Das Wichtigste in Kürze
- P2P-Kredite als Geldanlage bieten attraktive Renditechancen, gehen aber mit höheren Risiken einher als Bankeinlagen.
- Peer-to-Peer-Kredite eignen sich vor allem als Ergänzung eines breit diversifizierten Portfolios.
- Klassische Finanzierungsmodelle zwischen privaten Anlegern und privaten Kreditnehmern sind seltener geworden. Nun arbeiten P2P-Plattformen oft mit spezialisierten Kreditunternehmen zusammen.
Lohnen sich Peer-to-Peer-Kredite als Geldanlage heute noch?
Peer-to-Peer-Kredite, kurz: P2P-Kredite, können sich als Geldanlage lohnen – allerdings nicht für jeden Anleger und nicht als Ersatz für sichere Anlageformen wie Tagesgeld oder Festgeld. P2P-Kredite sind eine Geldanlage, bei der Sie in Kredite investieren. Dies bietet oft höhere Renditechancen als Bankeinlagen, geht aber auch mit deutlich höheren Risiken einher, z. B. wenn der Schuldner ausfällt. Ob eine Investition in P2P-Kredite sinnvoll ist, hängt deshalb vor allem von Ihrer Anlagestrategie, Ihrem Sicherheitsbedürfnis und Ihrer Risikotragfähigkeit ab.
Innerhalb eines breit diversifizierten Portfolios können P2P-Kredite eine renditeorientierte Beimischung sein. Für den Notgroschen oder kurzfristige Sparziele sind P2P-Kredite dagegen nicht geeignet, da weder eine gesetzliche Einlagensicherung besteht noch das investierte Kapital garantiert ist. Für die private Altersvorsorge empfehlen wir, statt in P2P-Kredite überwiegend langfristig in Welt-Aktien-ETFs, z. B. auf die Indizes MSCI World oder MSCI ACWI zu investieren.
Bevor Sie sich für eine Plattform entscheiden, sollten Sie daher zunächst prüfen, ob P2P-Kredite überhaupt zu Ihren Anlagezielen passen.
Für wen eignen sich P2P-Kredite – und für wen nicht?
Ob P2P-Kredite zu Ihrer Anlagestrategie passen, hängt vor allem von Ihren persönlichen Voraussetzungen und Anlagezielen ab. Die folgende Übersicht hilft Ihnen bei der Einordnung.
Anwendungsgebiete für eine Geldanlage in P2P-Kredite
| Geeignet für | Weniger geeignet für |
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Treffen möglichst viele der genannten Punkte unter „Geeignet für“ auf Sie zu, kann eine Investition in P2P-Kredite eine sinnvolle Ergänzung Ihres Portfolios sein. Andernfalls sollten Sie zunächst prüfen, ob besser geeignete Anlageformen Ihre Anlageziele erfüllen.
Welche Rolle spielen P2P-Kredite im Portfolio?
P2P-Kredite als Geldanlage können ein bestehendes Portfolio sinnvoll ergänzen, sollten aber nur einen begrenzten Teil Ihres Vermögens ausmachen. Eine ausgewogene Geldanlage besteht in der Regel aus mehreren Anlageklassen, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Gewinnabsicht, Sicherheit und Verfügbarkeit sollten ausbalanciert sein. So lassen sich Renditechancen nutzen, ohne das gesamte Vermögen einem einzelnen Risiko auszusetzen.
Eine mögliche Aufteilung könnte beispielsweise so aussehen:
- Notgroschen: Tagesgeld für kurzfristig verfügbares Geld
- Planbare Ausgaben: Festgeld oder Anleihen für mittelfristige Ziele
- Langfristiger Vermögensaufbau: überwiegend breit gestreute Aktien-ETFs
- Diversifizierung: P2P-Kredite, Gold oder Bitcoin als mögliche Beimischung
Welcher Anteil für P2P-Kredite sinnvoll ist, hängt von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft und Ihrer Vermögensstruktur ab. Wir empfehlen, alternative Anlagen wie P2P-Kredite nur mit einem kleineren Teil des Gesamtvermögens zu berücksichtigen.
Was ist ein P2P-Kredit?
Ein Peer-to-Peer-Kredit (kurz: P2P-Kredit) ist ein Kredit, den Privatanleger über eine Online-Plattform finanzieren. Das Geld fließt meist an Privatpersonen für Konsumkredite, teilweise aber auch an Unternehmen oder Immobilienprojekte. Ebenfalls gängig ist die Bezeichnung P2P-Lending (lending: englisch für „Verleih“).
Ursprünglich war die Idee, dass sich Privatpersonen über Online-Plattformen gegenseitig Geld leihen. Anleger stellten das Kapital bereit und erhielten dafür Zinsen, Kreditnehmer zahlten die vereinbarten Zinsen zurück. Heute arbeiten viele P2P-Plattformen jedoch mit spezialisierten Kreditunternehmen zusammen, die die Kredite vergeben und über die Plattform an Anleger vermitteln.
Wie kann ich mit Peer-to-Peer-Krediten Geld verdienen?
Beim Peer-to-Peer-Kredit verleihen Sie quasi selbst Geld. Und weil Sie das nicht aus reiner Nächstenliebe tun, bekommen Sie dafür Zinsen vom Kreditnehmer. Die Vermittlung und Zusammenführung von Geldgeber und Geldnehmer übernehmen P2P-Plattformen im Internet. Außerdem nehmen die P2P-Kreditplattformen eine Bonitätseinschätzung der Kreditnehmer und deren Finanzierungsvorhaben vor. Das Ergebnis stellt die Plattform den Anlegern in einem sogenannten Bonitäts-Score zur Verfügung.
P2P-Kredite bieten Anlegern hohe Flexibilität
Auf Basis dieses Scores und Ihrer persönlichen Einschätzung des Kreditnehmers (der Kreditnehmer stellt sich und sein Finanzierungsvorhaben anonymisiert auf der Plattform vor) können Sie eine Entscheidung für oder gegen die Investition fällen. Entscheiden können Sie außerdem in der Regel über:
- die gewünschte Anlagesumme
- die Laufzeit
- das Anlageland (einige Plattformen bieten auch ausländische Investitionsprojekte)
- die Verteilung von kleineren Beträgen auf mehrere Kreditgesuche
Die Anlage in Peer-to-Peer-Kredite ist damit individueller und oft auch flexibler als herkömmliche Geldanlageformen mit häufig langen Laufzeiten und starren Konditionen.
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Diese Grafik verdeutlicht, wie P2P-Kredite funktionieren. Links befinden sich Investoren, die Geld über eine P2P-Plattform investieren. Die Plattform ist in der Mitte der Grafik dargestellt. Rechts davon ist der Kreditnehmer skizziert, der die Kreditsumme über die Plattform erhält. Außerdem wird mit weiteren Pfeilen verdeutlicht, dass der Kreditnehmer die Monatsrate und Zinsen an die Plattform zahlt. Die Investoren erhalten Rückzahlungen und Rendite.
Ein Peer-to-Peer-Kredit kann ohne Bank auskommen
Nicht jede P2P-Plattform arbeitet mit einer Bank zusammen. Viele Plattformen kooperieren heute stattdessen mit spezialisierten Kreditunternehmen, die die Darlehen vergeben. Banken oder Zahlungsdienstleister übernehmen häufig lediglich die Kontoführung und den Zahlungsverkehr. Welche Gebühren anfallen, hängt von der jeweiligen Plattform ab.
Wie hoch ist die Rendite bei Peer-to-Peer-Krediten?
P2P-Kreditplattformen versprechen teilweise Renditen über 10 %. Lassen Sie sich davon nicht blenden. Die Erfahrung zeigt, dass viele Anleger P2P-Kredite in Ihrem Portfolio haben, die ausfallen. Dadurch reduziert sich die realistisch zu erwartende Rendite für Anleger auf ca. 4 bis 6 % oder weniger. Damit liegen die Zinsen beim P2P-Lending oft noch über der Rendite von sicheren Geldanlageformen.
Wir befinden uns nicht mehr in einer Niedrigzinsphase. Das wissen all diejenigen, die heute mehr bezahlen müssen als früher, um sich Geld zu leihen, zum Beispiel um eine Baufinanzierung abzuschließen oder einen Autokredit aufzunehmen. Für Anleger sind es keine schlechten Zeiten. Eine hohe Rendite ist bei langem Anlagehorizont bei Welt-Aktien-ETFs zu erwarten. Mit klassischen Geldanlageformen wie Tagesgeld oder Festgeld und deren Verzinsung können sie in etwa die Inflationsrate ausgleichen, aber keine erhebliche Rendite erzielen.
Mit einem kleinen Prozentsatz Ihres Vermögens in P2P-Kredite zu investieren, kann eine interessante Option sein. Beachten Sie aber, dass Sie hier keinen Schutz Ihres Geldes wie die gesetzliche Einlagensicherung bei Tages- oder Festgeld haben.
Vorteile und Nachteile von P2P-Lending auf einen Blick
Vorteile:
- hohe Rendite möglich
- flexible Laufzeiten
- auch geringe Anlagesummen, je nach Plattform ab 1 € oder 50 € möglich
- Investition in eine große Anzahl an Krediten gleichzeitig
- Risiko weitestgehend transparent und selbst wählbar
- Portfolio individuell steuerbar
- Ausfallrisiko
- Risiko der falschen Bonitätseinschätzung des Kreditnehmers
- Risiko der Insolvenz der P2P-Plattform
P2P-Plattformen: So investieren Sie in P2P-Kredite
Wenn Sie sich dafür entschieden haben, dass eine Geldanlage in P2P-Kredite für Sie geeignet ist, überlegen Sie, in welcher Höhe Sie eine Beimischung in P2P-Kredite für Ihr Vermögen wünschen. Wir empfehlen, diese Anlageklasse nur mit einem kleinen Anteil zu gewichten. Dann gehen Sie beim Investieren wie folgt vor.
1. Schritt: Wählen Sie eine Peer-to-Peer-Plattform aus
Zunächst wählen Sie eine P2P-Plattform aus, auf der Sie Ihre Investition tätigen wollen. Kriterien, nach denen Sie sich für oder gegen eine Plattform entscheiden, können sein:
- Gründungsjahr: Vorsicht bei jungen Unternehmen. Plattformen, die schon länger am Mark Bestand haben, sind in der Regel vertrauenswürdiger.
- Unternehmenssitz: Plattformen aus Deutschland haben den Vorteil, dass die Kommunikation im Falle einer Pleite der Plattform bei gerichtlichen Auseinandersetzungen einfacher ist.
- Anlagebetrag und Laufzeit: Prüfen Sie, wie hoch der jeweilige Anlagebetrag bei der Plattform ist und welche Laufzeiten angeboten werden. Geringe Anlagebeträge und kurze Laufzeiten ermöglichen eine hohe Flexibilität und sind damit weniger riskant.
- Plattformgebühren: Überprüfen Sie, ob die Plattform Gebühren für die Vermittlung eines passenden Kreditgesuchs erhebt, bei einigen Peer-to-Peer Kreditplattformen ist dies der Fall.
Haben Sie sich für eine Plattform entschieden, registrieren Sie sich online. Dazu befolgen Sie die Anweisungen der jeweiligen Webseite.
P2P-Anbieter im Vergleich
| Unternehmensdaten | Mintos | Bondora |
|---|---|---|
| Gründungsjahr | 2015 | 2008 |
| Unternehmenssitz | Lettland | Estland |
| minimale Anlagesumme | 50 € | 1 € |
| Rendite | ca. 8–10 % (je nach Portfolio und Risiko) | bis zu 6 % |
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Quelle: Vergleich.de, Stand: Juli 2026
2. Schritt: Suchen Sie ein P2P-Finanzierungsvorhaben aus
Im zweiten Schritt suchen Sie nun ein Projekt aus, in das Sie investieren wollen. Die Plattform liefert Ihnen Informationen
- zum Kreditnehmer oder Kreditprojekt,
- zum Verwendungszweck des Kredits
- und – besonders wichtig – zum Ausfallrisiko bereit.
Je nach Plattform erhalten Sie unterschiedliche Informationen zur Bonität. Einige Plattformen vergeben einen Bonitäts-Score für den einzelnen Kreditnehmer. Andere bewerten stattdessen das Kreditunternehmen und das Risiko des jeweiligen Kreditportfolios. Grundlage der Bonitätsbewertung sind unter anderem Auskünfte von Wirtschaftsauskunfteien sowie weitere Informationen zur finanziellen Situation des Kreditnehmers. Die Bewertung hilft Anlegern dabei, das Ausfallrisiko eines Kredits besser einzuschätzen.
Automatisch investieren durch die P2P-Plattform
Alternativ zur manuellen Auswahl von Anlageprojekten können Sie bei den meisten Plattformen die automatische Verteilung Ihres Kapitals durch einen Portfoliomanager wählen. Dafür werden häufig Gebühren fällig. Ihr Geld wird dann automatisch einem oder mehreren Krediten zugeordnet. Sie hinterlegen dazu einmalig, wie viel Risiko Sie eingehen möchten und wie hoch die Investition pro Kredit mindestens und maximal sein soll. Außerdem können Sie festlegen, ob Sie eine Refinanzierung Ihrer Gewinne wünschen.
3. Schritt: Lassen Sie sich Ihre Rendite auszahlen
Die Auszahlung Ihrer Rendite verläuft je nach Plattform auf Wunsch (das heißt, wenn Sie Ihr Investment beenden möchten) oder zusammen mit dem eingesetzten Kapital. Wenn Sie vor Ablauf der Kreditlaufzeit Ihr Geld zurückhaben möchten, können Sie den Kredit oft gegen eine Gebühr einem anderen Kreditgeber verkaufen.
Ausfallrisiko: Was passiert, wenn ein Peer-to-Peer-Kredit ausfällt?
Fällt ein Kredit aus, versuchen zunächst das Kreditunternehmen oder die P2P-Plattform, den ausstehenden Betrag einzutreiben. Dazu können Mahnungen, Zahlungsvereinbarungen oder ein Inkassoverfahren gehören. Welche Maßnahmen ergriffen werden, hängt vom Geschäftsmodell der jeweiligen Plattform ab.
Als Anleger haben Sie in der Regel keinen direkten Kontakt zum Kreditnehmer. Viele Plattformen informieren jedoch über den Bearbeitungsstand notleidender Kredite oder laufender Inkassoverfahren.
Trotz Bonitätsprüfungen und möglicher Rückkaufverpflichtungen bleibt ein Ausfallrisiko bestehen. Dieses beschränkt sich nicht nur auf den einzelnen Kreditnehmer. Auch finanzielle Schwierigkeiten des Kreditunternehmens oder der P2P-Plattform können zu Verzögerungen oder Verlusten führen. Anleger sollten ihr Kapital deshalb möglichst auf viele Kredite, Kreditunternehmen und – wenn möglich – mehrere Plattformen verteilen.
Was ist die Rückkaufverpflichtung bei Peer-to-Peer-Krediten?
Einige P2P-Plattformen, wie zum Beispiel Mintos, bieten eine sogenannte Rückkaufverpflichtung. Diese verspricht, verzögerte Kredite und die bis dahin angelaufenen Zinsen vom säumigen Schuldner zurückzukaufen, sodass der Kreditgeber entlastet wird. Das geschieht durch das mit der Plattform kooperierende Kreditunternehmen, über das die Bankgeschäfte abgewickelt werden.
Als Anleger muss Ihnen aber klar sein, dass auch eine solche Rückkaufverpflichtung theoretisch ausfallen kann. Sollten sich Kreditausfälle häufen, können diese nur bis zu einem bestimmten Punkt aufgefangen werden.
Was passiert, wenn eine P2P-Plattform pleitegeht?
Ein zweites, großes Risiko besteht in der Plattform selbst. Geht die Plattform pleite, ist im schlimmsten Fall auch Ihr Kapital weg. Es kann auch sein, dass sich Auszahlungen verzögern oder Sie nur einen Teil Ihres Geld zurückerhalten. Viele P2P-Plattformen sind relativ jung und noch nicht sehr lange am Markt. Das heißt, sie verfügen eventuell über wenig Eigenkapital und können selbst schnell Opfer von Pleiten werden.
Wenn die Plattform Finanzberichte oder Statistiken über ihr Wachstum, das vermittelte Kreditvolumen, Investoren und Ausfallraten auf ihrer Webseite veröffentlicht, sollten Sie die Zahlen verfolgen, um das Pleiterisiko einzuschätzen.
Die 3 wichtigsten Tipps für Ihre Peer-to-Peer-Anlagestrategie
Aus dem Risiko des Kreditausfalls sowie dem Risiko der Plattformpleite leiten sich auch die wichtigsten Regeln für die Geldanlage in P2P-Kredite ab:
- Streuen Sie das Risiko: Das bedeutet, dass Sie Ihr Kapital niemals in nur ein Projekt investieren sollten. Am besten ist eine hohe Diversifikation mit kleinen Beträgen. Fällt ein Kredit aus, wird der Verlust durch die relativ geringe Summe verschmerzbar sein.
- Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb: Investieren Sie auf mehreren P2P-Plattformen. Kommt es zur Pleite einer Plattform, verlieren Sie nicht Ihr gesamtes Kapital.
- Seien Sie geduldig: Gerade, wenn Sie wie empfohlen viele kleine Beträge investieren, braucht Ihr Investment Zeit, um sich entwickeln zu können. Geben Sie sich diese Zeit und investieren Sie lieber auf lange und sichere Sicht als kurzfristig viel zu riskieren.
Typische Denkfehler bei P2P-Krediten
Einige Anleger ordnen P2P-Kredite falsch ein. Rund um diese Anlageform halten sich Annahmen, die zu Fehlentscheidungen führen können. Die wichtigsten davon finden Sie hier.
- „Für meinen Notgroschen eignen sich P2P-Kredite wegen der hohen Zinsen besser als Tagesgeld.“
Das ist ein häufiger Irrtum. Ein Notgroschen sollte jederzeit verfügbar und möglichst sicher angelegt sein. Da P2P-Kredite keiner gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen, ein Verlustrisiko besteht und sie auch nicht jederzeit liquidiert werden können, eignen sie sich dafür in der Regel nicht. - „P2P-Kredite sind auch für kurzfristige Sparziele geeignet.“
P2P-Kredite haben oft mehrjährige Laufzeiten. Ein Verkauf am Zweitmarkt ist nicht immer möglich oder nur mit Abschlägen. Wenn Sie das Geld in den nächsten Jahren benötigen, sind andere Anlageformen meist besser geeignet. - „Hohe Renditen bedeuten automatisch eine gute Geldanlage.“
Hohe Renditechancen gehen bei P2P-Krediten mit einem entsprechend höheren Risiko einher. Beurteilen Sie eine Geldanlage deshalb nicht allein nach dem Gewinn in der Vergangenheit oder der für die Zukunft erwarteten Rendite, sondern berücksichtigen Sie auch mögliche Ausfälle und Verluste. - „Eine Rückkaufverpflichtung schützt mich vor Verlusten.“
Das stimmt nicht. Die Rückkaufverpflichtung greift nur, wenn das jeweilige Kreditunternehmen zahlungsfähig bleibt. Gerät dieser oder die Plattform in finanzielle Schwierigkeiten, sind Verluste dennoch möglich. - „Wenn ich breit streue, kann ich kein Geld verlieren.“
Eine breite Diversifikation verringert das Risiko einzelner Kreditausfälle, schließt Verluste aber nicht aus. Auch bei einer guten Streuung bleibt ein Restrisiko bestehen. - „P2P-Kredite können breit gestreute Aktien-ETFs ersetzen.“
P2P-Kredite eignen sich eher als Ergänzung eines bereits breit aufgestellten Portfolios. Für den langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge sollten weltweit diversifizierte Aktien-ETFs in der Regel die wichtigere Rolle spielen.
Wenn Sie diese typischen Denkfehler vermeiden und P2P-Kredite nur als Ergänzung eines breit diversifizierten Portfolios einsetzen, können Sie die Risiken bewusster einschätzen und fundiertere Anlageentscheidungen treffen.
Achtung bei der Versteuerung von Peer-to-Peer-Krediten!
Einen Fallstrick gibt es noch, den Sie bei Peer-to-Peer-Krediten unbedingt kennen müssen: die Versteuerung. Denn anders als zum Beispiel bei Aktiengewinnen wird die Abgeltungssteuer nicht automatisch einbehalten. Sie sind als Anleger selbst für die Versteuerung Ihrer Gewinne aus P2P-Krediten verantwortlich und müssen die Zinszahlungen von jedem einzelnen Kredit, in den Sie investiert haben, nachweisen.
Einige Plattformen bieten als Service die Zusammenstellung aller Zinseinnahmen, bei anderen müssen Sie die Erträge selbst ermitteln und summieren.
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Die Gewinne, die Sie durch P2P-Kredite gemacht haben, müssen Sie in der Anlage KAP, Zeile 14 („Inländische Kapitalerträge“) in der Steuererklärung vermerken. Erzielen Sie bei mehreren deutschen Plattformen Zinsgewinne, müssen Sie die Einzelbeträge addieren und die Gesamtsumme eintragen.
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Bei ausländischen P2P-Plattformen verhält es sich komplizierter. In der Regel erhalten Sie hier nicht automatisch einen Nachweis Ihrer Zinserträge, sondern müssen sie selbst berechnen. Folgende Kategorien müssen Sie bei Ihrer Aufstellung berücksichtigen:
- Zinserträge
- Verzugszinszahlungen
- Zinsen, aus sogenannten „Interest Income on Rebuy“. Das sind Zinsen aus Krediten mit Rückkaufgarantie. Hat der Kreditnehmer länger als 60 Tage nicht getilgt, tritt bei einigen Anbietern eine Rückkaufgarantie ein und Sie bekommen den Tilgungsanteil plus Zinsen ausbezahlt.
- Gewinne, die Sie auf dem Sekundärmarkt gemacht haben – sogenannte „Secondary Market Premium“
Den ermittelten Gesamtbetrag tragen Sie in die Anlage KAP Ihrer Steuererklärung ein, diesmal jedoch in Zeile 15 „Ausländische Kapitalerträge“. Hilfreich für das Finanzamt kann auch ein Ausdruck des Kontoauszugs der jeweiligen Plattform sein.
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Bei Verlusten sieht es anders aus. Verluste, die Sie durch Peer-to-Peer-Kredite erzielen, können Sie nicht, wie zum Beispiel Verluste bei Aktien, als Werbungskosten oder entgangene Einnahmen geltend machen. Das heißt Verluste mit Peer-to-Peer-Krediten wirken sich nicht positiv auf Ihren Steuerbescheid aus.
Fazit: Für diese Anleger können sich P2P-Kredite lohnen
Peer-to-Peer-Kredite können auch heute noch eine interessante Geldanlage sein – allerdings vor allem für Anleger, die bereit sind, für höhere Renditechancen auch höhere Risiken einzugehen. Als Ersatz für sichere Anlageformen wie Tagesgeld oder Festgeld eignen sie sich nicht. Und für den langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge sollten breit gestreute Aktien-ETFs in der Regel die wichtigste Rolle spielen.
P2P-Kredite kommen daher vor allem als Ergänzung eines bereits breit diversifizierten Portfolios infrage. Entscheiden Sie sich für ein Investment, sollten Sie sich des Ausfallrisikos einzelner Kredite sowie des Risikos einer Plattforminsolvenz bewusst sein. Investieren Sie deshalb nur einen begrenzten Teil Ihres Vermögens in P2P-Kredite und nur Beträge, deren Verlust Sie im schlimmsten Fall finanziell verkraften könnten.