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Geldanlage

Negativzinsen fressen Ihr Erspartes auf – was tun gegen die Strafzinsen?

Immer mehr Banken kassieren Negativzinsen von ihren Kunden. Dadurch werden Kunden bestraft und sie müssen für ihr Erspartes an die Bank Strafzinsen zahlen. Wir zeigen Ihnen hier, warum es Negativzinsen gibt, welche Banken sie verlangen, wie hoch sie sind und wie Sie sich dagegen wehren können.

Negativzinsen - Was tun gegen die Strafzinsen

Was sind Negativzinsen?

Einige Banken in Deutschland verlangen von ihren Kunden Zinsen für deren Spareinlagen, sogenannte Negativzinsen. Die Kunden dieser Banken müssen also Zinsen zahlen, wenn sie dort ihr Geld anlegen. Sie werden „bestraft“, deshalb werden Negativzinsen auch Strafzinsen der Bank genannt. Bisher sind von Negativzinsen nur Sparer mit relativ hohen Beträgen betroffen, zum Beispiel ab Einlagen in Höhe von 100.000 €, 250.000 € oder 500.000 €. Im Mai 2017 hat die Volksbank Reutlingen als erste Bank in Deutschland Negativzinsen von 0,5 % eingeführt, die für jeden Sparer ab dem ersten Euro auf ihren Girokonten greifen sollten. Erst nach Protesten von Verbraucherschützern und einer negativen Berichterstattung in den Medien hat die Bank diese Negativzinsen, die sie als „Entgelt für das Guthaben“ bezeichnete, wieder zurückgezogen. 

Es gibt zwei verschiedene Arten von Negativzinsen

Bei Negativzinsen werden zwei Formen unterschieden. Zum einen negative Realzinsen und zum anderen negative Nominalzinsen.

  • Beim negativen Realzins ist die Inflationsrate höher als der Marktzins für Sparguthaben. Der Zinssatz kann also über 0 % liegen, zum Beispiel bei einem Prozent. Wenn die Inflationsrate aber 2 % beträgt, dann ist das Ersparte weniger wert, das Geld verliert an Kaufkraft und Sie haben weniger Geld zur Verfügung als vorher.
  • Beim negativen Nominalzins liegt der Zinssatz wirklich im negativen Bereich, also unter 0 %. Dann verringern sich die Gewinne der Banken und die Gefahr von Strafzinsen auf Spareinlagen steigt.

Diese Banken verlangen Negativzinsen von ihren Privatkunden

Immer mehr Banken verlangen von ihren Privatkunden Negativzinsen. Welche Banken den Strafzins bereits eingeführt haben und wie hoch er ist, können Sie in der untenstehenden Tabelle nachlesen.

In der Liste stehen zahlreiche regionale Genossenschaftsbanken. So gibt es mehrmals Strafzinsen bei der Volksbank und auch einen Negativzins bei der Sparkasse. Das liegt daran, dass gerade Genossenschaftsbanken stärker von den Einlagen ihrer Genossenschaftsmitglieder abhängig sind und weniger in riskante Kreditgeschäfte investieren als andere Geschäftsbanken. Daher machen sie bei sinkenden Einlagen ihrer Kunden auch höhere Verluste und sind eher gezwungen Negativzinsen zu erheben. In drei Fällen wird nicht ausdrücklich ein Negativzins erhoben. Da der Zinssatz aber sehr niedrig ist, beziehungsweise bei 0 % liegt und zusätzlich eine Gebühr erhoben wird, wirkt diese Gebühr faktisch wie ein Strafzins.

BankZinssatzBemerkungen
Ethikbankindividuellfür Großeinleger nach Absprache
Dresdner Volksbank- 0,4 %ab Guthaben von 1.000.000 €
Kreissparkasse Osterholz- 0,4 %ab Guthaben von 1.000.000 €
Raiffeisenbank Gmund- 0,4 %ab Guthaben von 1.000.000 €
Raiffeisenbank Naabtal- 0,4 %ab Guthaben von 250.000 €
Skatbank- 0,4 %ab Guthaben von 500.000 €
Spardabank Berlin- 0,4 %ab 100.000 € auf Tagesgeld
Sparkasse Freyung-Grafenau0 %dazu eine monatliche Gebühr von 1 € für Guthaben bis 2.000 €
Volksbank Baden-Baden- 0,4 %für Großeinleger nach Einzelvereinbarung
Volksbank Eisenberg- 0,4 %für Großeinleger nach Absprache
Volksbank Kitzingenindividuelldazu monatliche Gebühr von 3 – 150 €
Volksbank Stendal0 %ab Guthaben von 100.000 €
VR-Bank Mittelsachsen- 0,4 %ab Guthaben von 100.000 €
VR-Bank Niederschlesien- 0,3 %dazu Kontoführungsgebühr bis zu 50 €

Quelle: Verivox, Stand 10.10.2017

Gut zu wissen: Wer seiner Bank Strafzinsen für sein Guthaben zahlen soll, erleidet einen finanziellen Verlust. Allerdings kann er diesen Betrag bei seiner Steuerklärung nicht als Verlust angeben, um diesen dann mit Gewinnen anderer Art zu verrechnen. Nach Ansicht des Bundesfinanzministeriums handelt es sich bei Negativzinsen nicht um Zinsen im Sinne des Gesetzes, sondern um eine Gebühr. Und diese sei bereits über den Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 € jährlich abgegolten, so das Ministerium in einer Mitteilung.

Wie sind Strafzinsen entstanden?

Jahrzehntelang funktionierte das Prinzip des Sparens und der Geldanlage ganz einfach. Sie zahlen Geld ein, zum Beispiel auf ein Sparbuch oder auf ein Festgeldkonto, und bekommen dafür von der Bank Zinsen. Die Höhe der Zinsen ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Ein wichtiger Punkt ist bei der Festsetzung des Zinssatzes der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Leitzins gibt vor, was die Banken selbst an Zinsen zahlen müssen, wenn sie sich Geld von den Zentralbanken der Länder leihen. In den vergangenen Jahren hat die EZB die Leitzinsen immer weiter herabgesetzt, um damit die europäische Wirtschaft anzukurbeln. Der Gedanke hinter der Niedrigzinspolitik: Wenn die Zinsen niedrig sind, dann werden mehr Kredite aufgenommen und dadurch Investitionen gefördert, weil die Banken die günstigen Zinssätze an ihre Kunden weitergeben. Von Banken, die ihr Geld dagegen bunkern und nicht in Form von Krediten an Ihre Kunden weitergeben, verlangt die EZB einen Strafzins. Da in der Praxis aber nicht alle Banken genügend Eigenkapital zur Refinanzierung der vergebenen Kredite haben, geben Sie den Negativzins an Ihre Kunden weiter oder erhöhen bei Girokonten die Kontoführungsgebühren.

Wie können Sie sich gegen Strafzinsen wehren?

Nach einer Umfrage der Bundesbank wären 50 % der Banken bereit, Negativzinsen auf die Einlagen von Privatkunden zu erheben, wenn die Zinsen so niedrig bleiben wie zurzeit. Gefährdet von Negativzinsen sind das Girokonto, das Tagesgeld- und das Festgeldkonto sowie das Sparbuch. Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten Sie haben, um möglichen Strafzinsen zu entgehen.

Girokonto kündigen und wechseln

Wenn Sie mit Negativzinsen Ihrer Bank beim Girokonto nicht einverstanden sind, können Sie problemlos Ihr Girokonto kündigen und sich eine andere Bank suchen. So würden nach einer Umfrage des internationalen Online-Marktforschungsinstitutes YouGov übrigens 54 % der Bankkunden vorgehen. Bei der Suche nach einem neuen Girokonto ist ein Girokonto Vergleich hilfreich. So können Sie auf einen Blick sehen, welche Gebühren erhoben werden, wie hoch die Dispozinsen sind und an wie vielen Automaten Sie kostenlos Geld abheben können. In unserem Ratgeberartikel zeigen wir Ihnen ausführlich, wie Sie beim Girokonto Wechseln am besten vorgehen und was Sie alles beachten müssen. 

Tagesgeldkonto auflösen

Auch ein Tagesgeldkonto kann von Negativzinsen betroffen sein, weil der Zinssatz jederzeit von den Banken geändert werden kann. Der Tagesgeldzins könnte also unter 0 % sinken. In diesem Fall ist ein Wechsel Ihres Tagesgeldkontos jederzeit von einem Tag zum anderen möglich. Es bestehen keine Kündigungsfristen. Falls ein Freistellungsauftrag besteht, sollten Sie diesen unbedingt kündigen und auf Ihrem neuem Tagesgeldkonto einrichten. Bei der Suche nach einem besser verzinsten Tagesgeldkonto hilft Ihnen unserer Tagesgeld Vergleich weiter.

Laufzeit beim Festgeldkonto beachten

Der Vorteil eines Festgeldkontos ist, dass die Bedingungen, zu denen Sie Ihr Geld anlegen, für die Laufzeit des Vertrages festgelegt sind. Die Bank kann also nicht einfach den Zinssatz verändern und einen Negativzins erheben. Wenn die Laufzeit Ihres Vertrages allerdings endet, ist das unter Umständen möglich. Dabei müssen zwei Varianten unterschieden werden:

  • Am Ende der Laufzeit des Vertrages wird das Festgeldkonto aufgelöst und Ihnen wird die Sparsumme mit dem erzielten Gewinn ausgezahlt. In diesem Fall müssen Sie sich keine Sorgen um Negativzinsen machen.
  • Am Ende der Laufzeit verlängert sich Ihr Vertrag automatisch um den gleichen Zeitraum (Prolongation) und die Zinsen werden den aktuellen Bedingungen angepasst. In diesem Fall könnte Ihre Bank Strafzinsen von Ihnen verlangen. Dann können Sie aber das Festgeldkonto zum Ende der vorherigen Laufzeit kündigen und der angesparte Betrag wird Ihnen ausgezahlt. Die Kündigungsfristen können je nach Anlagedauer sehr unterschiedlich sein, sie können wenige Tage aber auch 3 Monate betragen. Die genauen Fristen finden Sie in Ihren Vertragsunterlagen. Am sichersten ist eine schriftliche Kündigung, die Sie per Einschreiben abschicken. Aktuelle Festgeldzinsen und Informationen zur Kündigung eines Festgeldkontos finden Sie in unserem Festgeld Vergleich

Bessere Anlagen als das Sparbuch nutzen

Das Sparbuch ist in Deutschland immer noch beliebt, obwohl es nur noch sehr geringe Zinsen von unter 0,1 % einbringt. Wenn Sie die Inflationsrate bedenken, die deutlich darüberliegt, machen Sie beim Sparen mit dem Sparbuch sogar Verluste. Daher wird – auch unabhängig von möglichen Negativzinsen – empfohlen, bestehende Sparbücher aufzulösen und sich eine lukrativere Form des Sparens zu suchen, wie zum Beispiel ein Festgeldkonto. Bei der Kündigung eines Sparbuches bestehen in den meisten Fällen Kündigungsfristen von drei Monaten. Erst danach können Sie frei über Ihr Geld verfügen.

Ausweichen auf Geldanlagen ohne Negativzinsen

Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung würde sich knapp die Hälfte aller Kontonutzer in Deutschland neue Geldanlagen suchen, wenn ihre Bank Negativzinsen berechnen würde. Aber Investitionen mit einer hohen Renditechance besitzen auch ein erhöhtes Risiko. Zu den Alternativen, die nicht vom Negativzins betroffen sind, gehören:

Ausführliche Informationen zu Gewinnerwartungen und Risiken der verschiedenen Anlageformen finden Sie in unseren Anlagetipps.

Verbraucher bekommen Geld bei Kreditaufnahme

Niedrige Zinsen können auch zu kuriosen Entwicklungen führen. So bekamen Kunden bei kurzfristigen Aktionen sogar Geld geschenkt, wenn sie Kredite aufnahmen. Wer einen Kredit in Höhe von 1.000 € aufnahm, der musste nur 993,70 € zurückzahlen. Dieses Angebot einer Kreditplattform entsprach einem Negativzins für den Kredit von 0,4 %. Diesmal zugunsten der Verbraucher.

Muss bald jeder bei seinem Konto Negativzinsen bezahlen?

Die Frage nach dem Ende der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die die Ursache für die Negativzinsen der Banken ist, ist nicht eindeutig zu beantworten. Es kann passieren, dass der Leitzins noch einige Monate bei 0 % bleibt. In diesem Fall steigt die Gefahr, dass weitere Banken Strafzinsen erheben. Nach Medienberichten planen folgende Banken zukünftig Strafzinsen bei Privatkunden zu erheben:

  • Raiffeisenbank Südstormarn Mölln
  • Sparkasse Köln-Bonn
  • Sparkasse Mittelsachsen
  • Volksbank Hamburg
  • Volksbank Osnabrück

Auf der anderen Seite haben einige Banken bereits angekündigt Negativzinsen wieder zurückzuziehen. Zu ihnen gehören die Volksbank Ermstal-Alb, die Volksbank Donau-Mindel, die Volksbank Reutlingen und die Volksbank Pinneberg-Elmshorn.

Vergleich-Tipp

Es ist umstritten, in welcher Form Negativzinsen rechtmäßig sind. Die Verbraucherzentrale hat gegen geplante Strafzinsen bei der Volksbank Reutlingen eine Klage eingereicht. Diese wurden als zusätzliches „Entgelt“ bezeichnet. Es soll geklärt werden, ob diese Art von Negativzinsen zulässig ist und welche Kunden davon betroffen sind. Die Verhandlung findet am 8. Dezember 2017 statt.

Geld anlegen im Ausland

Wer Geld sparen will, hat es in Zeiten von Minizinsen schwer. Fremdwährungs­konten locken mit Sparzinsen von bis zu 7 %. Doch wie sicher ist das Geld auf den Sparkonten in ausländischer Währung?

Sparkonto im Ausland
Die besten Wertpapierdepots 2017

Ob Aktien oder ETFs – für Ihre Wertpapiere benötigen Sie das passende Aktiendepot mit möglichst geringen Gebühren. Mit unserem Depot Vergleich finden Sie die günstigsten Depots am Markt.

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