Auf den ersten Blick scheint die Gesundheitskarte nur eine wirkliche Neuerung zu haben: das Lichtbild auf der Vorderseite der Karte. Alle weiteren Daten stimmen mit denen auf der jetzigen Versichertenkarte überein: Name, Adresse, Versichertennummer und -status sind Pflichtangaben. Neu ist dagegen die Integration der Europäischen Krankenversicherungskarte auf der Rückseite der Gesundheitskarte. Zudem enthält die neue Karte einen Mikroprozessorchip. Dieser ist programmierbar und kann weitaus mehr Daten speichern als der jetzige Speicherchip.
Wichtige Funktionen bleiben Zukunftsmusik
Leider wird diese Speicherkapazität noch gar nicht genutzt. Ursprünglich sollten auf der Karte bereits Notfalldaten und elektronische Rezepte hinterlegt und so Ärzte, Apotheker und Kliniken besser vernetzt werden. Doch die Speicherung dieser Daten wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und beruht nun teilweise auf Freiwilligkeit.
Freiwillige Funktionen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden können, sind:
Notfalldaten
Allergien, Arzneimittelunverträglichkeiten oder wichtige Vorerkrankungen können auf der Chipkarte
gespeichert werden. Der Arzt kann so im Notfall schnell reagieren
Arzneimitteldokumentation
Arzt und Apotheker sollen so einen Überblick darüber erhalten, welche Arzneimittel der Patient
bekommen hat. Dadurch wird das Risiko gefährlicher Wechselwirkungen von Medikamenten
verhindert.
Arztbriefe
Wichtige Informationen können durch die Speicherung der Arztbriefe auf der Chipkarte schneller
zwischen den behandelnden Ärzten ausgetauscht werden.
Elektronische Patientenakte
Sie soll die individuelle Krankengeschichte enthalten. Dazu gehören Operationsberichte,
Röntgenbilder sowie Labor- und Untersuchungsbefunde.
Diese Daten dürfen nur mit dem Einverständnis des Versicherten gespeichert werden. Zusätzlich soll es auch eine Zugriffsbeschränkung geben. Das heißt, dass Sie bestimmen, welcher Arzt welche Daten sehen darf. Zudem haben Sie die Möglichkeit, sich Ihre auf der Karte gespeicherten Daten beim Arzt oder Apotheker ausdrucken zu lassen.
Das umstrittene Lichtbild und Sicherheitsbedenken
„Die Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte insbesondere zum Nachweis des Bestehen eines Versicherungsverhältnisses kann nur nach Angabe aller dafür erforderlichen Daten erfolgen. Dazu gehört das Lichtbild.“, heißt es auf Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit. Ohne Lichtbild also kein Versicherungsschutz. Ausnahmen werden nur für unter 15-jährige und Pflegebedürftige gemacht. Mit dem Lichtbild soll der Missbrauch der Karte verhindert werden. Doch kontrollieren die Kassen eigentlich, wie ihre Versicherten aussehen? Eine Zweckentfremdung der Karte kann also auch hier nicht ausgeschlossen werden.
Ein weiterer Kritikpunkt vieler Gegner ist die Sicherheit der Gesundheitskarte. Es gilt das Zwei-Schlüssel-Prinzip: Sowohl der Arzt als auch der Patient müssen sich vor dem Datenzugriff autorisieren. Ärzte benötigen ihren elektronischen Heilberufsausweis, Patienten identifizieren sich durch eine Geheimnummer. Ausnahmen bilden akute Notfälle, das Einlesen der administrativen Daten in der Arztpraxis sowie das Einlösen des elektronischen Rezeptes in der Apotheke.
Auch die letzten 50 Zugriffe werden auf der Karte gespeichert. Zudem soll eine Speicherung auf verschiedenen Servern erfolgen. Werden wir also alle zum gläsernen Patienten? Fakt ist: niemand kann garantieren, dass die sensiblen Daten nicht doch von Dritten ausspioniert werden können.
Schrittweise Einführung ab 1. Oktober 2009
Tests haben der neuen Gesundheitskarte noch zahlreiche Mängel bescheinigt. Dennoch soll die neue Gesundheitskarte in drei Monaten eingeführt werden – erst in der Region Nordrhein, dann flächendeckend. Die angepriesenen Funktionen, die alles so viel einfacher machen sollten, werden erst einmal ausgespart. Stattdessen bietet die Gesundheitskarte die gleichen Funktionen wie die jetzige Versichertenkarte.
Was lange währt, wird also nicht immer gut. 2006 sollte das Projekt bereits starten, doch wegen zahlreicher Pannen wurde die Einführung mehrfach verschoben. Am 1. Oktober soll die Gesundheitskarte nun definitiv kommen - aber einen Fortschritt bringt sie erst mal nicht.
Ausführliche Informationen zur Gesundheitskarte finden Sie ab August auf unserer Homepage – Schauen Sie doch mal rein!