem Börsentag Staats­anleihen an der Börse kaufen oder verkaufen.

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Welche Kosten kommen beim Kauf von Staatsanleihen auf mich zu?

Der Handel mit Staatsanleihen kann Kosten und Gebühren verursachen. Einige Banken und Depotanbieter bieten eine kostenlose Depot­führung an, allerdings können Anbieter für jeden Kauf oder Verkauf von Anleihen Gebühren in Rechnung stellen. Bei einem Order­volumen von 1.000 € sind das oft zwischen 5 und 10 €. Daher lohnt es sich unter Umständen, eine Flatrate zu zahlen, wenn Sie vorhaben, sehr aktiv zu sein. Online-Broker oder Direktbanken sind oft erheblich günstiger als Ihre Hausbank.

Auch Börsenplätze können Gebühren berechnen. Beim Handel außerhalb des Euroraums müssen Sie auf die Tücken der Währungsumrechnung achten. Bei nichteuropäischen Staatsanleihen fallen Trans­aktions­kosten an, die womöglich bedeuten, dass sich der Handel für Sie nicht lohnt. Dies sollten Sie bedenken, wenn Sie erwägen, etwa chinesische oder amerikanische Staats­anleihen zu kaufen.

Die entscheidenden Eckpunkte einer Staatsanleihe sind:

  • Emittent: der Staat oder die Institution, die eine Staatsanleihe auflegt
  • Laufzeit: der festgelegte Zeitpunkt, zu dem der Emittent den Nominalwert der Anleihe wieder an den Besitzer zahlt
  • Nominalwert, Nennwert: der Betrag einer einzelnen Teilschuldverschreibung
  • Nominalzins, Nennzins, Festzins, Kuponzins, Kupon: der festgelegte Prozentsatz des Nominalwerts, der jährlich an den Besitzer der Anleihe gezahlt wird
  • Kurswert: der Wert einer Anleihe an der Börse, dargestellt in Prozent
  • Rendite: der jährliche Ertrag einer Anleihe, gemessen am investierten Kapital bis zum Ende der Laufzeit

Wie hoch ist die Rendite bei Staatsanleihen?

Wie hoch die Rendite bei Staatsanleihen ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Welcher Staat ist der Emittent, und wie steht es um seine Bonität? Welcher Kurswert ergibt sich daraus? Welche Laufzeit haben die Anleihen noch? Wie hoch ist der Nominalzins? In der Niedrigzinsphase war die Rendite bei Staatsanleihen eher gering. Anleihen von Staaten mit hoher Bonität brachten sehr geringe oder eine negative Rendite. Im Zuge der Zinswende hat sich dies geändert.

Die im Januar 2023 emittierte 10-jährige Bundesanleihe (ISIN DE000BU2Z007) etwa hat einen Nominalzins von 2,3 %. Sie wird zu einem Kurswert von 99,80 % gehandelt (Stand: 25. Juli 2024). Dies besagt, dass die Rendite zu diesem Zeitpunkt oberhalb des Zinskupons von 2,3 % bei 2,33 % liegt.

Da die Zinsen gestiegen sind, sind ältere, schlechter verzinste Anleihen für Käufer nicht so attraktiv. Die im Januar 2022 herausgegebene Bundesanleihe mit 10-jähriger Laufzeit (ISIN DE0001102580) bietet nur einen Zins von 0 %. Die alte Bundesanleihe wird zu einem niedrigeren Kurs von 84,29 % gehandelt (Stand: 25. Juli 2024). Ihre Rendite beträgt zu diesem Zeitpunkt 2,29 %.

Für höhere Renditen sind Anleihen der Länder attraktiver, die keine hohe Bonität haben. Bei ihren Bonds ist allerdings auch das Risiko höher, dass der Nominalzins nicht bedient werden kann oder der Anspruch auf die Auszahlung nicht erfüllt wird. Die Bonität von Staaten wird von Ratingagenturen bewertet.

Die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen und die Bonität der Länder

Land

Rendite

S&P-Rating

Moody‘s-Rating

Deutschland

2,47 %

AAA

Aaa

Finnland

0 %

AA+

Aa1

Frankreich

3,13 %

AA-

Aa2

Griechenland

3,40 %

BBB-

Ba1

Italien

3,75 %

BBB

Baa3

Japan

1,06 %

A+

A1

Kanada

3,37 % AAA Aaa

Portugal

3,05 %

A-

A3

Spanien

3,19 %

A

Baa1

Schweden

2,09 %

AAA

Aaa

USA

4,22 %

AA+

Aaa

Quelle der Rendite: boerse.de, Quelle der Ratings: tradingeconomics.com, Stand: 23. Juli 2024

Wie funktionieren Staatsanleihen?

In Deutschland ist die Deutsche Finanzagentur für die Emission neuer Staatsanleihen zuständig: Sie legt zu einem vorher angekündigten Termin bei einer Auktion eine bestimmte Menge an Anleihen auf. Zum Beispiel: Am 11. Januar 2023 emittierte die Deutsche Finanzagentur im Auftrag des Bundes die 10-jährige Bundesanleihe DE000BU2Z007 in einem Gesamtvolumen von 20 Milliarden Euro. Der Nominalzins dieser Anleihe liegt bei 2,3 %, ein Wert, der sich aus der Zinssituation und der soliden Finanzlage der Bundesrepublik ergab. (Ein Staat mit größeren Risiken muss für seine Staatsanleihen höhere Zinsen versprechen, wenn er Abnehmer finden möchte.) Wer eine Teilschuldverschreibung mit einen Nominalwert von 100 € am Fälligkeitsdatum, dem 15. Februar 2033, hält, bekommt 100 € ausgezahlt. Zusätzlich erhält er bis dahin jedes Jahr 2,30 € Nominal- oder Kuponzinsen.

Interessanter wird es, wenn Sie an der Börse Staatsanleihen kaufen und verkaufen wollen. Neben dem Nominalwert und dem Nominalzins wird die Rendite dann zusätzlich vom Kurswert und den Ratings der Ratingagenturen bestimmt. An der Börse werden Anleihen nach ihrem sogenannten Kurswert gehandelt, der vom Nominalwert abweicht. Der Kurswert wird in Prozent angegeben. Aktuell hat die oben genannte Anleihe einen Kurswert von 99,80 %. Das heißt: Wer eine dieser Anleihen jetzt verkauft, erhält dafür ca. 99,80 € (abzüglich Kosten, Stand: 25. Juli 2024), statt des Nominalwerts von 100 €. Dieser Kurswert entsteht durch die aktuelle Nachfrage an den Börsen. Eine wichtige Rolle spielen hier die Ratingagenturen, die jede Staatsanleihe regelmäßig neu bewerten.

Ratingagenturen beeinflussen den Kurswert von Staatsanleihen

Wie steht es um die Wirtschaft eines Staates? Und wie steht es um seine Bonität? Wie wahrscheinlich ist es, dass etwa Italien seine Schulden und damit auch seine Anleihen nicht mehr bedienen kann? Diese Einschätzungen müssen Sie als Anleger nicht selber treffen, Sie können sich an den Bewertungen der Ratingagenturen orientieren, bevor Sie Staatsanleihen kaufen. Diese privatwirtschaftlichen Firmen analysieren Staaten und reduzieren die komplexen Daten auf eine simple Bewertung. Die bekanntesten Ratingagenturen sind:

  • Moody‘s
  • Standard & Poor’s (S&Ps)
  • Fitch Ratings
  • Japan Credit Rating Agency Ltd.
  • Scope Ratings
  • Creditreform
  • GBB Rating

Moody‘s etwa bewertet Staatsanleihen nach folgendem Schema:

Infografik: Bewertungsschema für Staatsanleihen von Moody's

Moody’s benutzt für die Bonitätsnoten Aa bis Caa zusätzlich numerische Anhänge: "1", "2" und "3". Die "1" bedeutet, dass die Bonität im oberen Drittel der Hauptnote liegt. "2" und "3" stehen für das mittlere und das untere Drittel. Deutschland erhält zum Beispiel von der Ratingagentur Moody‘s etwa das Rating Aaa: Das steht für exzellente Bonität und Anlagewürdigkeit. Venezuela hingegen erhält das Rating C: Zahlungsverzug, spekulativ.

Spekulative Anleihen preisen mit ihrem Zinssatz das Ausfallrisiko ein. Sie erhalten in der Fachpresse oft den wenig schmeichelhaften englischen Ausdruck "Junk Bond", Schrottanleihe.

Schon gewusst?

Die wichtige Rolle der privaten Rating­agen­turen hat ihr schon oft Kritik von Staaten ein­ge­bracht. Die USA griff Standard & Poor’s an, als die Rating­agen­tur das Rating des Landes im August 2011 herab­setzte, die Re­gie­rung ver­suchte sogar mit Er­mitt­lungen gegen die Agentur Druck auszuüben. Den Rating­agen­turen wurde auch von vielen Seiten vor­ge­worfen, die Euro­krise mit Herunter­stufungen ab 2009 erst aus­gelöst zu haben. Auch ist immer noch nicht vergessen, welche un­rühm­liche Rolle die Rating­agen­turen in der Immo­bilien­krise von 2008 spielten, als sie Speku­lanten half, Ramsch­immo­bilien­kredite dank guter Be­wer­tungen aufzu­werten und so erst weite Teile des Marktes mit diesen faulen Papieren infiziert werden konnten.

Wie hoch ist das Risiko beim Investieren in Staatsanleihen?

Wie hoch das Risiko bei Staatsanleihen ist, hängt von dem Staat aus, der sie herausgibt. Ein Land mit einer soliden Wirtschaft und dadurch gutem Ranking bei den Ratingagenturen ist normalerweise sehr sicher, allerdings ist damit auch die Rendite niedriger. Staaten mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind oft gezwungen ihre Anleihen mit hohen Nominalzinsen schmackhaft zu machen. Die Rendite kann also höher sein, das Risiko steigt jedoch, dass Zinsen oder Nominalwert nicht zurückgezahlt werden können. Schon unter europäischen Staatsanleihen ergeben sich sehr unterschiedliche Renditen.

  • Deutschland (Standard & Poor’s: AAA, Moody’s: Aaa): Bundesanleihen sind äußerst risikoarm, die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland die jährlichen Festzinsen nicht bedienen kann oder am Ende den Nominalwert zurückzahlen kann, ist sehr gering.
  • USA (Standard & Poor’s: AA+, Moody’s: Aaa): Die 10- oder 30-jährigen amerikanischen Staatsanleihen heißen Treasury-Bonds, oder T-Bonds. Anleihen mit kürzeren Laufzeiten heißen T-Bills und T-Notes.
  • Argentinien (Standard & Poor’s: CCC, Moody’s: Ca): Ende 2019 machten einige Börsenprofis mit dem Kauf von argentinischen Staatsanleihen auf sich aufmerksam. Hier sind hohe Renditen möglich – aber eben nur aufgrund des hohen Risikos. Argentinien ging bereits mehrfach pleite.

Einen Überblick über die Ratings verschiedener Länder finden Sie in unserem Artikel Länderratings.

Welche Anlagestrategien mit Staatsanleihen gibt es?

In der aktuellen Weltwirtschaftslage bringen Anleihen von Staaten mit guter Bonität zwar eine etwas bessere Rendite als zuvor, hoch ist die Rendite angesichts der Inflation jedoch nicht. Als ausschließliches Investitionsinstrument sind Staatsanleihen daher nicht geeignet. Wenn Sie Tipps für Ihr Portfolio suchen, empfehlen wir Ihnen unsere Seite Anlagestrategien.

Was sind inflationsindexierte Anleihen?

Inflations­indexier­te An­lei­hen sind An­lei­hen, die an einen Ver­braucher­preis­in­dex gekop­pelt sind. Daher schüt­zen sie das ange­leg­te Geld gegen Kauf­kraft­ver­lust. Der Ökonom Nouriel Roubini von der Stern School of Business geht an­ders als die meis­ten Fach­leu­te nicht von einem baldi­gen Rück­gang der Infla­tions­rate auf 2–3 Pro­zent aus. Der we­gen seiner pessi­misti­schen Prog­no­sen auch „Dr. Doom“ genann­te Wissen­schaft­ler erwar­tet lang­fris­tig eine Teue­rung zwischen 5 und 6 %. Roubini empfiehlt Anle­gern inflations­ge­schütz­te An­lei­hen, damit sie nicht eine nega­tive Real­rendi­te ver­zeich­nen.

Wie muss ich Gewinne aus Staatsanleihen versteuern?

Für Kapitalerträge, die Sie aus dem Handel mit Anleihen erzielen, müssen Sie in Deutschland die Abgeltungsteuer entrichten. Ein deutscher Depotanbieter oder eine deutsche Bank wird diese Steuer direkt für Sie einbehalten und ans Finanzamt abführen. Sie können einen Freistellungsauftrag einrichten, um Ihren Sparerpauschbetrag von 1.000 € als Einzelperson oder 2.000 € als Ehepaar direkt geltend zu machen. Bis zu diesem Betrag an Kapitalerträgen müssen Sie keine Abgeltungssteuer zahlen.

Warum hat die EZB Staatsanleihen gekauft?

Die Europäische Zentralbank begann in der europäischen Schuldenkrise 2012 damit, Staatsanleihen kriselnder europäischer Staaten zu kaufen, um deren Haushalt zu stützen. Bekannt wurde diese Politik unter Präsident Mario Draghi als die „Bazooka“. Staaten wie Italien, Spanien und Griechenland waren so in der Lage, neue Schulden aufzunehmen, ohne dabei horrende Zinsen versprechen zu müssen. Unter der jetzigen Präsidentin Christine Lagarde hat die EZB beschlossen, ihre Anleihekäufe zu beenden. Dadurch wird die im Umlauf befindliche Geldmenge nicht weiter gesteigert. Ein Stopp der Anleihekäufe wirkt der Inflation entgegen.

Vergleich.de Tipp

Besonders bei sicheren Staatsanleihen ist die Rendite niedrig, daher fallen Ordergebühren, Transaktionskosten und Depotkosten sehr ins Gewicht. Achten Sie stets besonders darauf, dass diese Ausgaben nicht ihre Gewinne auffressen.

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