Newsletter, vergleich.de 27.05.2008

Sie gehören zu denen, die eine Gehaltserhöhung bekommen haben – Glückwunsch! Aber was passiert danach  - haben Sie mehr oder weniger Geld in der Tasche?

Wenn Sie eine Gehaltserhöhung erhalten haben, steigt in der Regel auch der Einkommensteuersatz. Wenn nun, wie im letzten Jahr, die Inflationsrate um 2,2 Prozent oder in diesem Jahr bisher 2,8% steigt, sorgt eine geringe/moderate Gehaltserhöhung nur für einen Inflationsausgleich. Durch die parallel dazu gestiegene Steuerlast kann es aber trotzdem zu einer Verringerung des Einkommens kommen.

Da das deutsche Steuersystem die Inflation nicht berücksichtigt, steigt mit jeder nominalen Erhöhung des Bruttolohns auch die Einkommensteuer - und zwar stärker als das Einkommen selbst. "Schleichende Steuererhöhung" oder "kalte Progression" heißt dieses Phänomen. Die Sondereinnahmen des Staates aus diesem Effekt sind enorm. Im Zeitraum zwischen 2001 und 2006 hatte der Fiskus allein durch die schleichende Steuererhöhung Mehreinnahmen von rund 63 Milliarden Euro. Das hat das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen errechnet. Wenn die Preise steigen, klettern damit auch die Einnahmen aus der Umsatzsteuer, die auf 19 Prozent angehoben wurde. Knapp vier Milliarden Euro zusätzliche Steuern wird der Fiskus allein in diesem Jahr aufgrund der hohen Inflation und der „kalten Progression“ einnehmen, schätzt der Bund der Steuerzahler.

Das Zögern der deutschen Politik, die Inflation im Steuersystem zu berücksichtigen, hat zwei Gründe. Erstens sind die zusätzlichen Einnahmen aus der schleichenden Steuererhöhung zu verlockend. Und dann besteht der Vorteil, dass diese Einnahmen hereinkommen, ohne dass offizielle Steuererhöhungen die Wähler verärgern.

Zweitens sinkt im Fall von steigenden Preisen, aber stagnierenden Löhnen die Steuerbelastung automatisch - das Ergebnis wäre dann eine heimliche Steuersenkung. Und wenn man schon Steuern senkt, will man das doch lieber mit viel Getöse im Wahlkampf tun.

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