Ein solcher „Rettungsanker“ wäre für viele Arbeitnehmer keine schlechte Idee, denn jeder Dritte wird bis zum Rentenbeginn mit 65 wahrscheinlich berufsunfähig.
Wir stellen Ihnen die Hintergründe und Gestaltungsmöglichkeiten der Berufsunfähigkeitsversicherung näher vor.
Nicht nur Dachdecker leben gefährlich – warum jeder berufsunfähig werden kann
Beim Thema Berufsunfähigkeit denkt man meist an riskante Jobs mit hohem körperlichen Einsatz. Dachdecker oder Zimmermänner werden gerne als Paradebeispiel genannt. Dieser Gedanke ist natürlich nicht falsch: Handwerker unterliegen in ihren Berufen tatsächlich einer höheren Wahrscheinlichkeit berufsunfähig zu werden als z.B. Büroangestellte.
Ganz egal in welcher Berufsgruppe Sie sich aber befinden: Über ein Drittel der Arbeitnehmer kann den eigenen Job ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr ausüben. Oft sind psychische Gründe dafür verantwortlich, beispielsweise Depressionen oder ein Burn-Out-Syndrom. Nur ein kleiner Prozentsatz der Berufsunfähigen erleidet einen „klassischen“ Arbeitsunfall, wie es etwa bei Dachdeckern häufiger der Fall ist.
Wissenswert ist außerdem, dass sich der Staat im Falle einer Berufsunfähigkeit weitgehend aus der Verantwortung zurückgezogen hat. Falls ein Bundesbürger erwerbsunfähig wird, hat er Anspruch auf eine „gesetzliche Erwerbsminderungsrente“. Sie beträgt maximal 30 Prozent des bisherigen Bruttolohns. Als Beispiel: Sie haben bisher pro Monat 3.000 Euro verdient. Dann unterstützt Sie der Staat im Falle einer Berufsunfähigkeit nur noch bis zu maximal 900 Euro.
Eine private Vorsorge gewinnt deshalb immer stärker an Bedeutung.
Jedem das Seine – über das vielfältige Angebot an Berufsunfähigkeitsversicherungen
Grundsätzlich orientiert sich der monatliche Beitrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung an Beruf, Eintrittsalter und der monatlichen Rentenhöhe des Versicherten: Angestellte müssen zum Beispiel niedrigere Beiträge zahlen als selbstständige Handwerker, und ältere Einsteiger zahlen mehr als jüngere. Zusätzlich können die gesundheitliche Verfassung, das Geschlecht und der Familienstand des Versicherten eine Rolle spielen.
Bei der Auswahl einer für Sie passenden Berufsunfähigkeitsversicherung können Kunden aus einer Vielzahl vertraglicher Varianten auswählen. Kombinationsprodukte aus Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsversicherung sind eine beliebte Möglichkeit. Einige Experten raten hier allerdings zur Vorsicht. So mancher Anbieter kombiniert zum Beispiel eine erstklassige Altersvorsorge mit einer minderwertigen Berufsunfähigkeitsversicherung.
Hier noch einige weitere Gestaltungsmöglichkeiten einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die Sie bei Vertragsabschluss in Betracht ziehen sollten: - Der Versicherte bekommt am Ende der Vertragslaufzeit einen Teil seiner Beiträge zurück, wenn er nicht berufsunfähig geworden ist.
- In den ersten Monaten der Erwerbsunfähigkeit erhält der Versicherte die doppelte Rente, weil in diesem Zeitraum die meisten Kosten anfallen.
Eine „abstrakte Verweisung“ sollte übrigens ausgeschlossen sein. Dieser Begriff bedeutet, dass der Versicherte ähnliche Tätigkeiten annehmen muss, falls er seinen ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben kann. Zum Beispiel könnte in einem solchen Fall ein Bäcker mit Mehlallergie als Putzhilfe eingesetzt werden.
Warum eben doch “der frühe Vogel den Wurm fängt“ und sich ein Einstieg in jungen Jahren lohnt
Gerade viele jüngere Leute vernachlässigen das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie basteln an Ausbildung und Karriere und gehen längerfristigen Entscheidungen noch aus dem Weg. Ein frühes Einstiegsalter bringt aber Vorteile: Dazu gehören niedrigere Beiträge und ein geringeres Risiko, wegen der eigenen Krankheitsgeschichte keinen oder einen sehr teuren Versicherungsschutz zu erhalten. Falls bereits in jungen Jahren eine Berufsunfähigkeit eintreten sollte, wird es ohne private Absicherung noch schwieriger, da sich die staatliche Rente aus dem bisherigen Durchschnittseinkommen errechnet.
Tipp der vergleich.de-Redaktion: Sowohl junge als auch ältere Neueinsteiger sollten möglichst noch im laufenden Jahr eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Die Senkung des Garantiezinses von 2,25 auf 1,75 Prozent ab 01.01.2012 betrifft nämlich auch die Berufsunfähigkeitsversicherung.


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