Bergfürst: Alle Infos zur Plattform für Crowdinvesting in Immobilien

Wer war Bergfürst?

Bergfürst war eine Plattform für Crowdinvesting in Immobilien, die keine neuen Zeichnungen mehr annimmt, da sie abgewickelt wird. Laut einer Mitteilung an die Anleger und Partner hat die Hauptversammlung beschlossen, die Bergfürst AG zum 1. Oktober 2026 aufzulösen. Sie soll geordnet abgewickelt werden. Was bestehende Investments betrifft, so sollen die projektbezogenen Verträge zwischen den Anlegern und den jeweiligen Gesellschaften weiter gelten.

Beim Crowd­investing handelt es sich um eine Form der Geldan­lage, bei der viele kleine Privat­an­leger gemein­sam das Kapital für ein Immo­bilien-Projekt bereit­stellen. Sie bilden praktisch einen Groß­investor nach. Die in Aussicht gestellt Verzin­sung ist entsprechend rentabel.

Für den einzelnen Anle­ger sind nur geringe Beträge für eine Beteili­gung an einem Projekt nötig. Bei Berg­fürst waren Invest­ments bereits ab 10 € möglich. In Aussicht standen dann Zinsen von 7,5 % bis zu 10 % pro Jahr. Das ist deut­lich mehr als sichere Anlage­formen wie Tages­geld oder Fest­geld bieten.

Bergfürst war eine der ältes­ten Crowd­inves­ting-Platt­formen in Deutschland. Sie wurde 2011 von Guido Sand­ler, u. A. Gründer der Berliner Effekten­bank, und Dennis Bemmann, Co-Gründer der Platt­form StudiVZ, gegründet. Anfangs konnten Privat­an­leger über Berg­fürst in Wachs­tums­unter­nehmen inves­tieren, später speziali­sierte sich Bergfürst auf Beteili­gungen an Immo­bilien. 2019 ging das Berliner Unter­nehmen eine strate­gische Partner­schaft mit der Commerz Real ein, der Immobilien­fonds-Tochter der Commer­zbank.

Gut zu wissen

Bergfürst war nicht die einzige Crowdi­nvesting-Platt­form, und Immo­bilien sind nicht das einzig mögliche Investi­tions­feld. Auf anderen Platt­formen können Sie z. B. in Start-ups inves­tieren. Crowd­investing in Immo­bilien bietet den Vorteil, dass es sich um eine Sach­an­lage han­delt. Die Immo­bilie steht in den meisten Fällen als verwert­bare Sicher­heit zur Verfü­gung. Dann können die Gläubiger, falls der Projekt-Entwickler aus­fällt, aus dem Verkauf der Immo­bilie bedient werden.

Immobilien-Finan­zierungen werden grund­sätzlich im Rahmen bewährter Geschäfts­modelle benötigt. Der zeit­liche Rahmen für den Kapital­bedarf des Projekt-Entwick­lers ist recht gut plan­bar. Daher investie­ren Anleger bevor­zugt in Immo­bilien und machen dieses Markt­segment damit zum größten im Bereich Crowd­investing.

Diese Vorteile stellte Bergfürst den Anlegern in Aussicht

Bergfürst war einer der beliebtes­ten Anbie­ter bei Vergleich.de. Die Platt­form warb mit mehre­ren Vor­teilen, die es zum Teil in dieser Form nur bei Bergfürst gab:

  • bereits mehr als 10 Jahre am Markt
  • keine hohen Mindest-Beträge; Invest­ment schon ab 10 € möglich
  • hoher festgelegter Zins­satz bis zu 10 % pro Jahr statt vager Rendite­prognosen
  • feste, kurze Lauf­zeiten zwischen 12 und 36 Monaten (gegebenen­falls sollte Ihre Geld­anlage vor Frist­ablauf zurück­gezahlt werden)
  • Sicherheiten: Vermitt­lung besicherter Bank­dar­lehen statt qualifi­zierter Nach­rang­darlehen sowie persön­liche Sicher­heiten der Entwick­ler
  • lauf­zeit­unab­hängige Liqui­dität: platt­form­eigener Handels­platz zum Kaufen und Verkaufen von Anlagen (Sekundärmarkt)
  • völlig kostenfrei: keine Investitions-, Vertriebs- oder Verwaltungs­kosten
  • automatische Abwicklung der Kapital­ertrags­steuer unter Beachtung der gesetz­lichen Vorgaben
  • einfaches Investieren und Verwal­ten des Port­folios über die Bergfürst-App

Bergfürst galt im Crowd­investing-Bereich mit diesen Bedin­gungen als seriöse Platt­form.

Pluspunkt bei Bergfürst

Die Anlagen waren nicht qualifiziert nach­rangig, wie auf dem Crowd­investing-Markt oft üblich, sondern als klassi­sches, besichertes Bank­dar­lehen ausge­staltet. Dadurch sind die privaten Inves­toren auch im Fall einer Pleite eines Projekt-Entwicklers besser geschützt.

Im Fall einer Pleite des Projekt-Entwicklers werden qualifi­ziert nach­rangige Darlehen des Projekt-Entwick­lers erst bedient, nachdem alle vor­rangigen Gläubiger wie Banken, Architekten oder Hand­werker ihr Geld bekommen haben – in der Praxis meist nie. Bei Bergfürst schützte dagegen ein klassi­sches besicher­tes Bank­darlehen Ihre Anlage.

Aufgrund der wert­haltigen Besicherung meist in Form von einge­tragenen Grund­schulden räumte es Ihnen mehr Rechte ein. Es ver­pflichtete den Immo­bilien-Entwickler zur Rück­zahlung des Dar­lehens plus Zinsen im zeit­lich verein­barten Rahmen. Neben vertrag­lich definier­ten Auszah­lungs-Voraus­setzungen sowie dinglichen Sicher­heiten wie Grund­schulden umfassten die Darlehen über Bergfürst persön­liche Sicher­heiten des Entwicklers, etwa Schuld­anerkenntnisse oder Bürg­schaften.

Wie funktionierte Bergfürst?

Das Geschäftsmodell von Bergfürst ist schnell erklärt: Immobilien-Entwickler nehmen zur Finan­zierung ihrer Bau-Projekte haupt­sächlich Fremd­kapital bei der Bank auf. Laut Gesetz­geber darf der Anteil an Fremd­kapital bei der Finan­zierung maximal 70 % betra­gen. Für die rest­lichen 30 % Eigen­kapital-Anteil arbeiten Projekt-Träger oftmals mit institutionellen Groß­investoren wie zum Beispiel Invest­ment­fonds zusammen. Diese stellen dann sogenanntes „Mezzanine-Kapital“ bereit und erhal­ten darauf die in diesem Bereich markt­üblichen guten Zinsen.

Bergfürst und vergleich­bare Anbieter öffneten diesen Markt für Privat­anleger. Dies funktio­nierte über die digitale Crowd­investing-Plattform. Über sie inves­tierten die Anleger unter­schiedlich große Beträge ab 10 €. Sie bildeten so gemein­sam einen Groß­investor nach und profi­tieren  – unab­hängig vom bereit­gestellten Investitions­volumen – von den gleichen attrak­tiven Zinsen. Auf diese Weise konnten Sie auch mit kleinen Beträgen Immobilien als Kapit­alanlage nutzen.

Wie hoch war die Rendite bei Bergfürst?

Crowdinvesting in Immobilien war lange Zeit gerade wegen der vergleichs­weise hohen Zinsen bei relativ kurzen Lauf­zeiten von 1–3 Jahren attraktiv. Bei Berg­fürst erhielten Sie jährliche Zinsen zwischen 7,5–10 %.

Der konkrete Zins­satz hing bei Berg­fürst immer vom jeweiligen Projekt ab und war bei jeder Immo­bilien-Anlage ausge­wiesen. Die Zinsen waren fest­ge­schrieben, stellten also keine bloße Rendite­prognose dar. Anders als bei Aktien unter­liegen die Anlagen keinen Kurs­schwankungen.

Welche Voraussetzungen musste ich erfüllen, um bei Bergfürst zu investieren?

Bergfürst stellte keine beson­deren Anforde­rungen an die Inves­toren. Voraus­setzung für die Eröffnung eines Kunden­kontos waren ledig­lich das Mindest­alter von 18 Jahren und die Angabe eines Referenz­kontos, auf das die Zinsen und die Darlehens­rück­zahlung später über­wiesen wer­den konnten.

Was kostete Bergfürst?

Nichts. Bei Bergfürst war sowohl die Nutzung der Platt­form als auch das Invest­ment in Projekte komplett kosten­los. Gebühren fielen ledig­lich an, wenn Sie das platt­form­eigene Handels­platz-Angebot nutzen wollten. Bei erfolg­reichem Abschluss wurde – unab­hängig vom Trans­aktions­volumen – einmalig eine Gebühr in Höhe von 10 € fällig.

Bei Bergfürst investieren: Welche Projekte realisierte der Anbieter?

Bergfürst realisierte selbst keine Projekte, sondern betrieb als Vermittler ledig­lich die Platt­form, die Immo­bilien-Entwick­ler und Privat­anle­ger zusammen­brachte. Jedoch mussten bestimmte Kriterien erfüllt sein, damit ein Projekt über die Platt­form von Berg­fürst ange­boten werden durfte. So musste es sich immer um ein immobilien­bezoge­nes Vor­ha­ben han­deln. Und nur erfahrene Immo­bilien­gesell­schaften mit umfang­reicher nach­gewie­sener Erfolgs­geschichte konnten ihre Projekte über Bergfürst für ein Invest­ment vor­stellen.

Es durften also nicht alle Immo­bilien-Projekte bei Bergfürst einge­stellt werden. Privat­anleger konnten sich die Entwickler und die jeweiligen Pro­jekte  sorg­sam anschauen, um sich ein umfang­reiches Bild über die Invest­ment­möglich­keit zu machen.

Sicherheit bei Bergfürst: Welches Risiko besteht?

Nicht nur bei Bergfürst gilt: Crowd­investing bietet höhere Rendite-Chan­cen als klassische Geldanlagen, doch gleichzeitig ist damit auch ein höheres Risiko verbunden. Die Risiken, die Immobilienprojekte typischerweise haben, hat Bergfürst auf seiner Webseite trans­parent ausgewiesen. Zu Ver­lusten – bis hin zum Total­verlust – können folgende Fak­toren führen:

  • außer­planmäßig höhere Bau- oder Finan­zierungs­kosten
  • Liefer­ver­zöge­rungen oder Qualitäts­mängel seitens der einzel­nen Gewerke
  • Über­schreiten des Zeit­plans
  • Vertriebs­risiken (z. B. fehl­ein­geschätzte Nach­frage, zu hoch an­ge­setzter Preis…)
  • spezielle Risi­ken von Bestands­immo­bilien (z. B. fehl­kalku­lierte Lauf­zeiten beste­hen­der Miet­ver­träge, schlechte Mieter-Bonität, nicht versicherbare Risiken am Haus, unvorhergesehene Sanierungskosten)
Halten Sie sich informiert

Bauprojekte sind immer von Unwäg­bar­keiten beglei­tet. Infor­mieren Sie sich so gut es geht auch abseits von Bergfürst über die jeweilige Projekt-Gesell­schaft, den Stand­ort des Vor­habens sowie die Markt­chancen der Immo­bilien. Halten Sie sich über die gesamte Lauf­zeit infor­miert.

Wie sicher ist mein Geld bei Bergfürst?

Bergfürst baut den oben genannten Risiken auf zwei Arten vor:

  • Auswahl der Immobilien-Gesellschaften: Nur solche, die hinreichende Erfahrung mitbringen und nachweisbar erfolgreich auf dem Markt agieren, dürfen laut Bergfürst Angebote auf der Plattform einstellen.
  • Besicherung der Immobilien: Die Besicherungen von Projekten bei Bergfürst sind speziell auf die Finanzierung von Immobilienprojekten zugeschnitten. Der Vorteil liegt hier im klassischen Bankdarlehen. Es kann mit werthaltigen Absicherungen ausgestattet werden, z. B.  mit Grundschulden, abstrakten Schuldanerkenntnissen, persönlichen Bürgschaften oder Miet- bzw. Kaufpreis-Abtretungen. Diese Sicherheiten werden in der Regel miteinander kombiniert.

Was können Sie selbst tun?

  • Wenn Sie sich für ein Crowd-Investment in Immobilien entscheiden, sollten Sie grundsätzlich auf eine möglichst breite Streuung des Risikos achten. Wählen Sie für Ihr verfügbares Kapital lieber viele verschiedene Projekte, als die gesamte Summe in nur ein Vorhaben zu stecken. Wählen Sie für Ihr Portfolio einen Mix verschiedener Standorte, Gewerbe- und Wohnimmobilien sowie Bestands- und Projekt-Immobilien.

Es gilt dennoch, sich immer vor Augen zu halten, dass es sich bei diesen Anlagemöglichkeiten um Risiko-Investitionen handelt und Bergfürst lediglich eine Vermittler-Plattform ist. Bergfürst nimmt selbst keine Risiko-Bewertung der angebotenen Projekte vor und haftet auch nicht im Verlustfall. Das heißt für Sie: Den Totalverlust Ihres angelegten Kapitals können Sie bei dieser Form des Vermögensaufbaus nicht vollkommen ausschließen. Entsprechend sollten Sie nur Geld investieren, das Sie übrig haben.

Was passiert mit meinem Bergfürst-Investment bei einem Ausfall?

Der Worst Case wäre das Scheitern des Projekts während der Laufzeit. Dies könnte zum Ausfall einzelner Zins-Aus­schüt­tungen oder im schlimmsten Fall zum Aus­fall des gesamten Rück­zahlungs­betrages führen.

Hier greifen der Anleger­schutz bzw. die hinter­legten Sicher­heiten wie beispiels­weise Grund­schul­den, Hypo­theken und/oder Bürg­schaften der Geschäfts­führer der Projekt-Gesell­schaften. Für den Verwer­tungs­fall hat Bergfürst einen Sicherheiten­treu­händer instal­liert, der sich für die Rechte der Inves­toren einsetzt und in einem turnus­mäßigen Bericht über seine Arbeit informiert.

Für den Fall, dass Bergfürst selbst insol­vent gehen sollte, ändert sich Ihre Situa­tion nicht. Der Vertrag ist zwischen Ihnen und der jeweiligen Projekt­gesell­schaft geschlos­sen und somit unabhängig von Bergfürst. Ihr Invest­ment ist nicht bei Bergfürst hinter­legt, sondern befin­det sich auf einem speziell für die verein­barte Verwen­dung des Geldes einge­rich­teten Kontos des Projekt-Entwicklers. Dieses Konto unter­liegt in aller Regel der klassi­schen Ein­lagen­sicherung deutscher Banken oder der euro­päischen Einlagen­sicherung.

Wie beurteilt Stiftung Warentest Bergfürst und welche Erfahrungen machten andere Nutzer?

Bergfürst schneidet bei Stiftung Warentest – wie andere Crowd­investing-Anbieter – mittelgut ab. Zu hoch sei das Risiko eines Ver­lustes sowie die Ein­schät­zung des Risi­kos für Privat­anleger ohne Expertise auf dem Immo­bilien-Markt nicht möglich.

Stiftung Warentest führt den Fall an, als ein Bergfürst-Emittent 2019 pleite­ging: die Gesell­schaft GPV Property Development Limited mit der Projekt-Immobilie „Z19 Stadt­Haus Plus“ in Bernburg im Bundesland Sachsen-Anhalt. Ca. 500 Anle­ger hatten 2016 insgesamt 437.590 € investiert. Zum Lauf­zeit­ende gestal­tete sich die Käufer­suche für die Eigen­tums­woh­nungen als schwierig.

Die Anleger bekamen ihre verein­barten 7 % Zinsen nicht. Das Angebot war damals noch als quali­fiziert nach­rangiges Darlehen aus­ge­staltet. Das bedeutete: Die Forde­rungen der Inves­toren mussten erst bedient werden, nachdem alle anderen Gläubiger wie Banken, Architekten und Hand­werker bedient worden waren. Das Anleger­kapital wurde in diesem Fall nicht zurück­gezahlt.

Bergfürst FAQ: wichtige Fragen zum Crowdinvesting

Im Folgenden beant­worten wir Ihnen noch einige Fragen, die häufig im Kontext von Bergfürst Immo­bilien-Crowd­investing auf­tauchen.

  • Für Gewinne aus Crowdinvesting in inländische Immo­bilien fällt in der Regel die Ab­geltungssteuer an. Bergfürst führt diese Steuer auto­matisch ab. Das vereinfacht die Dinge für Sie.

  • Ja. Sie können bei Bergfürst einen Frei­stellungs­auftrag hinter­legen, damit Sie auf Ihren Sparer­pausch­betrag nicht verzich­ten müssen, wenn die Steuern abge­führt werden. Den Freistellungs­auftrag können Sie bei Bergfürst online in wenigen Schrit­ten erteilen.

  • Die Projekt-Gesell­schaften haben sich bei Berg­fürst zur pünkt­lichen Zah­lung ver­pflich­tet. Je­doch gewährt die Platt­form ihnen einen Spiel­raum von 10 Tagen bei Zins­zahlun­gen und 7 Tagen bei Darlehens­rück­zahlun­gen. In diesem Fall handelt es sich also nicht um Verspä­tun­gen im eigent­lichen Sinne. Sollten diese Fristen tat­sächlich einmal ver­streichen, ohne dass eine Zah­lung er­folgt, fragen Sie unbe­dingt beim Kunden­service nach.

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