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Geldanlage

ETF: Diese Risiken und Nachteile sollten Sie kennen

ETFs sind eine beliebte Geldanlage: Sie bringen mehr Rendite als Tages- oder Festgeld und sind gleichzeitig risikoärmer als Aktien. Doch vollkommen risikolose Finanzprodukte gibt es nicht. Wir erklären Ihnen, worauf Sie bei ETFs achten sollten und welche Nachteile zu bedenken sind.

  • Inhaltsverzeichnis
    • Wie sicher sind ETFs?

      Im Vergleich zu Investitionen in einzelne Aktien gelten ETFs als risikoarm. ETFs sind passiv verwaltete Fonds, die einen Index nachbilden. Wenn Sie beispielsweise in einen ETF auf den DAX investieren, befinden sich darin Anteile von allen Unternehmen, die auch im DAX gelistet sind. Steigt der DAX, steigt auch der Wert Ihres ETFs. Fällt der DAX, verliert auch Ihr ETF an Wert.

      Gerade große Indizes – wie der DAX oder der MSCI World – streuen das Anlagerisiko breit, da viele verschiedene Titel zum Index gehören. Bricht der Kurs bei einem oder mehreren der im Index enthaltenen Titel ein, wird das häufig dadurch ausgeglichen, dass andere Titel zum selben Zeitpunkt einen Kursaufschwung erleben. Dadurch bieten ETFs eine gewisse Sicherheit. Trotzdem sind es natürlich an der Börse gehandelte Finanzprodukte. Und als solche bergen ETFs auch Risiken.

      Mögliche Nachteile und Risiken von ETFs

      Die Bundesbank warnte zuletzt zum Beispiel davor, dass ETFs auf Grund ihrer immer größeren Beliebtheit und Verbreitung Markttrends verstärken können. Welche Nachteile und Risiken außerdem immer wieder als Kritik an ETFs genannt werden und was davon zu halten ist, beleuchten wir im Folgenden.

      Herdenverhalten als Risiko bei ETFs

      Aufgrund ihrer vergleichsweise niedrigen Kosten sind ETFs in den vergangenen Jahren zum Trendprodukt geworden: 620 Milliarden Euro steckten Ende September 2019 weltweit in den börsengehandelten Indexfonds. Kritiker bemängeln, dass ETFs aufgrund dieses großen Volumens in der Lage seien, Kursentwicklungen zu verstärken. Geht es an den Börsen nach unten und geraten viele Inhaber von ETFs in Panik und verkaufen ihre Indizes, verstärken sie dadurch noch einmal den Abwärtstrend. Im schlimmsten Fall fällt der ETF-Preis in einer solchen Phase unter den Indexwert. Anleger, die dann verkaufen, machen besonders hohe Verluste. Gerade im Fall des Abschwungs wird das als Nachteil von ETFs gesehen.

      Diese Kritik an ETFs ist zwar nicht falsch, gilt aber für aktiv gemanagte Fonds genauso: Ebenso wie bei ETFs müssen auch hier Aktien aus einem Index verkauft werden, wenn die Anleger Geld abziehen. Das Problem sind in einem solchen Fall aber weniger die ETFs, sondern vielmehr die Investoren. Deshalb gilt: Kurseinbrüche am besten aussitzen und nicht in solch einem Moment verkaufen.

      Marktmacht der Anbieter von ETFs

      Kritiker bemängeln außerdem, dass der ETF-Markt von wenigen Anbietern dominiert wird, in deren Titeln sich immer mehr Geld ansammelt. Vier Fünftel des globalen ETF-Marktes sind momentan in der Hand von fünf großen Anbietern. Hier hat sich ein regelrechtes Oligopol gebildet. Dadurch wächst wiederum die Marktmacht der Anbieter. Das ist richtig, aber auch verständlich. Denn aufgrund der vergleichsweise geringen Gebühren, die Investoren an die Anbieter zahlen, lohnt sich ein Fonds für die Anbieter nur, wenn er auch ein großes Volumen hat. Größter Anbieter ist derzeit ishares, der zum Vermögensverwalter Blackrock gehört.

      Für Investoren ist es wiederum attraktiv in große Fonds zu investieren, weil hier die Kosten günstiger sind als bei kleineren Fonds. Das Ganze ist also eine Art Teufelskreis, von der die Fondsgesellschaften profitieren, die zuerst eine ETF-Marktlücke entdecken und einen entsprechenden Index auf den Markt bringen.

      Vorgegebene Gewichtung bei ETFs – Nachteil oder nicht?

      Im Unterschied zu aktiv gemanagten Fonds, bei denen ein Fondsmanager Titel kaufen und verkaufen und damit die Gewichtung innerhalb des Fonds bestimmen kann, bildet ein ETF immer einen bestimmten Index nach. Auf den ersten Blick könnte das ein Nachteil sein, denn Titel, die sich gerade nicht gut entwickeln, können nicht einfach abgestoßen werden.

      Studien haben jedoch ergeben, dass es Fondsmanagern nur selten gelingt, den Markt zu schlagen. Das bedeutet, dass sie durch das aktive Kaufen und Verkaufen letztlich meist keine bessere Rendite erreichen als die ETFs.

      Risiko Flashcrash: Bei ETFs könnte es zu Liquiditätsengpässen kommen

      Bei einem sogenannten Flashcrash handelt es sich um einen kurzfristigen, starken Kurseinbruch an der Börse. Geraten Anleger in so einem Fall massenhaft in Panik und wollen ihre ETFs verkaufen, gibt es unter Umständen nicht ausreichend Abnehmer, wodurch es zu einem Liquiditätsengpass kommen kann. In so einem Szenario könnte es Experten zufolge passieren, dass Investoren möglichst schnell auch andere Vermögenswerte loswerden wollen. So könnten im schlimmsten Fall weite Teile des Finanzmarktes von einer Krise erfasst werden. Kritiker sehen das als einen großen Nachteil von ETFs.

      Vertreter der ETF-Branche tun solch ein Szenario als unsinnig ab. Andere Geldmarktexperten halten es aber für durchaus realistisch.

      Auch eine zu hohe Liquidität bei ETFs ist nicht gut

      Auch eine hohe Liquidität kann zum Nachteil für ETF-Investoren werden. Denn wenn grundsätzlich die Möglichkeit besteht, jederzeit aus einem ETF auszusteigen, tendieren gerade kleinere Privatanleger oft schon bei kleinen Kurseinbrüchen dazu. Sie fürchten um ihre Ersparnisse. Doch gerade diese Denkweise ist eine der großen Gefahren für alle, die in ETFs investieren.

      Experten raten dazu, in solchen Phasen niemals zu verkaufen. Denn die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte hat gezeigt, dass sich die Kurse immer wieder erholen – und nach Überwindung einer Krise sogar auf ein neues Hoch klettern, das sie zuvor nie erreicht hatten. Bislang wurden also immer die Anleger belohnt, die in einer Krise die Nerven behielten.

      Das bedeutet aber auch, dass ETFs kein Finanzprodukt für die kurzfristige Geldanlage sind oder für eine Anlage, die man zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt wieder auflöst. Befindet sich der Aktienmarkt dann gerade in der Krise, verlieren Investoren unter Umständen viel Geld. Experten raten, mit einem Mindestanlagehorizont von 10 Jahren zu planen.

      Swap ETFs: Risiken liegen hier beim Tauschpartner

      Während Fondsgesellschaften bei physischen ETFs exakt die Aktien kaufen, die im jeweiligen Index enthalten sind, können synthetisch replizierende ETFs – auch Swap ETFs genannt – Aktien und Wertpapiere von verschiedenen Börsen enthalten. Dieses Verfahren wählen Fondsgesellschaften vor allem dann, wenn die Transaktionskosten für den physischen Kauf der Einzelaktien zu hoch wären.

      Im Fall von Swap ETFs geht der Anbieter des ETFs einen Vertrag mit einem Tauschpartner ein. Dieser garantiert die möglichen Gewinne des gewählten Index. Der ETF und damit dessen Investoren sind also davon abhängig, dass der Swap-Partner seinen Verpflichtungen auch nachkommt. Das versteht man unter dem sogenannten Gegenparteirisiko.

      Sollte der Swap-Partner Insolvenz anmelden müssen, sind 90 % des Anlagevermögens gesetzlich abgesichert, 10 % aber nicht. Für Investoren besteht bei solch einem ETF also das Risiko, einen Teil des angelegten Geldes zu verlieren.

      Überhöhte Gebühren bei Swap ETFs

      Die Verbraucherzentralen äußern Kritik an diesen ETFs oft dahingehend, dass für Anleger die Gebühren von Swaps oft nicht nachvollziehbar und teilweise zu hoch sind. Grund dafür ist, dass ETF-Anbieter häufig zu großen Banken gehören, die die Swap-Verträge wiederum mit ihren Mutterhäusern abschließen.

      Tipp: Physische ETFs, synthetische ETFs? In unserem ETF Lexikon haben wir alle wichtigen Begriffe rund um Indexfonds zusammengestellt. Das ETF-Glossar können Sie als PDF direkt herunterladen.

      Risiko bei physischen ETFs: Tracking Error

      Besonders bei physisch replizierenden ETFs besteht außerdem das sogenannte Tracking Error-Risiko: Da bei jeder Indexveränderung auch die Wertpapiere im ETF verändert werden müssen, entstehen Transaktionskosten, die von den Anlegern bezahlt werden müssen. Durch diese Kosten kann die Wertentwicklung des ETF von der eigentlichen Wertentwicklung des Index abweichen.

      Bei der synthetischen Replikation (Swap-ETFs) ist die Abweichung geringer. Diese ETFs bilden den Index genauer nach.

      ETF-Risikoklasse „Eintagsfliegen“

      Weil ETFs sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, wittern die Anbieter natürlich ein großes Geschäft und bringen regelmäßig neue ETFs auf den Markt. Fast täglich entstehen neue Produkte, die dann aber häufig auch schnell wieder verschwinden. Gerade bei solch scheinbar innovativen ETFs sollten Anleger unbedingt auf die jährlichen Kosten achten. Häufig liegen sie bei 0,7 % – und das ist für einen ETF bereits ziemlich viel.

      Gerade Anfänger sollten sich deshalb lieber an etablierten Fonds orientieren. Diese ETFs gelten als vergleichsweise sicher. Experten gehen davon aus, dass ein Fonds erst ab einem Volumen von etwa 50 Millionen Euro wirtschaftlich betrieben werden kann. Ab einem Volumen von 100 Millionen Euro gilt die Wirtschaftlichkeit als gut gesichert. Was nach viel Geld klingt, ist für den Betreiber des weltweit größten ETFs nahezu Peanuts: Der Vanguard Total Stock Market ETF hat ein Volumen von sage und schreibe 369 Milliarden (!) Euro.

      Bei der Auswahl eines passenden ETFs sollten Anleger außerdem die Risikoklasse beachten. Diese unterteilen sich in Klasse 1 (für sicherheitsorientierte Anleger), Klasse 2 (für konservative Anleger), Klasse 3 (für gewinnorientierte Anleger) und Klasse 4 (für risikobewusste Anleger). Die jeweilige Risikoklasse eines ETF steht in den wesentlichen Anlegerinformationen.

      Denken Sie an das Wechselkursrisiko bei ETFs

      Sobald Anleger in einen ETF investieren, der Aktien oder Wertpapiere in einer anderen Währung als der ihres Heimatlandes enthalten, gibt es ein Wechselkursrisiko. Im schlimmsten Fall könnte also die Rendite, die ein ETF erwirtschaftet, durch einen ungünstigen Wechselkurs aufgefressen werden. Wer dieses Risiko eliminieren möchte, kann in sogenannte währungsgesicherte ETFs investieren. Die Anbieter lassen sich diese Absicherung meist durch 0,1 bis 0,3 % höhere Kosten im Jahr bezahlen.

      Viele Experten sind der Ansicht, dass eine solche Absicherung bei einem langen Anlagehorizont von 10 Jahren und mehr jedoch nicht nötig ist, da sich die Währungsschwankungen in dieser Zeit ausgleichen.

      Warum sind ETFs so beliebt?

      Im Unterschied zu aktiv gemanagten Fonds sind die Kosten von ETFs niedriger. Aus diesem Grund werden sie auch von vielen Experten empfohlen. Wenn Sie einen ETF kaufen, ist die Rendite gerade in Zeiten von Niedrigzinsen oft deutlich besser als die von Tagesgeld oder Festgeld. Das Verhältnis von Risiko, Kosten und Rendite ist dementsprechend vergleichsweise gut. Auch wir empfehlen ETFs daher unter unseren Anlagetipps.

      Vergleich.de Tipp

      Mit ETFs lässt sich schon mit kleinen Beträgen ein Vermögen aufbauen: Wer beliebige 15 Jahre in den MSCI World Index investierte, erwirtschaftete im Schnitt eine Rendite von 7,7 % im Jahr und hätte zu keinem Zeitpunkt einen Verlust erlitten. Im besten Fall hätte die Rendite sogar bei knapp 14 % im Jahr gelegen. Im schlechtesten Fall bei 1,3 % im Jahr.

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