Für Sie getestet: facebook-Zins der Fidor Bank

Die Münchner Fidor Bank ist so etwas wie die Piratenpartei der Direktbanken. Es herrscht Basisdemokratie, und die Kunden sind über Social Media zum Mitdiskutieren eingeladen. Transparenz und Dialogbereitschaft wird beim „Banking mit Freunden“ – so das Motto der Bank – großgeschrieben.

Aktuell wirbt die Fidor Bank mit einer innovativen Aktion: dem facebook-Zins.

Fidor Bank bietet „Like-Zins“ statt Leitzins

Die Fidor Bank, selbsternannte Mitmachbank aus München, bietet ihren Kunden ein Finanzprodukt der besonderen Art. Die Bank koppelt die Verzinsung des FidorPay-Kontos, einer Art Girokonto, direkt an die Anzahl ihrer facebook-Freunde. Je mehr Menschen auf facebook den „gefällt mir“-Button (auch „Like-Button“) drücken, umso höher ist die Guthabenverzinsung des Kontos. Als Mindestzinssatz verspricht die Fidor Bank 0,5 Prozent. Wenn genug Likes auf facebook zusammengekommen sind, erhöht sie dann jeweils zum 25. eines Monats den Zinsssatz. Die Höchstgrenze ist bei 22.000 Likes erreicht, dann verzinst die Fidor Bank das Konto bis zum Jahresende mit 1,5 Prozent. Am 31.12.2012 endet die Aktion, und der Zinssatz fällt automatisch auf 0,5 Prozent zurück. Noch befindet sich der Traumzins von 1,5 Prozent in weiter Ferne, bisher wurde der „gefällt mir“-Button auf facebook erst 4.395 mal gedrückt (Stand 04.06.2012).

Was leistet das FidorPay-Konto?

Das dazugehörige “Wunderkonto“ beschreibt die Fidor Bank folgendermaßen: „Das FidorPay-Konto ist eine digitale Cash-Management Plattform, mit der Sie einfach Ihre Finanzen regeln können: 24/7, online/mobile, Peer-2-Peer Kredite, Twitter-Überweisungen und Crowdfunding inklusive“. Eine komplizierte Beschreibung, die wohl zu verschleiern versucht, dass das FidorPay-Konto kein wirkliches Girokonto ist. Wichtige Funktionen wie zum Beispiel das Einrichten von Daueraufträgen und ein Dispokredit fehlen.

Crowdfunding und Twitter-Überweisung für den allgemeinen Zahlungsverkehr irrelevant

Andere Extras hingegen, wie zum Beispiel das Crowdfunding, also die Finanzierung durch viele einzelne Kreditgeber, oder die Twitter-Überweisungen spielen im allgemeinen Zahlungsverkehr kaum eine Rolle. Außerdem sind die Kunden der Fidor Bank bei diesen speziellen Transaktionen auf die Fidor-Community beschränkt, der Zahlungsverkehr außerhalb der Finanzgemeinschaft funktioniert (noch) nicht. Ein weiterer Minuspunkt: Die Newcomer-Bank ist nicht Mitglied im Einlagensicherungsfonds deutscher Banken, das heißt die Einlagen sind nur bis zu einer Höhe von 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.

Die Vor- und Nachteile der Like-Zins Aktion im Überblick:

+ innovative Produktidee, die Kunden für das Bankprodukt begeistert
-  kein Dispokredit und keine Dauerüberweisungen möglich
-  Entwicklung der Verzinsung ungewiss
-  es gilt nur die gesetzliche Einlagensicherung

Das vergleich.de Fazit zur Like-Zins Aktion der Fidor Bank:

Der Like-Zins der Fidor Bank ist mehr Schein als Sein. Zum einen ist die Entwicklung der Fidor Bank auf facebook vollkommen ungewiss, zum anderen überzeugt uns das FidorPay-Konto nicht: unzureichende Einlagensicherung, schwache Verzinsung und fehlende Banking-Funktionen werfen ein schlechtes Licht auf das Produkt.

Wer auf der Suche nach einem gut verzinsten Girokonto ist, findet in unserem Girokonto Vergleich einige Anbieter mit bis zu 2,5 Prozent – einfach so, ganz ohne facebook.

Was halten Sie von der Like-Zins-Aktion? Wie viel Social Media verträgt die Finanzbranche? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare.

 
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Kommentare


  1. aureus

    Den Hauptteil brauche ich nicht kommentieren – es ist viel Wahres dabei. Aber beim Zinsvergleich im letzten Absatzz geraten die berühmten Äpfel und Birnen durcheinander: Die genannten 2,5 % aus Ihrem Vergleich beziehen sich auf das Tagesgeldkonto der Postbank, das man zusätzlich (!) zum Girokonto erhält; die Verzinsung gilt dann auch nur 6 Monate für Neukunden; sonst gibt es ca. 0,75 %. Auch Fidor bietet ein Tagesgeldkonto: momentan 2,4 % für alle Neukunden.


  2. Julian S.

    Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich Ihre Einschätzung nicht recht teile. Das FidorPay Konto nutze ich seit einiger Zeit und komme damit prima zurecht. Es besteht dabei gesetzliche, deutsche Einlagensicherung und ich kenne nur wenige Personen, die mehr als 100.000 Euro auf einem Konto belassen, welches dem Zahlungsverkehr dient. Wesentlicher Unterschied ist jedoch die Dauerhaftigkeit einer Verzinsung, ein wesentlicher Unterschied zu den meisten Girokonten. Ganz abgesehen von dem wesentlichen Vorteil, dass das FidorPay Konto nicht bei der Schufa indexiert ist und somit für ein Herabsinken der Bonität führt.


  3. aureus

    Beim letzten Wort verschrieben: Fidors Tagesgeldzins gilt immer für alle Kunden, nicht nur für Neukunden.


  4. BekLOPD

    Guten Tag,

    interessante Rezension! Jedoch finde ich, dass die Maßstäbe, die da angesetzt wurden die falschen Maßeinheiten verwenden. Das FidorPay-Konto gibt nicht vor ein Girokonto zu sein, wie sie auch ganz am Anfang erklärend schreiben, dass man sich das Konto als eine “Art Girokonto” vorstellen kann. Daher kann man auch nicht meckern, dass es weder einen Dispo gibt, noch Daueraufträge möglich sind (bei Paypal erwartet das auch keiner…). Desweiteren ist selbst eine Verzinsung von 0,5% (übrigens es wurde nicht gesagt, dass der Zins zum nächsten Jahr wieder auf 0,5% fällt) für ein Transaktionskonto (Vergleich Girokonto) nicht selbstverständlich, geschweige denn irgendwann vielleicht sogar über 1% Zinsen. Desweiteren frage ich mich, was es an der gesetzlichen Einlagensicherung zu bemängeln gibt, 100.000 € haben vermutlich die wenigsten mal eben auf einem Transaktionskonto.
    Der letzte Satz ist jedoch wohl eine Frechheit! Diese beworbenen 2,5% gibt es eben nicht auf ein Girokonto, sondern auf das Tagesgeldkonto, was es bei der Bank des Girokontos gibt.
    Bei der Fidor Bank gibt es genau das, was dort auch steht, im Gegensatz zu den 2,5% auf dem “Girokonto” der Postbank, das zum Thema “mehr Schein als sein”.

    Sry, das konnte ich nicht so stehen lassen.
    Ich lade sie gerne auf eine DIskussion in der Fidor Community ein.

    MfG. BekLOPD

  5. Hallo aureus, Julian S. und BekLOPD,

    vielen Dank für Ihre Kommentare.

    Wir haben das FidorPay-Konto im Blog besprochen, weil wir es für den spannenden Versuch einer Alternative zu klassischen Girokontos halten. Trotzdem sollte das Konto einen Vergleich mit „traditionelleren“ Formen der Geldanlage aushalten. Beim FidorPay-Konto fehlen einige wichtige Bestandteile von klassischen Girokonten, die von Sparern sehr geschätzt werden – zum Beispiel sind keine Daueraufträge möglich. Deshalb haben wir diese fehlenden Bestandteile in unserem Test als Nachteile aufgelistet.

    Auch bei den klassischen Girokonten schauen wir übrigens genauer hin: Die vergleich.de Redaktion hat das Postbank Giro Plus ebenfalls getestet (siehe: http://www.vergleich.de/informationen/vergleichde-aktuell/fuer-sie-getestet.html) und weist in der Besprechung ausführlich auf die Vor- UND die Nachteile des Kontos hin.

    Viele Grüße
    aus dem vergleich.de Blogteam


  6. mk

    Liebes vergleich.de Blogteam,

    wir freuen uns sehr über die Berichterstattung in Sachen FidorPay Konto. Auch kritische Publizität ist Publizität und wie Sie ja als Antwort auf die vorangegangenen Einträge schreiben, wird auf gute wie weniger gute Aspekte hingewiesen. Vollkommen fair.

    Ein paar Punkte möchte ich an dieser Stelle beitragen:
    - Die grundsätzliche Ausrichtung der FIDOR Bank ist es, sich in den Märkten “web 2.0, Mobile Internet, social media, e-commerce und gaming” zu bewegen. Damit ist unser strategisches Marktumfeld beschrieben.
    - Dieses Marktumfeld ist international, kennt keine Grenzen.
    - Es gibt, wenn überhaupt, nur sehr wenige Anbieter, die sich teilen dieses Umfelds widmen und nur wenige bis keine, die es vollständig abdecken.
    - Eines ist klar: Um in diesem Umfeld optimal reussieren zu können, braucht es eine Banklizenz und eine passende Bank- und Paymentdienstleistung. Dies KANN KEIN NORMALES GIROKONTO sein. No Way.

    - Aus diesem Grund verbindet das FidorPay Konto die Eigenschaften eines Internet-Payment-Dienstes mit den Eigenschaften eines Girokontos. Es gibt kein Payment-Angebot, das a. Zinsen zahlt und einen Reigen von Bankangeboten mit anbietet. Und es gibt kein Girokonto, dass auch Internet-Payment möglich macht.
    - Internet-Payment, E-Geld, Wallet-Transaktionen, wie immer man es auch nennen möchte, werden die wesentlichen Wachstumsfelder der Zukunft sein und sind es schon heute.
    - Hinzu kommen neuartige Finanzdienstleistungen und -Verhaltensformen wie crowd-funding und peer to peer lending. Auch dies muss mit abegdeckt werden können.
    - Natürlich müssen traditionelle Gewohnheiten abgedeckt werden können. Aus diesem grund werden natürlich auch in naher Zukunft daueraufträge möglich sein und Überziehungen, wenn auch nur unter bestimmten Umständen. Man sollte nicht vergessen, dass Überziehungskredite zwar Flexibilität verschaffen, grundsätzlich aber sehr teuer und eigentlich zu vermeiden sind. Natürlich kann man schon heute normale Überweisungen durchführen und auch Lastschriften geltend machen. Keine Frage.
    - Darüber hinaus wird die Fidor Bank in sehr naher Zukunft einen internationalen Payment-Ansatz anbieten.
    - Zum Like-Zins sei angemerkt, dass die Verzinsung ja nur nach oben gehen kann. Die Unsicherheit, die Sie beschreiben, ist somit eine “relative” Unsicherheit und auf keinen Fall ein RISIKO. Darüber hinaus muss man an dieser Stelle nochmals anmerken, dass es keinen anderen Anbieter von Internet-Payments gibt, der eine Verzinsung bietet. Abgesehen davon: Welche Bank bietet ein vergleichbares Angebot? Da wir kein Geld für sinnlose Werbe-Kampagnen (wetter Sponsoring oder Banden-Werbung) haben, müssen wir immer eher mit Originalität und Innovation überzeugen. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor: Dieser Ansatz bringt auch wieder den Spaß ins Thema Banking zurück… Wann hatten den Kunden zuletzt?
    - Die gesetztliche Einlagensicherung betrachten wir als grundsätzlich ausreichend. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der große große Teil unserer Kunden damit vollkommen und ausreichend abgedeckt ist – von Kundenseite gibt es da keine weiterreichenden Wünsche.

    Das sind nur mal ein paar Antworten auf Ihren Blog. Mir geht es dabei weniger um das eigentliche Produkt. Es geht mir eher darum, dass Sie unsere Sicht der Dinge, unsere Sicht dieser digitalen Welt verstehen, in der wir uns bewegen.

    Besten Dank und beste Grüße
    M. Kröner (Vorstand)

    PS: Wer sich mal ein Bild darüber machen möchte, wie INNOVATIV Banking sein kann, dem empfehle ich das hier angehängte Video: http://www.youtube.com/watch?v=F9mItq4q2vA&list=UUjU3PeMHb7ZEt4ylvdNH0RQ&index=2&feature=plcp

  7. Lieber Herr Kröner,

    wir freuen uns im Gegenzug, dass Sie in unserem Blog das Geschäftsmodell der Fidor Bank und den Aufbau des FidorPay Kontos detailliert vorgestellt haben. So können unsere User noch besser entscheiden, ob dieses Angebot für sie in Frage kommt oder nicht. Den innovativen Ansatz Ihrer Produkte finden wir sehr spannend, wir werden die Entwicklung der Fidor Bank deshalb auf jeden Fall weiterverfolgen. Natürlich können Sie uns auch gerne an dieser Stelle über Neuerungen auf dem Laufenden halten.

    Viele Grüße nach München
    vom vergleich.de Blogteam

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