Der vergleich.de Newsletter im Juni 2012Lang oder kurz? Wie Sie die optimale Laufzeit für Ihren Baukredit finden Die Zinsen für eine Baufinanzierung bewegen sich aktuell auf einem niedrigen Niveau, da macht es doch Sinn, sich diese Zinsen für einen langen Zeitraum zu sichern? So denken viele Bauherren, dennoch geht diese Rechnung nicht immer auf. Wann macht eine lange Zinsbindung Sinn und wann lohnt sich eine kurze Zinsvereinbarung?
Schneller schuldenfrei mit einer kurzen Laufzeit Dem Zinstief sei Dank: Darlehen für eine Baufinanzierung können derzeit mit extrem guten Konditionen punkten. Besonders zinsgünstig sind Darlehen mit einer kurzen Laufzeit. Das sind Kredite mit einer Zinsbindungsfrist zwischen fünf und zehn Jahren. Generell gilt: Je kürzer die Zinsbindung der Baufinanzierung, desto geringer sind die Zinsen und desto günstiger wird Ihr Darlehen. Allerdings besteht bei einer kurzen Zinsbindung auch das Risiko einer teureren Anschlussfinanzierung: Sind die Zinsen für Baugeld in der Zwischenzeit gestiegen, müssen Sie Ihre Anschlussfinanzierung zu einem höheren Zinssatz abschließen.
Dass sich ein Darlehen mit einer kurzen Laufzeit lohnen kann, zeigt eine Berechnung der Verbraucherzentrale Bremen: So zahlen Sie für ein zehnjähriges Darlehen über 100.000 Euro mit einem Sollzins von 3,1 Prozent eine Monatsrate von 970,23 Euro, die Zinsen belaufen sich auf insgesamt 16.427,60 Euro. Wird diese Kreditsumme nun über 30 Jahre getilgt, beträgt Ihre Monatsrate mit 463,12 Euro zwar nur die Hälfte, insgesamt werden aber aufgrund der langen Darlehenslaufzeit und des höheren Sollzinses von 3,75 Prozent insgesamt 66.723,20 Euro Zinsen fällig. Die lange Laufzeit kostet Sie also insgesamt 50.295,60 Euro mehr.
Unsere Empfehlung für Baufinanzierer: Ein Darlehen mit einer kurzen Zinsbindung lohnt sich besonders dann, wenn Sie Ihr Darlehen auch in dieser Zeit vollständig zurückführen können. Andernfalls besteht für die verbleibende Restschuld nach Auslauf der Zinsvereinbarung ein erhebliches Zinsänderungsrisiko. Haben Sie nicht die nötigen finanziellen Mittel, das Darlehen innerhalb der kurzen Zinsbindung zurückzuführen, oder rechnen Sie in der nächsten Zeit nicht mit zusätzlichem Geld, ist bei dem aktuell niedrigen Zinsniveau eine lange Zinsbindung die bessere Wahl.
Lange Zinsbindung schützt vor Zinserhöhungen Die meisten Immobilienkäufer entscheiden sich heute für eine lange Zinsbindung ihrer Baufinanzierung. Die Sicherheit, vor plötzlichen Zinserhöhungen geschützt zu sein, spielt hierbei die wichtigste Rolle: Entscheiden Sie sich für eine lange Laufzeit Ihres Baukredites, können Sie sich die aktuell günstigen Zinsen bis zu 30 Jahre sichern. Zusätzlich bleiben die monatlichen Raten bei langen Darlehenslaufzeiten überschaubarer.
Wie sich eine Zinsänderung auf die monatliche Rate auswirkt, zeigt ein Beispiel: Sie haben ein Darlehen über 150.000 Euro zu einem Sollzinssatz von 2,60 Prozent abgeschlossen. Der Tilgungssatz für diesen Kredit mit 10 Jahren Zinsbindung beträgt 1,5 Prozent. Monatlich müssten Sie demnach eine Rate von 512,50 Euro zahlen. Nach zehn Jahren wird eine Anschlussfinanzierung vorgenommen, inzwischen ist der Zinssatz aber um 1,5 Prozent gestiegen. Für eine weitere Finanzierung des Restbetrages beträgt Ihre monatliche Rate nun 667,92 Euro, eine Steigerung um 30 Prozent.
Nachteilig wirkt sich eine lange Zinsbindung allerdings auf die Kosten des Darlehens aus, denn die langfristige Sicherheit lassen sich die Banken mit einem kleinen Zinsaufschlag bezahlen. Auch die Berechnung der Verbraucherzentrale Bremen zeigt: Je länger ein Baudarlehen läuft, umso teurer wird es.
Finanzielle Freiräume für Sondertilgungen nutzen Die Wahl der passenden Laufzeit ist also eine wichtige Komponente, um die Kosten der Baufinanzierung so niedrig wie möglich zu halten. Kreditnehmer können die finanziellen Spielräume aufgrund der aktuell niedrigen Bauzinsen übrigens auch nutzen, um mit einer höheren Tilgung die Kreditlaufzeit zu verkürzen. Auch Sondertilgungen beschleunigen die Rückzahlung des Kredites und senken die Darlehenskosten. Je schneller eine Sondertilgung vorgenommen werden kann, desto höher ist der Zeitraum, um den sich die Laufzeit verringert.
Ein Tipp deshalb für alle Darlehensnehmer, die eine lange Zinsbindung gewählt haben: Mit dem gesetzlichen Kündigungsrecht nach § 489 BGB haben Sie die Möglichkeit, Ihre bestehende Baufinanzierung nach 10 Jahren mit einer Frist von sechs Monaten ganz oder teilweise zu kündigen – ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen.
Die Laufzeit, die zu Ihnen passt Ob kurz oder lang: Welche Laufzeitvariante für Sie passende ist, ist zum einen zwar vom aktuellen Niveau der Baufinanzierungszinsen abhängig. Diese sind gerade sehr günstig, wie unser Baufinanzierung Vergleich zeigt. Zum anderen ist aber auch Ihr finanzieller Spielraum entscheidend. Haben Sie nicht so viel Geld zur Verfügung, passt eine niedrige monatliche Rate wahrscheinlich besser in Ihr Budget als die hohe Monatsrate einer kurzen Finanzierungslaufzeit. Eine kurze Finanzierungslaufzeit sollten Sie deshalb nur wählen, wenn Sie Ihr Darlehen innerhalb der kurzen Zinsbindung auch vollständig tilgen können.
vergleich.de Tipp: Sie sind sich noch nicht sicher, ob Sie Ihre Finanzierung besser mit einer Zinsbindung von 10 oder 20 Jahren abschließen? Dann hilft Ihnen unser Zinsrechner dabei, Baufinanzierungen mit verschiedenen Zinsbindungen zu vergleichen. Sie sehen somit auf einen Blick, welche Finanzierungsvariante für Sie in Frage kommt. 
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