Einen guten Arzt zu finden – bisher ein schwieriges Unterfangen und oft reine Glückssache. Vielleicht bekommt man mal einen Tipp von Freunden oder der Hausarzt empfiehlt einen Kollegen, den er selber schätzt. Aber sonst? Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen, die es eigentlich könnten, geben keine Auskunft. Da wäre ein Bewertungsportal von Patienten für Patienten genau das Richtige.
Genauso so ein Portal will die AOK jetzt ins Leben rufen. Der „AOK-Arzt-Navigator“ hat die Verbesserung der Behandlungsqualität zum Ziel – und trennt ganz nebenbei die Spreu vom Weizen. Versicherte der AOK haben dann die Möglichkeit, Leistung und Service der in Deutschland niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte zu bewerten. Erhält ein Arzt überwiegend negative oder positive Bewertungen sollen diese auch in die Ärztebewertung der Krankenkasse mit eingehen.
Unseriös...
Natürlich stößt so ein Bewertungsportal bei den Ärzten nicht gerade auf Gegenliebe. Sind die Beurteilungen der Krankenkassen noch weitestgehend anonym und für Patienten nicht öffentlich zugänglich, ist das Internet, wie jeder weiß, ein „offenes Buch“. Und kein Arzt lässt sich gern öffentlich kritisieren. So tun denn auch viele Ärzte ein solches Bewertungsportal als „subjektiv“ und „unseriös“ ab.
Sicherlich gibt es die Gefahr, dass Patienten vielleicht einfach nur ihren Frust loswerden wollen und hauptsächlich negative Bewertungen abgeben. Deshalb soll sich der Ärzte-Navigator auch von bereits bestehenden, privat betriebenen Portalen unterscheiden. Einseitige Urteile sollen vermieden werden, indem Bewertungen zum Beispiel erst veröffentlicht werden, wenn auch genügend eingegangen sind. Es werden Fragen zu Kriterien wie Service, Freundlichkeit oder Praxisorganisation gestellt, die ausschließlich mit "ja" oder "nein" beantwortet werden können. Medizinische Leistungen werden vom Fragenkatalog ausgenommen – die kann auch kein Patient bewerten. Auch ist die Gefahr, dass ein Patient einen Arzt unter verschiedenen Identitäten mehrmals bewertet, ist verschwindend gering: Jeder Versicherte soll einen Arzt nur einmal bewerten können.
...oder nützlich?
In einem sind sich jedoch Krankenkassen und Patienten einig: Ein Ärzte-Bewertungsportal kann für Patienten eine wichtige Orientierungshilfe bei der Suche nach einem guten Arzt sein. Umfragen zeigen auch, dass viele Patienten sich solch einen „Wegweiser“ wünschen. Für sie zählt vor allem: Wie benimmt sich der Arzt mir gegenüber? Nimmt er sich Zeit, ist er verständnisvoll und geht auf mich ein? Genau dies sind auch Kriterien, die jeder Patient beurteilen kann. Nimmt man dazu die Erfolgsquote des Arztes – also wie gut ist das jeweilige Behandlungsergebnis, werden die die richtigen Medikamente zur Therapie angewendet -, ergäbe sich ein ziemlich genaues Bild über den Arzt. Solche Erfolgsstatistiken gibt es beispielsweise für Krankenhäuser in den USA, aber auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung soll an einem solchen Kriterienkatalog arbeiten. Allerdings ist geplant, diese Daten vorerst nur intern zu verwenden.
Doch auch Ärzte können vom Arzt-Navigator profitieren – nämlich dann, wenn sie kritikfähig sind. Sie sollten ein solches Bewertungsportal als Chance nutzen und sich eventuelle Klagen zu Herzen nehmen. Dann können sie sich beim nächsten Mal auch über eine positive Beurteilung freuen..