Aktien waren in 1999 und 2000 in aller Munde bzw. in jedermanns Depot. Ob vermeintlich zukunftsträchtige Internetfirmen, High-Tech-Schmieden oder Biotech-Unternehmen, alles strebte an die Börse. Unterstützt wurde der Hype durch den Börsengang der Deutschen Telekom. Mit dieser Welle fanden auch sogenannte Spaßaktien den Weg zur Börse. Kondomhersteller, Fußballvereine und Sexanbieter, häufig mit entsprechend lustiger Gestaltung der gedruckten Aktie. Doch waren solche Aktien wirklich ihr Geld wert oder musste man die Anlage als Liebhaberei abschreiben?
Sex sells
Ein besonders kurioser Vertreter der Spaßanlagen waren Sexaktien. Bei genauerer Betrachtung entpuppten sich aber viele Papiere als Flop. Zum Beispiel die Beate Uhse AG: Sex sells, sagt der Brite, leider traf dies für Beate Uhse in Flensburg nicht zu. Das nach eigenen Angaben führende Erotik-Unternehmen konnte die letzten Jahre nur eine enttäuschende Geschäftsentwicklung berichten. Wie sich die gedruckten Aktien mit leicht bekleideten Frauen kurvig präsentierten, wies auch die Kursentwicklung eine deutliche Kurve auf, hauptsächlich abwärts. Der Kurs der Aktie ermäßigte sich von rund 12 Euro in 2003/2004 auf heute unter 2 Euro. Allein in den letzten Monaten hat sich der Kurs halbiert.
Auch die Condomi AG aus Köln, angeblich größter Kondomhersteller Europas, konnte mit innovativen Verhütungsprodukten letztlich nicht überzeugen. Unglückliche produktferne Beteiligungen wie z.B. an der inzwischen insolventen Media! AG für innovative Medientechnologie halfen auch dem Kurs nicht. Von rund 4 Euro in 2003 bleiben derzeit nur rund 50 Cent pro Aktie. Dividende wird nicht gezahlt.
Fussballaktien
Eine unglaubliche Neuerung stellte in den Endneunzigern der Börsengang ganzer Fußballvereine dar. Die schönste Nebensache der Welt sollte den Fans auch noch Geld bringen. Dass man im Fußball viel Geld verdient, wusste man, aber dass ein Verein als tragfähiges Geschäftsmodell börsenreif wird, konnten sich bis dahin nur wenige Anleger vorstellen.
Mit dem Börsengang der Borussia Dortmund GmbH & Co KG auf Aktien konnte der Fußballfan endlich auch Anteilseigner an seinem Lieblingsverein werden. In der Tat erschienen die Möglichkeiten, neben den Einahmen des Spielbetriebs auch an der Verwertung des Namens Borussia Dortmund für Merchandising-Produkte zu verdienen, viel versprechend. Für die Aktionäre war ein Kauf des Papiers ein Reinfall. Bei zuletzt deutlich unter 1,50 Euro notiert die am 31. Oktober 2000 für 11,00 Euro ausgegebene Aktie.
Im Vergleich kein besseres Geschäft waren die Aktien von Juventus Turin. Ende 2002 bei rund 3 Euro gestartet, ist das Papier heute nur noch 0,80 Euro wert.
Mode und Lifestyle
Gutes Geld verdient haben dagegen alle Anteilseigner der Aktien von Adidas und Puma, zwei weltweit führenden Anbietern von Sportartikeln, Sportmode und Lifestyle-Produkten. So wie schon im Goldrausch Alaskas die Ausrüster und nicht die Schürfer am meisten verdient haben, so entwickelten sich die verfeindeten Bruderfirmen des Adi Dassler (Adidas) und Rudolf Dassler (Puma) zu Weltmarktführern. Lediglich die amerikanische Nike kann noch mithalten. Allein der Kurs der Puma-Aktie hat sich seit 2003 verfünffacht. Der Einstieg des französischen Luxuskonzerns PPR gab dem Kurs richtig Auftrieb. Derzeit notiert die Aktie bei rund 230 Euro. Wer die Übernahmeofferte von PPR angenommen hat, konnte sogar 330 Euro für ein Papier erlösen.
Die Adidas-Aktie hat den Sprung in die Top-30-Liga geschafft und notiert im DAX. Die Geschäfte laufen glänzend. Von rund 20 Euro in 2003 stieg der Wert der Aktie auf derzeit knapp 44 Euro. Die Papiere werden noch immer zum Kauf empfohlen.
Aktien sammeln - Historische Wertpapiere
Wer Aktien aus ideellen Aspekten und nicht als Geldanlage kauft, sollte die Finger von schlecht geführten Firmen und Spaßaktien lassen. Wirklich Spaß machen und Interesse für Industriegeschichte wecken können dagegen historische Wertpapiere. Vor allem ausgemusterte, das heißt für kraftlos erklärte Papiere, aus den Jahren vor 1945 sind bei Sammlern gesucht. Alte amerikanische Standard-Oil Aktien mit der originalen Unterschrift Rockefellers von 1870 erzielen in Auktionen bereits fünfstellige Preise.
Auch alte deutsche Aktien finden immer mehr Liebhaber. So erzielte eine Aktie der Neuen Theater Actiengesellschaft Frankfurt auf einer Auktion den stolzen Preis von 15.000,00 Euro. Untersuchungen der Fachzeitschrift HP-Magazin ergaben, dass sich der Durchschnittspreis der 15 beliebtesten historischen Aktien seit 1982 verachtfacht hat. Wie auch beim Briefmarkensammeln sollten gute Marktkenntnisse vorhanden sein, wenn das Hobby zugleich auch als Geldanlage fungieren soll.