Geldanlage

Inflation: So schützen Sie sich vor den Folgen der hohen Inflationsrate

Warum hat die Inflation Deutschland 2022 derart im Griff? Was sind die Gründe für die hohe Inflationsrate und welche Auswirkungen hat sie? Alle Antworten auf diese Fragen, wie es weitergeht und wie Sie Ihr Geld vor der Inflation am besten schützen, lesen Sie hier.

Wie hoch ist die aktuelle Inflation in Deutschland?

Zurzeit ist die Inflation in Deutschland hoch. Im Juni 2022 lag die aktuelle Inflations­rate laut dem Sta­tis­tischen Bundes­amt bei 7,6 %. Das bedeutet, dass die durch­schnitt­liche Preis­ent­wicklung der Waren und Dienst­leis­tungen, die private Haus­halte in Deutschland für Kon­sum­zwecke kaufen, um 7,6 % höher lag als im Juni 2021.

Die Preisentwicklung misst in Deutschland der Ver­braucher­preis­index. Die Ver­ände­rung des Ver­braucher­preis­indexes zum Vor­jahres­monat ist die Inflations­rate. Auf diese Weise lässt sich die Teuerungs­rate bzw. Inflations­rate berechnen. Die Bundes­bank strebt wie die Euro­päische Zentral­bank (EZB) auf mittlere Sicht eine Inflations­rate von 2 % an.

7,6 % ist eine hohe Inflations­rate, aber noch längst keine Hyper­inflation. Als Hyper­inflation bezeichnet man eine rasant und un­kontrol­liert steigende Teuerungs­rate von etwa 50 % pro Monat, die in der Regel zu einer Währungs­reform führt.

Verbraucherpreisindex - Entwicklung der Inflation

Warum ist die Inflation aktuell so hoch?

Der Grund, warum die Infla­tion Deutschland 2022 so fest im Griff hat, liegt in einer Kombi­nation mehrerer ent­schei­dender Faktoren.

  • Zur Geldentwertung beigetragen hat zum einen die expansive Geld­politik der Euro­päische Zentral­bank (EZB), die zu einer Er­höhung der Geld­menge führte.
  • Zum anderen hatten auch die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg erhebliche Aus­wir­kungen: Sie zogen Liefer­eng­pässe und eine Roh­stoff­ver­knappung nach sich.

Im Folgenden führen wir genauer aus, wie diese Fak­toren im Zusammen­spiel zu einer hohen Infla­tion 2022 geführt haben.

Ursachen der aktuellen Geldentwertung

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die daraus resul­tierenden Sank­tionen sowie die Corona-Pandemie und die Null-Covid-Strategie Chinas haben die welt­weiten Liefer­ketten er­heb­lich gestört. Bei­spiels­weise treffen nicht mehr so viele Waren aus Russland, der Ukraine und China bei uns ein. Dies betrifft so unter­schied­liche Dinge wie Weizen, Bau­stoffe oder Computer-Chips. Vielen Unter­nehmen fehlen Roh­stoffe oder andere wichtige Kompo­nenten für ihre Produktion. Die Energie­preise sind in die Höhe geschossen und ver­teuern die Her­stel­lung zusätzlich. All dies führt zu einer Ver­knappung des Ange­bots von Waren auf dem Markt.

Gleichzeitig hat sich die im Umlauf be­find­liche Geld­menge lange erhöht. Die EZB betrieb eine ultra­lockere Geld­politik und pumpte z. B. durch An­leihe­käufe zusätz­liches Geld ins System. Bei niedrigem EZB-Leitzins konnten sich Staaten güns­tiger ver­schulden. Es war einem Staat dadurch auch leichter möglich, Wirt­schafts­hilfen bereit­zu­stellen und Kon­junk­tur­programme auf den Weg zu bringen. Die Not­hilfen in den pandemie­bedingten Lock­downs sowie Ent­lastungs­pakete für die Bürger, die die Politik schnürt, bedeuten aber ebenfalls, dass jetzt mehr Geld im Umlauf ist. Wenn eine erhöhte Geld­menge auf weniger Warenangebot trifft, werden die Waren teurer und die Inflation steigt.

Welche Auswirkungen und Folgen hat die Inflation?

Die Lebensmittelpreise steigen, Frisör und Strom werden teurer: Am direk­testen spü­ren die Ver­braucher eine In­flation an den erhöhten Preisen für Lebens­mittel, Dienst­leis­tungen und Energie. Da die Kauf­kraft des Geldes sinkt, müssen die Men­schen mehr Geld für ihre all­täg­lichen Kosten ausgeben. Die Lebens­haltungs­kosten schießen in die Höhe. Die Folge: Die Menschen haben weniger Geld übrig, das sie zurück­legen können. Außer­dem wird das Sparen bei einer hohen Infla­tions­rate wegen der schnel­len Geld­ent­wertung un­attrak­tiv, falls nicht die Zin­sen steigen. Die Er­spar­nisse ver­lieren dann zu schnell an Wert.

Wie wirkt sich die Inflation auf die Kaufkraft aus?

Bei einer Inflation steigen die Preise. Das bedeutet, Sie können mit einer gleich­blei­benden Menge Geld immer weniger kaufen. Die Kauf­kraft des Geldes sinkt.

Wenn Sie Ihr Geld nicht gewinn­bringend anlegen, wird es von der Infla­tion vernichtet. Sehen Sie in der fol­gen­den Tabelle, wie Ihr Ver­mögen bei einer Infla­tions­rate von 7,6 % auf­ge­fressen wird. Nach 10 Jahren sind 100.000 € auf einem nicht ver­zins­ten Konto weniger als die Hälfte wert.

Kaufkraftverlust bei einer Inflation von 7,6 %

Ursprungsbetrag

100.000 €

Kaufkraft nach 1 Jahr

92.937 €

Kaufkraft nach 3 Jahren

80.272 €

Kaufkraft nach 5 Jahren

69.333 €

Kaufkraft nach 10 Jahren

48.070 €

Dagegen haben 100.000 € bei der von der EZB ange­streb­ten Infla­tions­rate von 2 % nach 10 Jahren immer noch eine Kauf­kraft von etwa 82.000 €. Eine Hal­bie­rung der Kauf­kraft würde in diesem Fall erst nach 35 Jahren eintreten.

Kaufkraftverlust bei angestrebter Inflation von 2 %

Ursprungsbetrag

100.000 €

Kaufkraft nach 1 Jahr

98.039 €

Kaufkraft nach 3 Jahren

94.232 €

Kaufkraft nach 5 Jahren

90.573 €

Kaufkraft nach 10 Jahren

82.034 €

Wie wirkt die hohe Inflation auf Schulden und Kredite?

Menschen (und Staaten), die Schulden haben, profi­tieren von der Inflation. Der Grund: Mit der Geld­ent­wertung schmilzt der reale Wert ihrer Schulden. Ist die Infla­tions­rate höher als der Kredit­zins, sagt man auch: Der Real­zins ist negativ. Das bedeutet unter Berück­sich­tigung des Kauf­kraft­ver­lustes: Kredit­nehmer müssen weniger zurück­zahlen, als sie erhalten haben. Sie machen also mit ihren Schulden ein Plus.

Ratenkredit Vergleich

In der folgenden Bei­spiel­rechnung sehen Sie, wie eine hohe Infla­tions­rate bei einem Kredit zu einem nega­tiven Real­zins führen kann. Statt einen Real­zins von 0,6 % zahlen zu müssen, macht der Kredit­nehmer im rechten Szenario ein Plus von 3,7 %.

Beispielzinsen für Kredite zu unterschiedlichen Zeiten

 

Juni 2021

          Juni 2022

Kreditzins

2,9 %

3,9 %

Inflationsrate

2,3 %

7,6 %

Realzins

0,6 %

-3,7 %

Trotzdem sollten Sie es sich gut über­legen, als Privat­person bei einer hohen Infla­tions­rate einen Kredit auf­zu­nehmen, wenn Sie auf­grund der Teue­rung Schwierig­keiten haben, Ihre Lebens­haltungs­kosten zu bestreiten. Die Raten müssen Sie in jedem Fall zurück­zahlen, auch wenn die Preise für Lebens­mittel, Strom und Gas weiter an­ziehen und Ihnen noch weniger Geld vom Ein­kommen bleibt. Zudem ist eine Wette darauf, ob und wie lange die Infla­tions­rate hoch bleibt, sehr riskant.

Wie wirkt sich die Inflation auf den Aktienmarkt aus?

Die Auswirkungen der Inflation auf den Aktien­markt sind komplex. Unternehmen, die von den Ursachen der Infla­tion wie Liefer­eng­pässen betroffen sind, können betriebs­wirt­schaft­liche Probleme bekommen. Dann fallen die Kurse dieser Aktien. Firmen, die in der Lage sind, höhere Kosten problem­los über höhere Preise an ihre Kunden weiter­zu­geben, sind im Vorteil. Sie können ihren Um­satz und vielleicht sogar ihren Gewinn trotz der Infla­tion steigern. Die Aktien dieser Unter­nehmen werden steigen.

Kurzfristig ist es in der Regel so, dass eine hohe Inflation dämpfend auf die Börse wirkt. Lang­fris­tig können Aktien und Aktien-ETFs als Sach­werte jedoch als Infla­tions­schutz dienen. Die An­teile, die Sie halten, können, nachdem sie zwischen­durch viel­leicht an Wert verlieren, bei besseren wirt­schaft­lichen Aus­sichten auch wieder er­heb­lich im Wert steigen.

Wie wirkt sich die Geldentwertung auf den Immobilienmarkt aus?

Weil die Kaufkraft des Geldes sinkt und gleich­zei­tig die Anzahl an Immo­bilien be­grenzt ist und nicht schnell steigen kann, führt dies dazu, dass Häuser und Woh­nun­gen in einer Infla­tion ebenso wie andere Dinge im Preis steigen. Da die Bau­zinsen steigen, erhöhen sich zudem die Kosten für eine Bau­finan­zierung. Achten Sie jetzt als Käufer bei Ihrem Finan­zierungs­vertrag auf eine lange Zins­bindung, wenn Sie davon aus­gehen, dass die Zinsen in Zukunft weiter steigen. Falls Sie eine Immo­bilie als Kapi­tal­anlage erwerben, können Sie in der Infla­tion auf­grund der allge­mein stei­genden Preise eine höhere Miete ver­langen. Die Mehr­kosten Ihres Immo­bilien­kredites würden dann in­direkt vom Mieter bezahlt.

Wie rette ich mein Geld vor der Inflation?

Um einen Wert­ver­lust Ihres Geldes in der Infla­tion zu ver­meiden, müssen Sie es mit hoher Ren­dite anlegen. Fragen Sie sich: Wie rette ich mein Geld vor der Infla­tion?, lautet die Ant­wort: Ihr Gewinn sollte min­des­tens so hoch sein wie die Infla­tions­rate – nur dann können Sie Ihr Geld vor der Infla­tion schützen. Eine posi­tive Real­ren­dite erreichen Sie am besten mit breit auf­ge­stellten ETFs oder Aktien, da hier der zu erwar­tende Gewinn höher ausfällt.

3D Liniendiagramm

Die besten ETFs im Vergleich

ETFs versprechen hohe Renditen, doch die Auswahl ist groß. Unser ETF Vergleich zeigt Ihnen, bei welchen ETFs sich eine Investition lohnt!

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Der Realzins oder die Real­ren­dite be­rech­net sich, indem Sie die Infla­tions­rate vom Zins­satz bzw. der Ren­dite abziehen. Wir haben für Sie unten eine Bei­spiel­rechnung durch­geführt. Sehen Sie, wie die Erträge bei Tages- und Fest­geld in Gegen­über­stellung zu einem MSCI World ETF aussehen.

Realrendite verschiedener Arten der Geldanlage 2022

Anlageform

Rendite

Inflationsrate

Realrendite

Tagesgeld

0,1 % (garan­tierter Beispiels­zins)

7,6 %

-7,5 %

Festgeld

1,0 % (garan­tierter Beispiels­zins)

7,6 %

-6,6 %

MSCI World ETF

9 % (durch­schnittl. jährl. Rendite seit 1975)

7,6 %

+ 1,4 %

Bei einer Investition in einen MSCI World ETF mit einer durch­schnitt­lichen Ren­dite von 9 % pro Jahr schlagen Sie die Infla­tion und machen mit Ihrem Geld Gewinn. Dieser ETF setzt breit gestreut auf über 1.500 Unter­nehmen aus 23 Industrie­staaten. Weitere Anlage­tipps erhalten Sie hier.

Geld anlegen
Mit Sachwerten gegen die Inflation

Viele Menschen legen ihr Geld bei einer hohen Infla­tion und niedrigen Zinsen ver­mehrt in Sach­werte an. Dies können Immo­bilien, Gold oder Silber oder alter­native Geld­an­lagen wie Kunst, Old­timer, Sammler­stücke sowie wert­voller Wein oder Whisky sein. Oft­mals steigen diese Güter in einer Infla­tion im Wert an.

Prognose: Wie geht es weiter mit der Inflation?

Eine genaue Prognose der Infla­tions­rate 2022 oder gar für das Jahr 2023 ist schwie­rig, weil die Ent­wick­lung der Infla­tion u. a. vom Fort­gang des Krieges in der Ukraine und der Anti-Covid-Strategie in China abhängt. Eine Fort­füh­rung des Krieges, eine weitere Ver­knappung von Öl und Gas sowie neue Lock­downs in Asien würden die Infla­tion anheizen.

Noch ist unklar, wie der Ver­braucher­preis­index 2022 ausfällt. Die Bundes­regie­rung rechnet in ihrer Früh­jahrs­prog­nose mit einer Infla­tions­rate 2022 von 6,1 % für das ganze Jahr. Das ist hoch: In diesen Regionen lag die Infla­tions­rate bis­lang nur zu Zeiten der Öl­krise in den 1970er Jahren oder kurz nach der Wieder­ver­eini­gung. Die Bundes­bank geht inzwischen von einer durch­schnitt­lichen Infla­tions­rate von 7,1 % im Jahres­durch­schnitt 2022 aus (Stand: Juni 2022). Im Jahr 2023 soll die Teuerung all­mählich abnehmen.

Häufige Fragen zur Inflation

  • Was ist eine Inflation?

    Eine Inflation ist eine Geld­ent­wertung, bei der es zu einer all­ge­meinen Ver­teue­rung von Waren und Dienst­leis­tungen kommt. Wenn die Preise für Güter schneller steigen als Löhne und Gehälter, sinkt die Kauf­kraft. Die Menschen können also für die­selbe Menge Geld in einer Infla­tion weniger kaufen. Das Wort „Infla­tion“ geht auf das latei­nische „inflatio“ zurück, was „Auf­blähen“ bedeutet.

  • Wie entsteht eine Inflation?

    Eine Inflation kann aus zwei Gründen entstehen. Erstens kann es zu einer Teue­rung kommen, wenn die Geld­menge in einem Land oder einer Wäh­rungs­gemein­schaft schneller wächst als die Produk­tion dort. Wenn eine erhöhte Geld­menge im Um­lauf ist, erhöht sich die Nach­frage nach Waren und Dienst­leis­tungen, was die Preise in die Höhe treibt.

    Ein zweiter Grund für eine Infla­tion ist ein An­stieg der Preise für Roh­stoffe und andere Pro­duk­tions­faktoren wie Energie oder Löhne. Dadurch verteuert sich der Her­stellungs­prozess. Dies führt dazu, dass Firmen die Preise für ihre Pro­dukte erhöhen. Auf diese Weise geben die Unter­nehmen die höheren Kos­ten an die Kon­su­menten weiter.

  • Wie hängen Inflation und Stagflation zusammen?

    Ein Schreckgespenst für die Wirtschaft ist in der Infla­tion eine Lohn-Preis-Spirale, bei der sich die Löhne und Gehälter auf der einen Seite und das Preis­niveau auf der anderen Seite wechsel­seitig lau­fend zu neuen Höhen an­trei­ben, während die Wirt­schafts­leistung nicht Schritt hält. Laut Experten führt dies zu einer nach­haltig schlechten Wirt­schafts­lage, die sie „Stag­flation“ nennen. Was ist eine Stag­flation? Dieses Wort setzt sich aus „Inflation“ und „Stag­nation“ zusammen. Bei diesem Szenario treffen eine hohe Inflation und eine nicht wachsende, also stag­nie­rende Wirt­schaft zusammen. Dies führt in der Regel zu stei­gender Arbeits­losigkeit.

  • Was kann die Europäische Zentralbank gegen die Inflation tun?

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einige Instru­mente an der Hand, die gegen die Infla­tion wirken. So beendet sie ihre An­leihe­käufe Ende Juni 2022 und pumpt auf diese Weise keine zusätz­liche Liquidi­tät mehr ins System. Das hat eine dämpfende Wirkung auf die Infla­tion. Auch kommt es zur Zins­wende: Zum ersten Mal seit 11 Jahren steigt der Leit­zins. Die EZB hebt ihn im Juli 2022 von 0 auf 0,25 % an. Bei gleich­blei­bend hoher Infla­tion soll im September ein größerer Zins­schritt folgen.

    Bei höheren Zinsen lohnt sich das Sparen wieder mehr. Gleich­zeitig werden Kredite teurer, was dazu führt, dass weniger Dar­lehen auf­ge­nommen werden. Beides hat zur Folge, dass die Nach­frage sinkt und damit auch der Druck auf die Preise abfällt. Mittel­fristig strebt die EZB eine Preis­stei­gerungs­rate von 2 % für die Euro­zone an.

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