Die deutschen Banken werden bei der Anlageberatung bald mit Produktblättern arbeiten. Die Spitzenverbände der Sparkassen, der Volks- und Raiffeisenbanken sowie der öffentlichen Banken stellten gestern ein Muster für einen solchen „Beipackzettel“ vor, das künftig von allen rund 1.700 Mitgliedsinstituten verwendet werden soll. Die drei Verbände wickeln nach eigenen Angaben 80 Prozent des Privatkundengeschäfts in Deutschland ab.
Das zweiseitige Produktblatt informiert über die wichtigsten Eigenschaften eines Produkts, darunter Anlagestrategie, Risiken, Renditechancen und Kosten. Außerdem beschreibt es die Wertentwicklung des Produkts je nach Marktlage.
Offen ist, wann genau der „Beipackzettel“ kommen wird. Während der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) an eine Einführung im Frühjahr denkt, will sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) nicht auf einen Termin festlegen. Ebenso unklar ist, für welche Anlageformen es das Produktblatt geben wird. Der BVR will es sofort für alle Produkte, der DSGV zunächst nur für Wertpapiere verwenden.
Der Bundesverband deutscher Banken (BdB), dem die privaten Kreditinstitute angehören, hatte bereits Ende Februar einen eigenen Entwurf für einen „Beipackzettel“ vorgestellt. Mit den Produktblättern setzt die Branche eine Forderung der Bundesregierung um. Angesichts der Finanzkrise hatte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) vergleichbare und verständliche Informationen zu Anlageprodukten verlangt. Für den Fall, dass die Banken nicht freiwillig eine Lösung anbieten, hatte sie mit einer gesetzlichen Verpflichtung gedroht.