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Kostenfalle Kontoführungsgebühren: alle zulässigen Kontogebühren beim Girokonto

Kontoführungsgebühren, Gebühren für Überweisungen oder Kontoauszüge – zahlreiche Kontogebühren kann Ihnen die Bank beim Girokonto in Rechnung stellen. Doch nicht immer sind diese zulässig. Wir zeigen Ihnen, welche Posten beim Girokonto kostenfrei sind und für welche Sie zahlen müssen.

Kontoführungsgebühren: alle zulässigen Girokonto-Gebühren

Girokonto ohne Kontoführungsgebühren

Nach Angaben des Statistik Portals Statista ärgern sich 38 % der Deutschen über Kontoführungsgebühren. Die monatliche Grundgebühr kann im Jahr bis zu 100 € und mehr ausmachen. Wer einen Girokontowechsel nicht scheut, kann diese Kosten aber vermeiden, wie die Stiftung Warentest bei der Untersuchung von 104 Banken im Juli 2017 herausgefunden hat. Dabei wurden 231 Konten mit ihren Kontogebühren unter die Lupe genommen. Nur 23 Girokonten waren bei reiner Onlinenutzung kostenlos. Dazu haben die Tester auch noch einige kuriose Kontoführungsgebühren entdeckt.

  • Die Salzlandsparkasse erhebt eine Gebühr in Höhe von 50 Cent bei Geldabholung am Automaten.
  • Bei der Comdirekt Bank werden 4,90 € Gebühr bei einer „beleghaften Überweisung“ kassiert. Dieser Betrag wird fällig, wenn Sie zum Beispiel als Parksünder ein Knöllchen direkt mit dem Überweisungsformular der Polizei bezahlen wollen. Nehmen Sie die Überweisung dagegen über Ihr Online-Banking vor, fallen keine Kontogebühren an. 
  • Die Ethikbank nimmt für ihre Girocard eine Gebühr von 15 €. Bei anderen Banken ist sie meist kostenlos.

Diese Gebühren sind alle zulässig. Und sie machen deutlich, dass es sich für Sie durchaus lohnen kann, die anfallenden Kontoführungsgebühren zu vergleichen.

Häufige Kontoführungsgebühren

Die Gebühren für Ihr Girokonto können zu wahren Kostenfallen werden. Es ist nicht einfach einen Überblick über die unterschiedlichen Kosten, die bei der Kontonutzung entstehen, zu behalten. Wir zeigen Ihnen die häufigsten Kontoführungsgebühren. 

Kostenfalle 1: Versteckte Kontogebühren im Kleingedruckten

Im Kleingedruckten finden sich häufig die jährlich anfallenden Kontogebühren, z.B. die Höhe der Dispozinsen sowie die Kosten für einen Überziehungskredit. Weitere Kosten sind meist erst in einem Preis- und Leistungsverzeichnis aufgeführt, das Sie bei Ihrer Bank erfragen oder downloaden müssen. Hier erfahren Sie beispielsweise, ob eine Kontoführungsgebühr für eine Überweisung oder eine Barauszahlung anfällt.

Kostenfalle 2: Dispozinsen und Überziehungskredit

Dispozinsen zahlt der Bankkunde, wenn er sein Girokonto überzogen hat. Im Durchschnitt liegen die Dispozinsen zwischen 7–11 %. Wird der bei Kontoeröffnung vereinbarte Rahmen des Dispokredits überschritten, fallen zusätzliche Kosten für den sogenannten Überziehungskredit an. Diese liegen in der Regel noch einige Prozentpunkte höher als die Dispozinsen. Ein Mindestbetrag als Pauschale ab dem ersten überzogenen Cent ist aber nicht zulässig (BGH, Az. XI ZR 9/15, XI ZR 387/15).

Kostenfalle 3: Gebühren für Bareinzahlung oder Auszahlung

Bareinzahlungen sowie Auszahlungen auf das eigene Konto dürfen mit einer Kontogebühr versehen werden (§1, Absatz 2, Zahlungsdienste­aufsichtsgesetz – ZAG). Je nach Höhe des ein- oder auszuzahlenden Betrages können die Gebühren mehrere Euro betragen. Bei Konten mit einer Grundgebühr müssen jedoch mindestens 5 Buchungsvorgänge im Monat kostenlos angeboten werden.

Kostenfalle 4: Kontogebühren für Kontoauszüge

Eine Bank ist gesetzlich dazu verpflichtet, den Kontoinhaber einmal im Monat über die Zahlungsvorgänge auf seinem Konto zu informieren. Daher ist eine kostenfreie Ausgabe der Kontoauszüge über das Internet, einen Auszugsdrucker oder durch Zusendung zu ermöglichen. Nur bei der ausdrücklich vom Kunden gewünschten Zusendung per Briefpost sind Kontoführungsgebühren erlaubt, da diese eine Sonderleistung für die Bank darstellen. Zudem darf die Bank für die nachträgliche Ausstellung eines Kontoauszugs eine dem Aufwand entsprechende Gebühr verlangen (BGH-Urteil, Dezember 2013, Az. XI ZR 66/13).

Kontogebühren für besondere Dienstleistungen

Neben den regelmäßig anfallenden Kontogebühren gibt es weitere Kosten, die auf Sie zukommen können. Diese Kosten können anfallen, wenn Sie von Ihrer Bank besondere Leistungen fordern, wie etwa bei einem Nachforschungsauftrag oder bei selbst verschuldetem Verlust der Kreditkarte. Daneben haben Sie aber auch einen Anspruch auf kostenlose Leistungen wie einen Freistellungsauftrag. Wir zeigen Ihnen, was Ihnen Banken berechnen dürfen und was nicht.

  • Verlorene PIN

    Geht der Brief mit der PIN auf dem Postweg verloren, darf die Bank keine Kontogebühren für die erneute Zusendung verlangen. Hat der Kunde den Verlust verschuldet, darf sie hingegen ein Entgelt verlangen (LG Frankfurt/Main, Januar 2000, Az. 2/2 O 46/99).

  • Ersatz der Kreditkarte

    Nur wenn der Kunde den Verlust oder eine Beschädigung der Kreditkarte selbst verschuldet, ist eine Gebühr erlaubt. Auch bei Beschädigung der Karte durch einen schlecht gewarteten Geldautomaten muss der Kunde nicht zahlen (OLG Celle v. 04.05.2000 – Az.: 13 U 186/99).

  • Jahresgebühr bei Kreditkartenkündigung

    Bei einer vorzeitigen Kündigung der Kredit- oder Girokarte hat der Kunde einen Anspruch auf die anteilige Erstattung der meist im Voraus bezahlten Jahresgebühr (OLG Frankfurt, Dezember 2000, Az. 1 U 108/99).

  • Kontopfändung

    Banken dürfen für die Bearbeitung von Pfändungs- und Überweisungsbeschlüssen und deren monatliche Überwachung keine Kontogebühren verlangen. Sie sind gesetzlich zu diesen Aufgaben verpflichtet (BGH-Urteil, Mai 1999, Az. XI ZR 219/98).

  • Nachforschungsauftrag

    Kontogebühren für einen Nachforschungsauftrag sind unzulässig, wenn der Kunde beispielsweise den betreffenden Überweisungsauftrag korrekt ausgefüllt hat. In diesem Fall handelt die Bank im eigenen Interesse. Hat der Kunde allerdings die Überweisungsdaten fehlerhaft angegeben, kann die Bank eine Gebühr für ihre Bemühungen verlangen.

  • Nichtausführung bzw. Rückgabe von Lastschriften und Daueraufträgen

    Hierfür dürfen Banken keine Girokonto-Gebühren erheben. Die Bank handelt im Eigeninteresse und führt keine Dienstleistung für den Kunden aus. Für die Benachrichtigung des Kunden über eine berechtigte Ablehnung eines Zahlungsauftrags ist ein Entgelt zulässig (§ 675 o BGB). 

  • Konto- und Sparbuchauflösung

    Für die fristgemäße Auflösung von Girokonten und Sparkonten dürfen Banken keine Entgelte erheben. Lediglich wenn ein Bankkunde ein Sparkonto vor Ablauf der Kündigungsfrist auflösen möchte, muss er mit einer geringen Gebühr rechnen.

  • Nachlassbearbeitung

    Im Todesfall des Kontoinhabers sind Banken dazu verpflichtet dem Finanzamt den Kontostand mitzuteilen. Für diese Leistung dürfen keine Kontogebühren erhoben werden. Darunter fallen auch Kosten für das Umschreiben des Kontos auf die Erben (§ 307 BGB).

  • Freistellungsauftrag

    In puncto Freistellungsauftrag sind Banken gesetzlich zur Verwaltung und Änderung verpflichtet. Gebühren sind daher nicht erlaubt (BGH-Urteil, Juli 1997, Az. XI ZR 269/96/XI ZR 279/96).

  • Kontoauskünfte wegen Rückforderung unzulässiger Entgelte

    Der Kunde hat zum Nachweis seiner Rückforderung rechtswidrig erhobener Gebühren einen kostenlosen Auskunftsanspruch (OLG Schleswig, Februar 2000, Az. 5 U 116/98).

  • Reklamationen und Prüfung von Buchungen

    Für die Bearbeitung von Reklamationen dürfen Banken auch dann keine Entgelte verlangen, wenn sich die beanstandete Buchung als richtig erweist. Jeder Kunde hat das Recht die Buchungen überprüfen zu lassen (LG Köln, August 2000).

  • Guthabenübertragung nach Kontoauflösung

    Nach der Auflösung eines Girokontos ist die Bank dazu verpflichtet, das Restguthaben entgeltfrei auf das neue Konto des Kunden zu überweisen. Eine Barauszahlung ist in Zeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs nach Auffassung des Thüringer Oberlandesgerichts nicht zumutbar (Januar 2015, Az. 1 U 541/14).

Schon gewusst? Will Ihre Bank die Preise für die Kontonutzung erhöhen, dann muss sie Ihnen das mindestens 2 Monate vorher schriftlich ankündigen. Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, dann widersprechen Sie der Preiserhöhung. Daraufhin wird Ihnen die Bank das Konto kündigen und Sie können zu einem preiswerteren Girokonto wechseln.

Es gibt sie noch! Kostenlose Girokonten ohne Kontoführungsgebühren

Wer seine Kontogebühren möglichst gering halten will, der kann sein Konto ausschließlich online nutzen. Denn es gibt Banken, die für die reine Onlinenutzung keine Gebühren erheben. Stiftung Warentest hat in dem oben erwähnten Test von 231 Girokonten 23 kostenlose Konten gefunden. Im Rahmen der kostenlosen Kontonutzung sind enthalten:

  • monatlicher Grundpreis
  • alle Buchungen
  • Preis der Girocard
  • Kosten für Onlinebanking

Die einzige Bedingung ist der Eingang eines regelmäßigen Gehalts oder einer Rente. Von den 23 kostenlosen Konten gehören 9 zu Direktbanken, 4 zu überregionalen Filialbanken und 10 zu regional tätigen Banken.

Überregionale Banken mit kostenlosen Girokonten bei Onlinenutzung

BankKontoFilial- oder Direktbank
1822direktGiroSkylineDirektbank
Comdirect BankGirokontoDirektbank
ConsorsbankGirokontoDirektbank
DKBCashDirektbank
EdekabankEdeka-KontoDirektbank
ING-DiBaGirokontoDirektbank
N26GirokontoDirektbank
NorisbankTop-GirokontoDirektbank
PSD Niederbayern-OberpfalzMein GiroDirektFilialbank
Santander Bank1 2 3 GirokontoFilialbank
Santander Consumer BankGirokonto KombiFilialbank
Sparda HessenGiroFilialbank
Wüstenrot Bank Top GiroDirektbank

Quelle: Finanztest 9/2017

Regional Banken mit kostenlosen Girokonten

Die 10 regional tätigen Banken mit kostenlosen Girokonten sind Sparda München, PSD Hessen-Thüringen, PSD Kiel, PSD Koblenz, PSD Karlsruhe-Neustadt, PSD Köln, PSD München, PSD Nürnberg, PSD RheinNeckarSaar und PSD Rhein-Ruhr. 

Wann lohnt ein Kontowechsel?

Aus Sicht von Stiftung Warentest sollte niemand bei normaler Onlinenutzung mehr als 60 € im Jahr für sein Girokonto bezahlen. Wer mehr bezahlt, der sollte sich einen Wechsel überlegen und dabei auf mögliche Kostenfallen achten. In unserem Girokonto Vergleich finden Sie Banken, die ein kostenfreies Girokonto anbieten. Suchen Sie Ihr Girokonto aber nicht ausschließlich nach dem Preis aus. Wichtig sind auch persönliche Wünsche wie eine Filiale in der Nähe oder die Nutzung einer Kreditkarte im Ausland.

Girokonto Vergleich

Besondere Leistungen auch bei kostenlosen Konten gebührenpflichtig

Bei einigen der genannten Banken können allerdings Kosten für bestimmte Leistungen entstehen, die über die reine Onlinenutzung hinausgehen. Zum Beispiel beim Einreichen eines Dauerauftrages in der Filiale am Schalter oder für die Erteilung eines telefonischen Zahlungsauftrages. Außerdem knüpfen einige Banken ein kostenloses Girokonto an Bedingungen wie zum Beispiel die Nutzung als Gehaltskonto oder eine vorgegebene Anzahl an Kontobewegungen.

Bei der Wahl Ihres Girokontos lohnt es sich, auf anfallende Kontogebühren für Leistungen zu achten, die nicht automatisch im Grundpreis enthalten sind. Gerade bei diesen Gebühren gibt es erhebliche Unterscheide zwischen den Anbietern, wie folgende Übersicht verdeutlicht. Hinzu kommt, dass immer mehr Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken sogar beim Geldabheben der eignen Kunden Gebühren am Geldautomat berechnen. 

LeistungGebühren
Dauerauftrag schriftlich einreichen0,99 € - 4,90 €
Telefonischer Auftrag für Überweisung0,95 € - 4,90 €
Beleghafte Überweisung (im Papierform mit Überweisungsformular)1 € - 3,50 €
Girocard5 € - 16 €
Kreditkarte10 € - 40 €
Geldabheben am Gelautomaten der eigenen Bank0,19 € - 1 €
Geldabheben am Geldautomaten anderer Bankenbis 4,75 €
Vergleich.de Tipp

Kontoführungsgebühren können in der Steuererklärung als Werbungskosten abgesetzt werden. Pauschal, ohne weitere Angaben, können 16 € angegeben werden. Bei Ehepartnern mit getrennten Konten 32 €. Höhere Beträge müssen beim Finanzamt durch Kontoabrechnungen oder Kontoauszüge belegt werden.

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Die Geldanlage bestimmt, ob Sie mit Ihrem Geld einen sicheren Vermögensaufbau, schnellen Renditegewinn oder eine risikoreiche Investition tätigen. Welche Faktoren das bestimmen, sehen Sie hier.

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